Durch die „Frauen­mauer­hölle“

Nein, das ist kein Schreibfehler! Die heisst wirklich so, das habe ich heute sogar schriftlich bekommen! Doch dazu später mehr…

Gut, mein letzter Besuch in der Frauenmauerhöhle liegt schon einige Jahre zurück. Aber Fotos, welche die Höhle im Frühjahr mit wunderschönen Eisskulpturen zeigen, halten mein Interesse wach. Diese endlich mit eigenen Augen sehen, nehme ich mir jeden Winter vor. Doch scheine ich Jahr für Jahr den richtigen Zeitpunkt zu verpassen.

Heute wollen Werner und ich es einfach „probieren“, die Hoffnung auf Eis ist im Vorfeld eigentlich nicht allzu groß, doch scheinen wir genau den richtigen Moment erwischt zu haben, die Höhle zeigt sich heute von einer wunderbar eisigen Seite!

Die Frauenmauer (1827m)

Wir parken in der Gsollkehre zwischen Eisenerz und Präbichl, von dort geht es über eine Forststraße zur Gsollalm, bald danach beginnt der steile Weg zum Westeingang der Höhle am Fuß der Frauenmauer. Wir legen noch eine kurze Pause ein und sagen – sicher ist sicher – noch bei Freunden Bescheid, dass wir nun in die Höhle gehen.

Schon beim Westeingang der Höhle…
…“wartet“ der erste leuchtende Eismann

Gleich im Eingangsbereich beeindruckt uns die Menge an Eis, wir müssen auch sofort die Grödel montieren. Da Werner nicht nur seine Spiegelreflexkamera dabei hat, sondern sich damit auch noch auskennt, versuche ich gleich, die ersten Eismänner mit meiner Taschensonne ins rechte Licht zu rücken.

Eiszapfen, gar nicht klein!
Auch die Wände und Böden sind voller Eis

Beeindruckt von den Eiszapfen verlassem wir gleich den „rechten Weg“ und gehen links hinunter in den Keller. Solange, bis der Weg in einem Schlurf endete. Dieser kommt mir so gar nicht bekannt vor – muss aber natürlich trotzdem erforscht werden. Nach wenigen Metern ist ohnehin Schluss.

Hier geht’s wohl doch nicht weiter. Aber probieren wird man ja wohl noch dürfen!

Also gehen wir zurück folgen und dem richtigen Weg, die schwarze ‚Wasserleitung‘ ist für die ersten Meter ein guter Wegweiser.

Oft gibt es keinen Weg, nur eine Eisbahn
Werner in der Engstelle
Es „regnet“ mehr…
…als uns manchmal lieb ist

Ohne Grödel oder Steigeisen gäbe es in der Frauenmauerhöhle heute kein Durchkommen. Immer wieder ist der Boden mit einer dicken Eisschicht bedeckt.

Das Eis quillt aus allen Löchern
Eine größere Halle, ganz ausgeleuchtet

Irgendwann beginnen wir dann mit Lichtspielereien, die Werner gekonnt mit seiner Kamera einfängt. Ich gebe – nach seinen Anweisungen – ’nur‘ den Beleuchter und tauche die Höhle mit meiner Stirnlampe und ein paar bunten Plastikfolien in verschiedene Farben.

Vulkan in rot
Eisregen
Vulkan in Blau
Probier’s mal violett?

Irgendwann versuchen wir uns dann an zweifärbigen Fotos…

Spiel mit zwei Farben
Noch mehr rot & blau
Kleine Eisstalagmiten
Blick in die Kristallkugel

Der Blick in die Eiskristallkugel verrät mir leider nicht viel, jedenfalls habe ich das nun folgende Ereignis nicht kommen sehen.

Bereits knapp vor dem Osteingang steigt der Weg an und ist wieder einmal ganz dick vereist. Nach einer kleinen Unachtsamkeit (will heißen: patschert halt) rutsche ich aus, lande äußerst unsanft (Kopf → Eis) und schlittere etwas die Eisbahn hinunter.

Etwas erschrocken („Was ist, wenn jetzt was ist?“) stelle ich schnell fest, dass „alles noch dran“ ist und sich auch bewegen lässt. Trotzdem tut mir so einiges weh. Na, eh nicht so schlimm, doch dann merke ich, wie mir Blut von der Nase tropft.

Über dem linken Auge diagnostiziert Werner ein Schönes Cut, welches du wahrscheinlich wirst nähen lassen müssen.

