Fels und Eis: Der Kurs

Kraxlerei im ewigen Eis
Kraxlerei im ewigen Eis

Die Rudolfshütte war das Basislager für unsere Kurswoche „Fels und Eis“ in der Orotl, rutschger, LaVic und ich an den für Hochtouren notwendigen Fertigkeiten feilen wollten. Diese „Hütte“ entpuppte sich als schönes ***-Hotel und der Kurs als abenteuerreicher Urlaub mit Lerneffekt.

Prolog

In den ersten Arbeitstagen des neuen Jahres machten die zwei nixtuer Orotl und mich darauf aufmerksam, dass sie sich für August zum „Grundkurs Fels und Eis“ der Alpinschule Peilstein des ÖAV angemeldet haben und wir es ihnen gleichtun sollten.

Vor einigen Jahren hatte ich mir schon mal genau diesen Kurs überlegt, es damals aber dann doch nicht gemacht und stattdessen eine Kletterwoche in der Provence verbracht. Nach kurzer Rückfrage beim Alpenverein („Ja, noch 4 Plätze frei“) habe ich mich wenige Tage später angemeldet.

Nun galt es noch Orotl zu überzeugen, was uns nach einigen Wochen (!) doch gelang. Doch die Antwort war diesmal „Leider schon voll!“. Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Warteliste wurde der Kurs auf zwei Gruppen aufgestockt und auch unser „Gletschorotl“ war dabei.

Der erste „Schock“ kam wenige Tage später als die Ausrüstungsliste ins Haus flatterte, so ganz günstig dürften wir hier nicht davonkommen. Dementsprechend lange haben wir die Einkäufe aufgeschoben und statteten erst wenige Wochen vorher Bergfuchs und Gigasport einige Besuche ab, letztendlich kostete der Kurs (inkl. Halbpension) mit 580 Euro ca. ein Drittel der dafür gekauften Ausrüstung und Bekleidung.

Inventur, das alles musste nur mehr in meinen Rucksack passen
Inventur, das alles musste nur mehr in meinen Rucksack passen

Tag 1: Anreise & Kennenlernen

Tag X kam immer näher und schließlich standen wir am Sonntag um 15 Uhr am Enzinger Boden bei der Talstation der Seilbahn zur Rudolfshütte.

Endlich verstehe ich Orotls McD-Abneigung: Weil ihm rutschger immer das Essen stibitzt!
Endlich verstehe ich Orotls McD-Abneigung: Weil ihm rutschger immer das Essen stibitzt!
Ein ungewöhnlicher Verkehrsstau stellte den vor uns fahrenden Deutschen vor große Probleme
Ein ungewöhnlicher Verkehrsstau stellte den vor uns fahrenden Deutschen vor große Probleme

Schnell waren die Zimmer in der Hütte bezogen – wir durften zu zweit ein Vierbettzimmer nutzen – und versammelten uns an der Hotelbar zu einem Begrüßungsdrink und warteten auf die anderen Kursteilnehmer und Bergführer.

Beim Essen lernten wir dann unseren Guide Gerald und „die drei Pitniks“ Susanne, Günter und Alfred kennen, mit denen wir die kommenden fünf Tage verbringen sollten. Vier weitere Kursteilnehmer wurden dem zweiten Bergführer zugeteilt.

Das heutige Abendprogramm war eine Einführung in die Kartenkunde – zugegeben, da hab ich mich etwas gelangweilt.

Tag 2: Erste Übungen & erster Gipfel

Heute standen drei Punkte am Programm:

  1. Gehen im steilen Fels
  2. Begehen von steilen Firnfeldern und was tun bei einem Ausrutscher
  3. Ein erster kleiner Gipfel
"Gehen im Gelände"
„Gehen im Gelände“

Egal wohin man von der Rudolfshütte auch hinwill, zuerst geht es immer 50 Höhenmeter bergab um zu einer der beiden Staumauern des Sees zu gelangen.

Die erste Übung fand auf steilen, plattigen Felsen statt, wo es die Rutschfestigkeit unserer Wanderschuhe zu testen galt und Gerald machte uns die richtige Schritttechnik bewusst, welche sich uns auch später beim Gehen mit Steigeisen als nützlich erweisen sollte. Wirkte erst sehr simpel, hat am Ende aber wirklich etwas gebracht.

