Karfreitagsbiwak auf der Pribitz

Die Pribitz (1579m)

Der Rufus will ja schon länger alle zum Fasten motivieren, bisher habe ich mich auf diesem Ohr aber doch eher taub gestellt. Plötzlich bekomme ich aber unerwartet „Hilfe“ von Orotl:

Orotl: Kennst du?
Gert: nur vom Hörensagen. Und vom Auffischaun beim Grünen See
Gert: morgen?
Orotl: ja
Gert (überrascht, aber Eingebung habend): Biwak?
Orotl: muss erst Töchterchen fragen…
Gert (kopfkratzend): ???
Orotl: …ob ich Ausgang bekomme.

Den Ausgang bekommt er schließlich – und dem Töchterchen habe ich somit zu einem Mathematik-Lern-freien Wochenende verholfen. Der Osterhase bringt allen was. Und Mathe is eh doof.

Für eine Nacht lang wird Wasserbett gegen Isomatte (vom Christkind gebracht und seither ihres ersten Einsatzes harrend) tauschen, das wird also mein Last-Minute Beitrag zur Fastenzeit.

Den Grünen See bei Tragöß habe ich früher nie gemocht. Das war so ein klassisches Muttertagsausflugsziel: Scheinbar endlose Hinfahrt, dann im Gasthaus sitzen und letztlich noch um einen langweiligen See hatschen! Wie sich die Zeiten doch ändern, heute kann ich mich dran nicht satt sehen (am See, nicht dem Gasthaus).

See und Gasthaus werden heute aber rechts liegen gelassen, Werner (ja, der ist auch wieder dabei) chauffiert uns bis zur Pfarreralm, wo wir unsere erschreckend schweren Rucksäcke schultern. Davor haben einen kurzen Disput mit dem Parkscheinautomaten, der beinahe eine unfreiwillige Spende einbehält.

Steil geht es aufwärts
Doch es gibt kein Halten!

Über uns nur eine steile Felswand, da soll ein Weg hinauf gehen? Bei der Pfarreralm bekommen wir noch den letzten Wegtipp: „Hinter dem stillen Örtchen beginnt der Weg“ (der genaue Wortlaut war etwas anders). Wir passieren also besagte Herzburg und folgen dem Stockerwandsteig über Geröll, gehauene Stufen und steile Waldwege bis zu einem markanten Aussichtsplatz.

Dort müssen wir uns entscheiden, ob wir dem Steig weiter folgen oder doch lieber dem – noch mehr Spannung versprechenden – Mehlofensteig. Dieser hat in seiner Beschreibung Worte wie Falllinie, Felsrippe, weglos, Gamssteigerl und Scharte. Also auffi.

Die Temperaturen sind absolut sommerlich – und ich muss daran denken, was ich alles „sicherheitshalber“ an warmer Kleidung im Rucksack mitschleppe. Selber schuld, statt zu frieren, rinne ich jetzt aus.

Orotl verschnauft, äh, genießt die Aussicht!
Werner testet seine neuen Bergschuhe

Nach kurzem weiteren Aufstieg verliert sich der Steig (oder wir ihn) und es geht mehr oder weniger weglos bergauf. Immer wieder taucht ein blaues Markierungspunkterl auf, ganz falsch sind wir also nicht. Immer wieder müssen wir Hand an den Fels legen. Ein paar Schuttrinnen und Schneeballschlachten später wird das Gelände wieder sanfter und wir nähern uns dem Gipfelbereich, den wir nach 2:15 Std., lächerlichen 3 Kilometern und 700 Höhenmetern erreichen.

Vierpfotenantrieb ist unfair!
Naturgeschütztes Blümchen

Am Gipfel angekommen, wird gleich einmal das Büffet angerichtet und der Griller (der sich auch in meinem Rucksack findet) hergerichtet. Orotl und Werner spielen Brandmeister, ich darf den Koch geben. Fleisch auf offenem Feuer zu brutzeln bringe ich ja gerade noch zusammen. Ans Fasten denkt keiner mehr.

Das Büffet ist angerichtet!
Fastenspeise?
Wohl eher nicht!

Orotl und Werner stürmen noch vor dem Essen los, um besagten Geocache zu suchen, und ich barfuß hinterher – angesicht einiger Schneefelder keine so gute Idee.

