Gleinalpe: Ost-West-Überschreitung

Als nächste Etappe meiner Steiermark­durch­querung steht die Über­schreitung des gesamten Gleinalmzuges in Ost-West-Richtung von Bruck an der Mur bis Knittelfeld an. Bereits seit ein paar Wochen­enden (ver)schiebe ich diese Tour vor mir her, so wirklich wollte das Wetter nie passen.

Diesen Donnerstag lege ich Werner die ausgedruckten Karten auf den Schreibtisch. Artig wie er ist, kommt er wenig später zu mir und fragt: „Dort gemma hin am Wochenende?“. So einfach ist er zu überzeugen.

Startpunkt: Der ahnhof von Bruck an der Mur

Da ich mir ja vorgenommen hatte, es diesmal gemütlicher anzugehen, habe ich drei volle Tage mit jeweils sieben Stunden Gehzeit eingeplant, einer Übernachtung in der Carl-Hermann-Notunterkunft am Fuße der Fensteralm inklusive. Werner hatte aber ein paar terminliche Einschränkungen vorzuweisen, daher wurden es erst wieder nur zwei Tage und ein zerquetschter.

Tag 9: Bruck/Mur – Hochanger

Nach einem halben Arbeitstag im Büro verlasse ich selbiges pünktlich wie ein Maurer mit dem Zwölfeläuten, um meinen Rucksack zu holen. Beinahe bei der Tür hinaus habe ich noch die Idee, mich auf die Waage zu stellen: samt Bergschuhen und Rucksack beinahe 106 kg. Eine zweite Messung ergibt ein Rucksacknettogewicht von 14 Kilogramm. Na bravo.

Mit dem schweren Pinkl am Rücken radle ich zum Grazer Ostbahnhof, von wo wir mit S3 und S1 nach Bruck an der Mur fahren. Am dortigen halb abgerissenen Bahnhof – es ist mittlerweile nur mehr ein ‚ahnhof‘ – geht es los, die GPS werden gestartet und auf geht’s: in die Stadt!

Der Schlossberg von Bruck an der Mur
Hier gehen wir besser noch nicht drüber…
Blick zurück: der lange Abstieg vom Rennfeld

Die Durchquerung von Bruck hat mir eh ein bissl Sorgen gemacht, schließlich ist die Stadt ja derzeit Großbaustelle, ob sie da auch an uns Weitwanderer gedacht haben? Haben sie eh nicht, um einen „Umweg“ und einen großen Kreisverkehr zu meiden, gehen wir querbaustellenein (am Freitag nachmittag arbeitet hier sowieso niemand) und stehen nach 20 Minuten am Parkplatz des Weitentals, wo die Markierung des Weitwanderwegs 02A wieder beginnt.

Betonwegweiser
Das Hochangerschutzhaus

Der Aufstieg zum Hochangergipfel und -schutzhaus (1308m) gliedert sich im wesentlichen in zwei Teile: zuerst geht es über den Susannensteig aus dem Weitental bis in die Nähe der Schweizeben, ein schönes schattiges Steigerl. Die restlichen Höhenmeter darf man dann auf einer recht unattraktiven Forststraße überwinden.

Nach gemütlichen zwei Stunden erreichen wir unser Nachtquartier, trotz langsamen Tempos sind wir ganz schön ins Schwitzen gekommen. Das Lager haben wir für uns allein, ein paar Mountainbiker sind noch hier, aber die radeln heute noch alle wieder runter.

Der Hochangergipfel in der Abendsonne
Die Nacht bricht herein

Bilanz des ersten Tages: 7.6 km, 820 Hm, 2 Std. Gerade mal zum warm werden, trotzdem sind wir ordentlich ins Schwitzen gekommen.

Tag 10: Hochanger – Hochalm – Fensteralm – Gleinalmschutzhaus

Heute wird sich mein schwerer Rucksack bezahlt machen. Denn von den 14 kg entfallen 4 auf Flüssiges und mindestens eineinhalb auf Essbares. Dieser Abschnitt des Zentralalpenwegs wird auch als Durststrecke bezeichnet – bis heute Abend gibt es keinerlei Einkehrmöglichkeiten, dazwischen liegen über 30 km Weg. Vermutlich die längste stützpunktlose Wanderung die man im Raum Graz machen kann.

Wobei die Entfernung gar nicht das eigentliche Problem darstellt, doch es geht ständig auf und ab, man findet kaum ein flaches Stück Weg.

Und der Tag beginnt gut, mit einem Abstieg zum Eisenpass. Runter auf 1183m. Die Wunden der Gasleitungsbaustelle sind am Verheilen, im Moment sieht es hier aus wie auf einer Schipiste im Sommer. Weg ist noch keiner zu sehen also einfach gerade rauf. Ab hier sind wir wieder auf der Hauptroute 02 unterwegs, die ich bei meiner letzten Etappe am Strassegg verlassen habe.

