Vier grandiose Tage in den Schladminger Tauern

Schönwetter pünktlich zum Urlaubsbeginn, ja wo gibt’s denn sowas? In den Schladminger Tauern! Da trifft es sich natürlich gut, dass meine Steiermarkdurchquerung schon soweit gediehen ist, dass mein steirisches Lieblingswandergebiet als nächstes „drankommt“.

Das Beste kommt zum Schluss: Die Mondlandschaft der Klafferkessel

Sechs Tage würde ich bis zum Radstädter Tauernpass benötigen, vier Tage Zeitbudget (sprich: angesagtes Schönwetter) ist vorhanden, also muss ich die Tour zweiteilen. Bis zur Gollinghütte wird mich diese Etappe bringen.

Tag 17: St. Nikolai im Sölktal – Rudolf-Schober-Hütte

Nachdem wir das erste Auto bei den Riesachfällen geparkt hatten (es gibt dort 3-Tages Tickets, die 4 Tage gelten) war um 10:30 Uhr Start in St. Nikolai im Sölktal.

Weit kommen Werner und ich nicht, denn schon nach fünf Minuten ist die erste Pause fällig – da sitzt nämlich, nein, das kann er nicht sein, aber sicher isser’s, ah geh, du spinnst ja…

Doch er ist es wirklich: der Sepp, vom letzten Mal. Er hat gerade heute in Mössna seine nächste Etappe auf dem Weg nach Mo-na-co begonnen, besser hätten wir uns das nicht ausmachen können.

Das Tal des Bräualmbachs
Beim Hohensee

Nach kurzem Plausch – wir werden uns jetzt ja noch öfter begegnen – gehen Werner und ich weiter ins Tal des Bräualmbachs, die erste Steigung hinauf zum Hohensee. Wir machen eine kurze Pause, ich erhasche einen Blick in Werners Rucksack und entdecke sein Geheimnis…

Werners Geheimnis – ein Rucksack voller Flügel
Kleine Klettersteigeinlage

Die nächste Steilstufe bringt uns auf den Schimpelrücken, entlang des Schimpelbachs geht es zum Schimpelsee und weiter hinauf in die Schimpelscharte. Trotz des wenig vorteilhaften Namens eine schöne Gegend. Da haben es die „Hasenohren“ besser erwischt – und man muss nicht lange überlegen, welche Gipfel gemeint sein könnten.

Der Schimpelbach
Mal ein passender Flurname: Die Hasenohren

In der Schimpelscharte (2273m) erreichen wir den höchsten Punkt für heute, jetzt geht’s nur mehr bergab. Auf der anderen Seite der Scharte erwartet uns eine ganz andere Landschaft, ein riesiges Feld aus Steinblöcken.

Steinernes Meer jenseits der Schimpelscharte

Trotzdem gibt’s einen angenehmen Weg da durch, jemand hat sich die Mühe gemacht und eine Passage „freigeschaufelt“.

Weg durchs Geröll
Wenn Biwak draufsteht – muss es ausprobiert werden!

Nach dem – nur für kleine Leute geeigneten – Steinbiwak stört Werner anscheinend im Vorbeigehen eine schwarze Kreuzotter, die mich dann wild anfaucht und sich recht angriffslustig gibt. Ein paar Fotos nur, dann lassen wir dich eh in Ruhe!

Höllenotter (schwarze Kreuzotter)
Ein recht angriffslustiges Exemplar noch dazu!
Ein Minigletscher mitten am Weg?
Das Tagesziel: Die Rudolf-Schober-Hütte

Nach knapp sechs Stunden erreichen wir die Rudolf-Schober-Hütte, auch Sepp kommt eine halbe Stunde nach uns an und berichtet ebenfalls von einer „Schlange am Weg“. Das große Lager können wir zu dritt nutzen.

Bilanz des ersten Tages: 13.4 km, 1200 Hm, 5:50 Std. Eine nette Eingehtour zu einer sehr liebevoll bewirtschafteten Hütte.

Tag 18: Rudolf-Schoberhütte – Breitlahnhütte

Ein recht unspektakulärer Tag steht bevor, der Weg wechselt mehrmals über die Wasserscheide zwischen Murtal und Ennstal hin und her, drei Scharten werden überschritten. Ein Gipfel (Predigtstuhl 2543m) wäre optional zum Mitnehmen.

