1:43:53 und ein Hopfengetränk

Einer Wette mit Albert (einem Arbeitskollegen) habe ich meine Teilnahme am heurigen Graz-Marathon zu verdanken. Um ein lausiges Bier haben wir gewettet, wer über die Halbmarathondistanz schneller sein würde. Einen Halbmarathon bin ich vor eineinhalb Jahren schon mal gelaufen, aber da lag der Fokus auf „gemütlich“ und „tratschen“ und „durchkommen“.

Daher weiss ich nicht so recht, wie ich diesen Lauf angehen soll und welches Ziel ich mir stecken soll? 1:50 Std. traue ich mir schon zu, 1:45 Std. ist meine Wunschzeit, am wichtigsten ist natürlich, vor Albert im Ziel zu sein.

1:45 Std. ist dann auch mein „offizielles“ Ziel, auf diese Zeit stelle ich meinen Tempomacher, meinen Forerunner 405 ein, der mir während des Rennens verraten würde, ob ich im Plan bin, oder nicht.

Zum Start des Tages verwöhne ich mich mit einem richtig guten Frühstück, Spiegelei, Toast, Weetabix, Obst und rede mir fest ein, dass mir das die notwendige Energie verleihen wird. Dann verdaue ich noch ein bissl und radle in die Stadt zum Start bei der Oper.

KM 0: Am Start herrscht überraschend wenig Gedränge, erst in den Sekunden vor dem Startschuss drängt alles nach vorne. Wir laufen mit „der Masse“ mit, es geht leicht bergauf durch den Stadtpark Richtung Elisabethstraße.

KM 1: Eigenartige Stimmung in der Elisabethstraße – wo sonst Verkehrslärm herrscht gibt es nur das Geräusch von hunderten Paaren Laufschuhen. Laut meinem Forerunner sind wir etwas zu flott unterwegs. Ein wenig achte ich darauf, ob sich mein rechtes Sprunggelenk bemerkbar macht, dass mir in den letzten beiden Wochen das Lauftraining vermiest hat. Aber dank „neuen alten“ Schuhen, gibt es diesbezüglich kein Problem.

Nach 4 Kilometern war ich noch halbwegs frisch
Nach 4 Kilometern war ich noch halbwegs frisch

KM 2: Vor dem Hilmteich sehe ich dann Albert das letzte Mal neben mir. Irgendwie ist er plötzlich weg. Auch wenn ich eher ihn hinter mir wähne – hat er das Gedränge ausgenützt und ist er vorne weggesprintet? Egal: Gas!

KM 4: Langsam dünkt mir aber, dass wir viel zu weit vorne im Feld gestartet sind und eher weiter nach hinten gehört hätten. Aber seit dem Hilmteich geht es leicht bergab, was es mir erlaubt, mit den anderen Läufern mitzuhalten.

KM 6: Doch seit der Körösistraße geht es leicht, aber spürbar bergauf und bei der Kalvarienbergbrücke merke ich, dass ich immer öfter überholt werde. Laut meinem Forerunner habe ich schon 2:30 Minuten Vorsprung auf mein geplantes Tempo. Ich beschließe, nicht mehr zu versuchen, den Vorsprung weiter auszubauen, sondern ihn zu halten. Das würde immer noch eine sehr schöne Zielzeit ergeben.

KM 8: Die zweite Labestation ist die erste wo ich mich bedienen muss. Vorerst nur Wasser. Wo ist Albert? Keine Ahnung. Sicher hinter mir. Die Stimmung ist toll, so viel Publikum, so viele Anfeuerungsrufe. Eiskalte Schauer.

KM 11: Schon Halbzeit. Nun wird man laufend von „frischen“ Staffelläufern überholt, die einem um die Ohren rennen.

KM 12: Eine sehr demotivierende Extraschleife rund um den Innovationspark ist zu laufen. Nach 2 Minuten sind wir wieder dort wo wir von der Puchstraße abgebogen sind. Leere Kilometer.

KM 14: Puntigamer Straße. Von nun an geht’s bergauf. Ich merke wie ich langsamer werde und auch mein Forerunner beginnt mir mitzuteilen, dass mein Vorsprung kontinuierlich schwindet. Verdammt, Albert holt mich sicher bald ein…

KM 16: Kasernstraße. Krampf. Bleibe kurz stehen, um ihn auszudehnen. Merke, dass das nicht geht, weil ich mein Knie nicht nach vorne abbiegen kann. Wurscht. Weiter. Noch 5 km, nicht mal 25 Minuten. Immer noch keine Ahnung wie weit Albert hinter mir ist.

Bei Kilometer 18 war es schon eher eine Qual
Bei Kilometer 18 war es schon eher eine Qual

KM 18: Ein weiterer Arbeitskollege, welcher zum Fotografieren da ist, gibt mir unbewusst Informationen, wo Albert ist. Nachdem er mich fotografiert hat, macht er sich groß und blickt in die Ferne, ob er Albert sehen kann. Aha, weit hinter mir! Noch 3 km.

KM 19: Augarten. Sehr zach.

KM 20: Abbiegen vom Kai in die Sackstraße. Bei dieser Spitzkehre kann ich selber sehen, dass Albert nicht unmittelbar hinter mir ist und langsam werde ich mir sicher, die Wette zu gewinnen. Hauptplatz, Herrengasse, Eisernes Tor. Ziel in Sicht.

KM 21: Letzter Motivationsschub knapp vor dem Ziel, VereinskollegInnen feuern mich an. Danke Luc, Hanni, Carina, Eva und Sandro! Zielsprint!

KM 21.095: Ziel. Zeit stoppen. 1:43:53. Stehenbleiben. Schnaufen. Gewonnen. Wurscht. Hauptsache vorbei…

Albert kommt dann 3:03 Minuten nach mir ins Ziel, da kann ich schon wieder auf relaxt machen. Ich hatte immer einen komfortablen Vorsprung, was ich natürlich während dem Lauf nicht wissen konnte. So hat mich der bloße Gedanke, eingeholt zu werden, motiviert, schneller zu laufen. Dafür danke, Albert! Und klarerweise auch danke für das Bier!

Für den Grazer Halbmarathon im März 2010 haben wir bereits Möglichkeit zur Revanche vereinbart und den Wetteinsatz verdoppelt.



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