Gasleitungsbaustelle am Eisenpass
Herrenkogel (1647m)

Angekommen Bei den drei Pfarren (wo sich jedoch nichts dergleichen befindet – manche Flurnamen geben Rätsel auf) geht es weiter bis zum Herrenkogel. Rauf auf 1647m. Hier machen wir die erste Pause, stellen fest, dass wir zeitlich im Plan sind und plaudern mit einem Wanderer – ah, geht’s ihr den Weitwanderweg?

Im Sommer hätten wir hier herauf sicher wesentlich länger gebraucht – Schwarzbeeren! Überall!

Doch der nächste Abstieg folgt sogleich. Vorbei an der Hochalmhütte (zu der wir heute noch oft zurückblicken werden) steigen wir hinunter zum Almwirt (der seinerseits wiederum nichts derartiges darstellt) und zu den Anfängen des Gössbachs. Ja, da wird später das Bier draus, hier schmeckt er noch nach Wasser und ist für uns heute auch die einzige Gelegenheit, Trinkwasser zu fassen. Runter auf 1150m.

Eines der wenigen Flachstücke heute
Gössbach: Das einzige Trinkwasser unterwegs
Synchron-Kuhgymnastik
Der Weg wird einsamer

Immerhin verläuft der Weg entlang des Gössbachs für einige Zeit relativ flach, dafür sind die Wiesen an manchen Stellen feucht und tief. Doch die nächste Steigung lässt nicht lange auf sich warten. Rauf zum Pöllasattel und weiter zur Fensteralm. Rauf auf 1642m.

Das nächste Projekt?
Sehr bescheiden – nur ein Radl Wurst!

Hier machen wir die zweite Pause, ich bastle ein anständiges Wurstbrot und wir haben einen ‚wunderbaren‘ Ausblick auf den Rest der heutigen Etappe: runter – rauf – runter – weiter rauf – runter – ganz rauf… Noch 5 Stunden, meint das Weitwanderbüchlein.

Der weitere Weg: Bis zum hintersten, höchsten Gipfel, dann links in den Sattel hinunter
Leitsystem und…
…Zugangskontrollsystem auf der Alm

Nach mehreren namenlosen Hügeln und Satteln (das sprichwörtliche mistige Kleinvieh) beginnt vom Polstersattel – runter auf 1505m – der Aufstieg auf den Eiblkogel – rauf auf 1831m. Während etwa 800 Meter unter uns Autos durch den Gleinalmtunnel brausen, surrt hier heroben eine Hochspannungsleitung. Beim Gipfelkreuz wieder kurze Pause.

Hier gibt es höchst spannendes…
…und äußerst entspannendes!
Viele Gipfelkreuze heute: Eiblkogel (1831m)
Langsam kommt er näher, der Speikkogel

Der Speikkogel rückt zwar optisch näher aber zuerst geht es – richtig geraten! – runter auf 1583m in den Kreuzsattel und sofort wieder rauf auf 1894m auf den Lärchkogel. Mittlerweile ist es vollständig bewölkt da wir uns auch langsam der 2000-Meter Marke nähern wird es spürbar kühler. Keine Pause, schnell weiter.

Hurra, die Gams!

Der letzte Sattel ist harmlos, nicht viele Höhenmeter verlieren wir runter auf 1800m. Dafür finden wir einen Wetterballon, lassen diesen aber wo er ist, unsere Rucksäcke sind schwer und voll genug. Und wir brauchen die Kraft für den Aufstieg zum Speikkogel rauf auf 1988m.

Blick auf Graz – dort scheint noch die Sonne
Plastikmüll: Ein ‚gelandeter‘ Wetterballon
Der letzte Gipfel des Tages: Am Gleinalmspeik

Geschafft! Wir stehen am zweithöchsten Gipfel der Gleinalpe (den 30-Minütigen Abstecher zum nur 3 Meter höheren Lenzmoarkogel lassen wir bleiben) stellen den arg zugerichteten Wegweiser wieder auf, machen schnell ein Gipfelfoto und weiter geht’s zu unserem Tagesziel: RUNTER AUF 1586M! JAWOHL!

Ziel in Sicht!
Ziel erreicht!

Im Gleinalmschutzhaus hat man uns schon erwartet, anscheinend wird genau darauf geachtet, dass alle, die am Hochanger hierher weggehen auch ankommen. Was auch gut so ist. Also: wenn man unterwegs abbricht, sollte man Bescheid sagen.

Noch auf der Terrasse lassen wir uns das Essen schmecken, verziehen uns dann in die Gaststube und um 21 Uhr horchen wir an der Matratze. Was wir hören sind allerdings die Kühe von draußen, die noch relativ lange ein wahres Muh-Konzert abliefern (und das ab 4 Uhr auch wieder tun). Gut geschlafen habe ich nicht, war wohl zu müde dafür.

Bilanz des zweiten Tages: 30.6 km, 1900 Hm, 10:25 Std. Die Gehzeit aus dem Wanderführer haben wir nur um 5 Minuten unterboten.