Dann suchten wir ein (gerade mal 30°) steiles Schneefeld aus und übten dort wie man ungewollte Rutschpartien vermeidet und wie man sie beendet, falls man doch die Bodenhaftung verliert (Liegestützstellung). Durchaus anstrengend für die Arme, wie ich aufgrund der „Nachwirkungen“ (Spatzen) bemerken sollte.

Auftakt zur Rutschpartie
Auftakt zur Rutschpartie
Aufstieg im steilen Firn
Aufstieg im steilen Firn
Am Medelzkopf
Am Medelzkopf

Danach stiegen wir auf zum Kalser Tauern, querten von dort zur Medelzscharte und erklommen über grobes Blockwerk den Gipfel des Medelzkopf (2761 m) wo wir auch auf die zweite Gruppe trafen.

Abendprogramm: Erstellen einer Tourenskizze.

Obwohl es heute nur „wenige“ Höhenmeter waren, war die ganze Gruppe anständig müde, das Auf und Ab bei den Schneefeldübungen, die nette kleine Gegensteigung zur Hütte sowie die erste Nacht auf ungewohnter Höhe hatten uns zugesetzt.

Tag 3: Halt! Ein Spalt!

Zwei Programmpunkte prägten den heutigen Tag:

  1. Besteigung der Hohen Fürleg (2943 m)
  2. Erlernen der Spaltenbergungstechnik

Für die Spaltenbergungsübungen suchten wir uns einen etwa 7 m hohen Schneeabbruch über einem See. Um da jemanden heraufholen zu können, muss natürlich erst mal jemand hinunter. Was? Wie? Ich zuerst?

Also wurde ich angeseilt und durfte ohne weitere Erklärung da runterhupfen. Dass das Manöver auch dazu dienen sollte, uns zu veranschaulichen, dass man einen Spaltensturz alleine (in diesem Fall der arme Orotl) nicht halten kann, sagte mir natürlich keiner. Aber Gerald sicherte im Hintergrund und so sagte ich „Ade, du schöne Welt“, und…

Da soll ich runterhupfen? Dem Orotl vertrauen?
Da soll ich runterhupfen? Dem Orotl vertrauen?
Und weg war er!
Und weg war er!
Ganz bequem so ein improvisierter Gletscherspalt
Ganz bequem, so ein improvisierter Gletscherspalt
Die da oben wissen hoffentlich, was sie tun!
Die da oben wissen hoffentlich, was sie tun!

Der Fall/Sturz/Rutsch war dann aber viel weicher als erwartet – ein Orotl hat halt viel Reibung. Oben gab’s dann eine Einschulung in die Spaltenbergung, und nach laaaangem Warten kam doch ein Seil mit Karabiner herunter und der starke (naja, halbstarke, denn dank Flaschenzug reichte halbe Kraft) Orotl zog mich rauf.

Dann waren wir reihum dran, jeder durfte einmal in die Gletscherspalte „fallen“, jeder durfte einmal den Gefallenen bergen, so konnte ich mich bei Orotl revanchieren.

Abendprogramm: Seilknoten

Tag 4: Der erste Gletscher, der erste 3000er

Heute war unser erster richtiger Gletscherkontakt, eine Tour auf den Stubacher Sonnblick (den wir aus meteorologischen Gründen in „Stubacher Nebelstein“ umtauften) stand am Programm.

Eine gute Stunde folgten wir dem uns nun schon gut bekannten Weg in Richtung Hohe Fürlegg, bis wir abzweigten und uns dem Gletscher näherten. Über das Sonnblickkees ging es aufwärts bis ca. 150 Hm unter dem Gipfel, von dort einer Steigspur durch Geröll folgend zum Gipfel.

Wie geht denn das mit dem Anseilen?
Wie geht denn das mit dem Anseilen?
Die ersten kleinen Spalten
Die ersten kleinen Spalten
Unsere zwei Seilschaften am Weg nach oben
Unsere zwei Seilschaften am Weg nach oben
Am Gipfel des Stubacher Sonnblicks
Am Gipfel des Stubacher Sonnblicks

Den nixtuern möchte ich hiermit zum ersten 3000er gratulieren, auch für Orotl war es der höchste Gipfel seiner Bergsteigerkarriere, erst vor wenigen Wochen waren wir gemeinsam auf seinem ersten 3000er.

Der Abstieg folgte der gleichen Route, der Berg war in der Zwischenzeit auch nicht faul und machte uns eine alpine Gefahr bewusst: Während unseres Aufenthalts am Gipfel löste sich ein ordentlicher Felsbrocken und rutschte über den Gletscher, quer über unsere Aufstiegspur.