Mit beidem wird er recht behalten, aber die Fotos erspare ich euch an dieser Stelle 😉

Nach kurzer improvisierter Verarztung setzen wir den Weg zum Osteingang fort, wo wir erst einmal ordentlich pausieren, jausnen und durchschnaufen. Ein schönes Panorama zum Hochschwab bietet sich uns hier.

Das Panorama am Osteingang: Ein Blick in den Hochschwab
Das Panorama am Osteingang: Ein Blick in den Hochschwab

Unter den gegebenen Umständen würde ich jetzt gerner den Weg zum Neuwaldeggsattel nehmen. Doch dieser liegt unter metertiefem Schnee, also müssen wir den Rückweg auch durch die Höhle antreten. Gefällt mir zwar nicht, aber es gibt jetzt und hier keine brauchbaren Alternativen.

Nicht jeder Eiszapfen wächst ganz gerade
Härtetest – keine Angst, alles noch ganz!

Letztendlich erreichen wir recht schnell wieder den Westeingang. Froh, dass wir „durch“ sind, nutzen wir das Bankerl am Illmaierplatzl für eine lange Sonnenpause.

Lange Sonnenpause am Westeingang
Die Kamera hat gelitten
Das Panorama am Westeingang: Griesmauerkogel, TAC Spitze, Polster

Zum Auto nehmen wir den gleichen Weg, den wir gekommen sind.

Knapp unterhalb des Höhleneingangs erleben es noch eine weitere Schrecksekunde: ein kindskopfgroßer Stein schlägt einige Meter neben Werner ein – die Steinschlagwarnung ist also nicht umsonst. Hier hätte kein Helm der Welt mehr geholfen (beim Ausrutscher in der Höhle hingegen schon).

Also lassen wir diesen Teil möglichst schnell hinter uns und flüchten im Laufschritt in den Wald.

Beim Auto kann ich dann endlich selber unter das Pflaster am Auge schauen, ob ich denn damit zuhause wohl zum Arzt muss. Länge und Tiefe des Cuts beeindrucken mich dann selbst und es ist wohl besser, es gleich im LKH Eisenerz herzuzeigen…

Gemütlicher Ausklang im LKH Eisenerz mit Pickerl am Hirn

An dieser Stelle dem Team der chirurgischen Ambulanz des LKH Eisenerz vielen Dank für a) die prompte Behandlung, b) die ausgezeichnete Unterhaltung – so einen lustigen Spitalsbesuch habe ich noch nie erlebt – und c) den perfekten Service: die 5 Meter vom Behandlungszimmer zum Lift werde ich sogar chauffiert – Mein Argument, dass ich vorher mit dem Cut schon mehrere Stunden unter Tage unterwegs war wird nicht gelten gelassen. Vorschrift ist halt Vorschrift!

Die Höhle mit dem vielen Eis war ein schöner Ausflug und doch auch ein Abenteuer, das schlimmer ausgehen hätte können. Zum Glück kann ich im Nachhinein sagen: Gut is gangen, (fast) nix is g’schehn!

Und um zum Titel des Beitrages zurück zu kommen: Auf meinem Befund, den man mir zum Abschied in die Hand drückt, steht tatsächlich: Der Patient ist in der Frauenmauerhölle gestürzt…



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5 thoughts on “Durch die „Frauen­mauer­hölle“

  1. @Chris: Keine Sorge, bin eh schon fast wieder „ganz“. Am Montag kommen die Nähte raus und die blauen/gelben/grünen Flecken sind auch schon im verschwinden 😉

    @rutschger: Du musst nur ein bissl schieben, dann wird das schon gehen *zurücklehn*

  2. War voriges Jahr in der Frauenmaauerhöhle wandern. Habe gar nicht gewusst, dass man so schöne Bilder machen kann, naja habe auch keine so gute Kamera. Sind einfach tolle Fotos.

    War aber auch etwas stressig, mit der Wandergruppe nur alles schnell, schnell, konnte es nicht richtig geniessen. Aber einfach ein Supernaturschauspiel das man sehen kann

    l.g. Katharina
    Alpenverein Grünburg

    1. In dem Fall ist das richtige Timing alles, solche Fotos können maximal an ein, zwei Wochenenden während der Schneeschmelze gelingen.

      Ich möchte behaupten, dass wir da – trotz der Platzwunde – einfach Glück hatten 🙂

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