Tag 11: Gleinalmschutzhaus – Terenbachalm – Knittelfeld

Auch dieser Tag beginnt vielversprechend: mit einem – kleinen aber feinen – Frühstücksbüffet!

Als wir jedoch vor die Türe treten, sinkt die Stimmung, es tröpfelt leicht. Auch der Nebel sorgt nicht gerade für perfektes Wanderambiente. Ein paar Wanderer, die vor dem Frühstück noch zum Sonnenaufgang auf den Speikkogel gegangen sind, haben dort oben auch nur ‚weisse Luft‘ gesehen.

Trübe Stimmung beim Aufbruch

Jedenfalls wissen wir, dass wir den Gipfel des Rossbachkogels getrost auslassen können und der Markierung drumherum folgen. Die Terenbachalm liegt zum Glück großteils unter der Nebelgrenze, zumindest zur Voitsberger Seite haben wir etwas Aussicht. Im oberen Murtal quellen die Wolken.

Im Murtal liegen die Wolken
Auf der Terenbachalm
Bei der Christusstatue

Einen kurzen Abstecher machen wir zu der marmornen Christusstatue, aber weniger wegen der Figur sondern wegen einem Plastikdoserl. Ein Fotomotiv drängt sich auf, man möge mir verzeihen.

Der weitere Weg zum Stierkreuz ist nass. Nein, es regnet nicht mehr, aber der Weg schlängelt sich durch kniehohe Schwarzbeerstauden, die Feuchtigkeit der Nacht landet letztendlich in meinen Schuhen. Wegen den paar Metern die lange Hose?

Beim Stierkreuz machen wir die erste und einzige Pause heute, weiter geht es danach zur Turneralm. Seit gestern am Herrenkogel begleitete uns auch der Weitwanderweg 05 (Nord-Süd-Weg vom Waldviertel nach Eibiswald), hier verlässt er uns südwärts zum Gaberl. Dafür bekommen wir die violette Via Alpina dazu.

Auf der Turneralm stürmt auch ein Trupp Kühe auf uns zu, hält jedoch rechtzeitig inne. Da wir unseren Proviant doch etwas großzügig bemessen hatten, war nun der Zeitpunkt uns von ihm zu trennen. Wir verfüttern also unser restliches Brot an die schwarz-weissen Milchgeber.

Werner freundet sich mit Kühen an

Über blühende Wiesen auf den Steinplan
Der erste Blick auf Knittelfeld

Nun ‚fehlt‘ nur mehr der Gipfel des Steinplan, von dort geht es endgültig bergab. Sowohl der Anstieg als auch der Abstieg gestalten sich freundlich und ohne besondere Vorkommnisse. Im Tal angekommen haben wir noch ein paar Asphaltkilometer bis zum Bahnhof auf denen wir ein paar alte Kisten, die heute hier die Murtal Classic austragen, zu sehen bekommen.

Bilanz des dritten Tages: 29.1 km, 800 Hm, 8 Std. Zwei Stunden früher als gedacht am Ziel. In Summe sind wir 67.3 km mit 3500 Hm in 20:25 Std. marschiert. Im Vergleich zum letzten Mal kommt mir das recht wenig vor. Aber es sollte ja schließlich auch eine gemütlichere Tour werden.

Und jetzt?

Bei Knittelfeld wechselt der Zentralalpenweg auf die andere, nördliche Seite des Murtals. Als nächster Gupf wartet der Tremmelberg mit seinem Aussichtsturm.

Dann aber folgen 20 Kilometer Straßenhatsch über Seckau und Ingering II zum Ingeringsee bevor es in die Triebener Tauern geht. Da werd ich mir wohl etwas einfallen lassen müssen oder halt einfach durchbeissen. Auslassen ist jedenfalls keine Option.

P.S. Und für die Geocachingfraktion gibt’s auch wieder etwas zum nachwandern.

Link: Fortsetzung durch die Seckauer Tauern



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6 thoughts on “Gleinalpe: Ost-West-Überschreitung

  1. Hallo Gert, schöne Wanderung mit Ausgangspunkt in meiner Heimatstadt. Das ist eine gute Entschuldigung fürs Fehlen beim Henndorfer OL-Wochenende 😉

  2. Wirklich schoene Wanderung und netter Bericht – leider liegt sowas voellig ausserhalb meiner Moeglichkeiten.

    Ich wunderte mich ein wenig ueber Deinen urspruenglichen Plan Zitat „habe ich drei volle Tage mit jeweils sieben Stunden Gehzeit eingeplant, einer Übernachtung in der Carl-Hermann-Notunterkunft am Fuße der Fensteralm inklusive“. Ich dachte diese Notunterkunft sei nur fuer Notfaelle und leistungschwache Wanderer, was ja beides nicht der Fall gewesen waere. Oder bedeuten wieder mal die Worte nicht das, was zu sie mir zu bedeuten scheinen?

  3. Pingback: "i schnauf net!"

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