Abendprogramm: Anpassen der Steigeisen

Tag 5: Im ewigen Eis

Heute durften wir zum ersten Mal unsere Steigeisen ausprobieren. Gerald hatte schon in den Tagen zuvor ein Plätzchen an einem Ausläufer des Sonnblickkees ausgekundschaftet, dieses war unser Steigeisentestgelände.

Am Anfang war das Gehen mit den Krallen an den Füßen durchaus ungewohnt, doch nach dem ein oder anderen Tipp unseres Guides fühlten wir uns zunehmend sicherer und Gerald ließ uns schon in schwierigeres Gelände, wo wir auch unsere Pickel als Aufstiegshilfe benutzen mussten.

Die ersten zaghafen Schritte mit Steigeisen
Die ersten zaghafen Schritte mit Steigeisen
Der Meister zeigt mir, wie's geht
Der Meister zeigt mir, wie’s geht
*knirsch* *knirsch*
*knirsch* *knirsch*
*knirsch* *knirsch*
*knirsch* *knirsch*

Nach der Mittagspause lernten wir verschiedene Standbautechniken mittels Eisschrauben, ein Kräftemessen Sanduhr aus Eis vs. 5 Mann + 1 Frau endete mit einem klaren Sieg für den Gletscher. Dann starteten wir – toprope gesichert – unsere ersten Kletterversuche im Eis. Erstaunlich wie leicht – im Vergleich zum Klettern am Fels – man so eine Eiswand hinaufkommt, wenn man Griffe (Pickel) und Tritte (Steigeisen) selber mitbringt.

Gut gesichert machen wir unsere...
Gut gesichert machen wir unsere…
...ersten Eiskraxelversuche
…ersten Eiskraxelversuche

Nach diesem – leider viel zu kurzen – Aufenthalt im Eis stiegen wir wieder hinab zu unserem „Gletscherspalt“ wo wir die Spaltenbergungstechnik festigten.

Abendprogramm: Abseilübungen aus dem zweiten Stock, durchaus fordernd, wenn man – so wie ich – in Gebäuden nicht schwindelfrei ist.

Tag 6: Die Abschlusstour

Heute stand kein „Stoff“ mehr am „Lehrplan“, dafür galt es auf einer Tour auf die 3086m hohe Granatspitze das bisher Gelernte anzuwenden.

Der Glockner (rechts hinten) zeigte sich und heute das erste und einzige Mal in dieser Woche
Der Glockner (rechts hinten) zeigte sich und heute das erste und einzige Mal in dieser Woche
Unsere drei Seilschaften
Unsere drei Seilschaften
Orotl weiss, was er tut?
Orotl weiss, was er tut?

Über den St. Pöltner Ostweg mit einer kurzen Klettersteigpassage erreichten wir das Südostende des Sonnblickkees, wo wir unsere Seile und auch Steigeisen anlegten, denn im unteren Teil war der Gletscher schon aper und somit blankes Eis. Nach der Gletscherquerung erkletterten wir den Gipfel über den Südgrat. Zwar „nur“ im zweiten Schwierigkeitsgrad, trotzdem sicherten wir uns brav gegenseitig.

Am Gipfel genossen wir die herrliche Aussicht auf die umliegenden Gipfel, nur der Glockner blieb nach einem kurzen Gastspiel für den restlichen Tag in Wolken gehüllt.

Am Gipfel der Granatspitze
Am Gipfel der Granatspitze

Um den Abstieg zu beschleunigen, wählten wir die Abseilpiste, doch über den Grat abzuklettern wäre schneller gewesen. Acht Leute brauchen doch ihre Zeit.

Abseiling
Abseiling
Blick nach oben
Blick nach oben

Tag 7: Nach dem Kurs ist vor dem Kurs

Nach dem Frühstück endete der Kurs nun auch offiziell und wir packten unsere Sachen und gondelten wieder ins Tal.

Ich möchte hier aber nicht versäumen, unserem Bergführer Gerald sowie den anderen Kursteilnehmern für diese grandiose Kurs- und Tourenwoche zu danken! Eine wirklich wunderbare und lehrreiche Woche liegt hinter uns.

Da die Nixtuer, Orotl und die Pitniks genauso begeistert waren, haben wir schon die Fortsetzung für nächstes Jahr vereinbart. Die Kürsingerhütte am Großvenediger wird dann unser Stützpunkt sein – Ich freu‘ mich schon!

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