Von der Hütte geht es erst gut 100 Höhenmeter hinunter, bevor der Anstieg zum Hubenbauertörl (2051m) beginnt. Vorbei an einem seltsamen Bauwerk erreichen wir dieses auch bald. Die Wegweiser haben mehr Gehzeit „versprochen“.

Wir sind in die falsche Richtung unterwegs…
Biwak? Denkmal? Grab?
Hinauf zum Hubenbauertörl

Hier entscheiden wir uns endgültig, den Predigstuhl nicht zu besteigen, da die Bewölkung vermutlich sowieso keine Fernsicht zulassen würde. Da sparen wir uns lieber unsere Kräfte für morgen.

Werner & Sepp am Hubenbauertörl
Predigtstuhl (2543m) – heute nicht

Die Querung zur Hinterkarscharte (2274m) ist bei Nässe oder Schnee als heikel bekannt. Da könnte ein Ausrutscher böse Folgen haben, da der Weg einen steilen Hang oberhalb einer Felsstufe quert. Doch haben wir gute Bedingungen, von daher gibt es kein Problem.

Querung zur Hinterkarscharte: Der Weg führt oberhalb des Abbruchs vorbei – Ausrutschen verboten!
Der Weg ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei
Werner versteigt sich – ich kann nicht hinschauen

Nach der Hinterkarscharte geht es hinab zu einem namenlosen Bergsee, dort verlieren wir kurz den Weg (und leider auch einige Höhenmeter). Ich möchte direkt in Falllinie zum Weg zurück hinauf, Werner will die flachere Variante im Talboden nehmen. Jeder kriegt was er will, als Treffpunkt wird das Rantentörl vereinbart (2166m).

Knapp vorm Rantentörl
Aussicht vom Rantentörl

Ich erreiche bald wieder den Weg und sehe Werner zu, wie er sich in einem steilen Hang versteigt, da kann ich gar nicht hinschauen. Zum Glück verschwindet er bald aus meinem Sichtfeld.

Doch wir kommen beide heil (bis auf eine Schramme an meinem Knie, mit der ich tags darauf noch eine Wienerin beeindrucken kann, wenn auch vergeblich) am Rantentörl an.

Mittlerweile zeigt sich die Sonne. Gipfelrast. Eineinhalb Stunden. Auch ohne Gipfel.

Der lange Abstieg beginnt
Schwarzensee

Jetzt geht’s nur mehr „owi“ ins Kleinsölktal und nach 2:20 Std. erreichen wir die Breitlahnhütte.

Bilanz des zweiten Tages: 12.8 km, 1000 Hm, 8:45 Std. Man kann auch ohne Gipfel gipfelrasten!

Tag 19: Breitlahnhütte – Hochwildstelle – Preintalerhütte

Die Breitlahnhütte
Stummerkessel

Nach einer schlecht geschlafenen Nacht (hartes, raunzendes Bett im Lager erwischt) erwartet uns endlich das angekündigte Prachtwetter. Nach dem Frühstück starten wir den Aufstieg durch den Stummerkessel zur kleinen Scharte Karlkirchen.

Von Sepp müssen wir uns hier verabschieden, er nimmt die Abkürzung zur Preintalerhütte über die Kaiserscharte. Damit wird er zwar einen Tag schneller sein als wir, aber Hochwildstelle und Klafferkessel auslassen. Wer weiss, vielleicht laufen wir uns ja nochmal über den Weg.

Einsame Alm
Karlkirchen
Wasserfall
Wasser überall…

Wasser gibt es in den Schladminger Tauern wirklich „überall“. Angenehm ist’s, weil man selber nicht soviel zum Trinken mittragen muss und schön anzusehen sind die vielen Bäche und Seen obendrein.

Goldlacken
Spieglein, Spieglein an der Decke…
…wer ist der Schönste in dieser Ecke?
Hinauf, hinauf…
…zur Trattenscharte!
Über Blockwerk…
…und Schneefelder

Über Almboden, mehr und mehr Fels, schließlich Blockwerk und Schneefelder geht es hinauf in die Trattenscharte. Bevor wir zur Preintalerhütte absteigen, könnten wir hier einen Abstecher zur Hochwildstelle machen.

Könnten? Wie bitte??? Das kommt ja gar nicht in Frage, diesen Berg auszulassen! 🙂

Wir werden begrüßt…
…und auch gleich angebettelt
Es wartet noch der spannende Südgrat zum Gipfel der Hochwildstelle (2747m)

Schön wie immer ist die Kletterei am Südgrat. Solider Fels, nicht schwierig, aber stets „am Rande des Abgrunds“.