Mein langsamers Tempo nutze ich aber, um Osterhase zu spielen, zwei Hasen verstecke ich im Gebüsch. Wie frisch lackierte Hutschpferde strahlen Werner und Orotl nach dem Fund der beiden blauen Löffeltiere – die aber nur wenige Minuten später durch tragische Umstände ihr Leben lassen müssen. Trotz Schon- bzw. Fastenzeit!

Der Osterhase war da!
Sonnenuntergang
Die Nacht bricht herein

Nach Grillerei & Völlerei genießen wir noch den Sonnenuntergang, das weitere Abendprogramm hält sich in bescheidenem Rahmen. Wir beobachten die internationale Raumstation ISS auf ihrem Weg von Horizont zu Horizont, einen Iridium Flare verpassen wir leider. Noch vor 22 Uhr geht es ab in die Heia.
Ein hilfreicher Link zur Planung solcher Beobachtungen: Heavens-Above.

Da Temperaturen und Wind es zulassen, schlafe ich nur im Schlafsack und verzichte auf den Biwaksack (richte ihn aber sicherheitshalber her). Wie immer ist der Sternenhimmel bei solchen Nächten am Berg sehr beeindruckend und lässt mich kaum schlafen – so leicht kann man ein Stadtkind wie mich heutzutage begeistern.

Orotls „Tagwache“-Gebrüll kann ich in der Früh getrost ignorieren, schließlich habe ich mein Schlafplatzerl gut gewählt. Den Sonnenaufgang kann ich fußfrei aus der ersten Reihe beobachten, ohne aufstehen zu müssen. Letzteres fällt nämlich durchaus schwer, denn trotz wohlig warmer Temperaturen drinnen hat sich außen am Schlafsack eine dünne Reifschicht gebildet.

Der Sonnenaufgang findet leider hinter der Meßnerin (1835m) statt
Der Frost der Nacht am Schlafsack
Tiefblick zum Grünen See

Nach kurzer Beratung beschließen wir, den „langen“ Weg zurück zu nehmen – über die Sonnschienalm. Der passt genau in unser Zeitbudget und auf die steilen Steige bergab haben wir keine Lust. Unterwegs bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf die Touren der letzten Wochenenden: z.B. zum Hochturm und zur Frauenmauerhöhle. Die Hochschwabgegend wird halt nie fad.

Blick zum Hochturm
Die Pribitzalm zwischen Winter und Frühling
Die Sonnschienalm vor prächtiger Hochschwabkulisse
Blick zum Osteingang der Frauenmauerhöhle

Der Weg zur Sonnschienalm führt über den netten, grasigen Zufahrtsweg zur Pribitzalm. Nahe der Sonnschienalm reklamiert Orotl noch eine Pause „bevor es in den Graben runter geht“. Wie Recht hat er doch hat!

Hinunter geht es dann in endlosen Serpentinen über die Russenstraße – Orotl und Werner ziehen die steilere Diretissima vor, während ich meine Knie schone und so extra Kilometer sammle. Schneller als gedacht sind wir dann wieder beim Auto.

Links:



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7 thoughts on “Karfreitagsbiwak auf der Pribitz

  1. Hallo!
    Sehr schöne Tour habt’s da unternommen, könnt ma wer die Trackaufzeichnung zukommen lassen.
    vielen Dank
    Holler2

  2. Pingback: "i schnauf net!"
  3. Hallo,
    wir wollten gestern (9.6.2013) über den Jägersteig (Buchriegel) auf die Pribitz aufsteigen. Leider sind wir am ca. 4 Meter hohen Zaun gescheitert (Wildschutzsperre vom 15.10. bis 15.6.). Außerdem haben wir dann noch gehört, dass eine Leiter über einem Abgrund nicht mehr vorhanden ist und somit der Aufstieg von dieser Seite ohnehin nicht möglich ist. Euer Bericht hat uns gut gefallen und gleichzeitig auf alternative Aufstiegsmöglichkeiten hingewiesen.
    Könnte mir jemand den Track für den Aufstieg über die Pfarreralm über den Stockerwandsteig zukommen lassen? Vielen Dank
    LG Harald

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