Kraxelei am Grat
Kraxelei am Grat
Spaziergang am Grat
Am Gipfel der Hochwildstelle

Beinahe auf den Tag genau ein Jahr nach unserem letzten Besuch hier stehen wir wieder auf dem Gipfel des höchsten rein steirischen Bergs.

Müsste ich einen Lieblingsberg benennen, ja, dann wär’s wohl dieser hier.

Panorama Dachstein
Panorama nach Süden
Farbenspiel – Goldlacken von oben
Meister der Thermik
Panorama zum Hochgolling, links davor Greifenberg und Klafferkessel, die morgigen Ziele

Nun wartet noch der lange Abstieg zur Preintalerhütte. Dort versuche ich erst auf der nahe gelegenen Waldhornalm einen Schlafplatz zu bekommen, doch leider ist das Lager schon voll. Schade, dort war’s letztes Jahr sehr nett.

Die im Vergleich dazu riesige Preintalerhütte hat noch einen Platz im wahrlich großen (>50 Schlafplätze) Lager frei. Angesichts des Massenlagers befürchte ich eine weitere unruhige Nacht, doch diesmal schlafe ich überraschend gut. Überhaupt ist die Hütte ausgezeichnet organisiert, Essen und Getränke werden fast schneller geliefert als man bestellen kann.

Bilanz des 3. Tages: 13.5 km, 1700 Hm, 10:10 Std. Was soll ich sagen? Einfach ein geiler Berg!

Tag 20: Preintalerhütte – Klafferkessel – Gollinghütte

Der letzte Tag bricht an, zwei Höhepunkte stehen noch bevor: Der Klafferkessel mit seinen vielen Seen und der Gipfel des Greifenbergs.

Weg zur Unteren Klafferscharte

Nach eineinhalb Stunden Aufstieg erreichen wir die Untere Klafferscharte, den Beginn des Kessels. Eine Pause hier und eine Pause mittendrin.

Heute ist das Wetter eindeutig freundlicher als beim verregneten Biwak vor zwei Jahren. Perfekt eigentlich.

Klafferkessel, im Hintergrund die Hochwildstelle
Klafferkessel – Detail

Wir verlassen den Klafferkessel in der oberen Klafferscharte, wo ich andächtig zum ersten Mal die Salzburger Grenze überschreite. Vor 15 Tourentagen startete ich an der Niederösterreichischen Grenze, ich hätte mir nicht gedacht, so schnell (sprich: heuer noch) hierher zu kommen. Aber die Grenze begleitet den Weg nur kurz, dann wendet sich der 02er wieder ins Steirische.

Obere Klafferscharte – der erste Schritt nach Salzburg
Weg zum Gipfel
Am Gipfel des Greifenbergs (2618m) ist einiges los – hier bleiben wir nicht lange!

Am Gipfel verweilen wir nur kurz, die Aussicht bietet einige bekannte 3000er, allen voran den Großglockner. Auch Ankogel und Hochalmspitze zeigen sich.

Im Hintergrund der Grossglockner (3798m)
Ankogel (3252m)

Von nun an geht’s bergab in den Greifenbergsattel und von dort lange und steil hinunter zur Gollinghütte, wo wir uns ein letztes Mal stärken.

Der Sattelsee im Greifenbergsattel (2450m)

Nun müssen wir nur mehr das Tal hinaus zum Parkplatz bei den Riesachfällen, den Abschnitt werde ich das nächste Mal zurückgehen müssen, da der Weg von der Gollinghütte in die andere Richtung weitergeht.

Bilanz des 4. Tages: 17.6 km, 1100 Hm, 7:45 Std. Klafferkessel endlich mal bei Schönwetter.

Und jetzt?

Diesmal habe ich mich brav an die Etappeneinteilung aus dem Weitwanderbüchlein gehalten. So war’s eine recht gemütliche Hütte-zu-Hütte Tour. Allerdings wär’s kaum schneller gegangen, da zwischen den Hütten immer ordentliche Steigungen warten.

Jetzt fehlen noch zwei Tagesetappen, die mich bis nach Obertauern führen werden. Die werde ich im Herbst hoffentlich noch unterbringen. In der Akarscharte zwischen der Steirischen und der Lungauer Kalkspitze wird meine Steiermarkdurchquerung ihr Ende finden.

Und dann???

Link: Fortsetzung der Tour Ende September 2011



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