Bis ans Ende der Steiermark…

In der Akarscharte – hier in ungewohnter Schreibweise – werde ich die Steiermark verlassen

…and beyond! Zwei Tagesetappen sind noch ausständig, um meine Steiermark­durch­querung zu Ende zu bringen. Dies­bezüglich war ich etwas faul in den letzten Wochen, aber dieses Wochenende soll es endlich soweit sein!

Mitwanderer ist wieder einmal keiner aufzutreiben, dabei wäre hier ein zweites Auto für die Logistik durchaus praktisch, so müssen halt öffentliche Verkehrsmittel herhalten – was leider etwas Zeitdruck in die Tour bringt.

Letztendlich fahre ich mit dem Auto in das mit Kurzparkzonen zugepflasterte Schladming und von dort mit dem Tälerbus zu den Riesachfällen. Leider kommt dort der erste Bus erst um 9:25 Uhr an, womit ich einige wertvolle Stunden Tageslicht verschenken muss…

Tag 21: Riesachfälle – Rotmandlspitze

Sanfter Talschluss vor dem Hochgolling

Ö3 weckt mich in der Früh übrigens mit diesem Lied. Eigenartig, sowas spielen die doch sonst auch nicht, aber in dem Moment war’s irgendwie seltsam passend. Und einen Ohrwurm für die Tour haben sie mir somit auch angetan…

Um übernachtungstechnisch flexibler zu sein, ist diesmal das Biwakzeug im Rucksack. Als Schlafplatz habe ich mir die Rotmandlspitze (2453m) ausgesucht, die ich hoffentlich bis Sonnenuntergang (19 Uhr) erreichen werde. 10 Stunden meint der Wanderführer – ohne Pausen. Wird sich schon ausgehen. Muss sich ausgehen.

Als erstes geht es aber hinauf zur Gollinghütte, um zurück zu „meinem“ Zentralalpenweg 02 zu kommen. Erst Forststraße, dann ein kurzer, steiler Wanderweg, nach 1:15 Std. ist die Hütte erreicht. Danach folgt ein kurzes Flachstück bis ich an der Nordostwand des Hochgollings „anstehe“. Nun geht’s ans Eingemachte, ich muss 600 Höhenmeter steil hinauf zur Gollingscharte.

Hinauf zur Gollingscharte
Lawinenrest

Stellenweise liegen schon/noch einige Lawinenreste, geschätzte eineinhalb Meter hoch, Anfang der Woche sind doch schon beträchtliche Mengen Neuschnee gefallen.

Es zieht sich mehr als erwartet, noch dazu überholen mich hier einige schnellere Kollegen. Bergläufer? Speedhiker? Jedenfalls ausgerüstet nur mit einer Trinkflasche und Schuhen, mit denen ich nicht hier unterwegs sein möchte. Mit dem stellenweise knietiefen Schnee am Weg habe schon ich gelegentlich meine Probleme. Einen frage ich, wo’s denn hingeht: Auffi und dann weiter! Aha.

Schuhwerk, welches mich heute mehrmals überholt…
…aber den Bedingungen nicht ganz angemessen ist!

Nach genau drei Stunden stehe ich dann in der Scharte und gönne mir die erste Pause. Den kleinen Abstecher auf den Hochgolling spare ich mir. Der würde mich 3 Stunden kosten…

Mein Tagesziel, die Rotmandlspitze ist schon zu sehen (sanfter rötlicher Gupf, rechts unter der Wolke)

Da ich den Abstieg zur Landawirseehütte gerne vermeiden will, versuche ich über den „Alten Höhenweg“ (so der Wegweiser) direkt zur Trockenbrotscharte zu gelangen. Das würde mir 200-300 Höhenmeter Ab- und wieder Aufstieg ersparen. Der Weg ist schön im Hang angelegt und sieht auch spannend aus, wird mir dann jedoch recht schnell zu spannend.

Tiefblick zur Landawirseehütte
Hier soll ein Weg durchführen – Nein, Danke!

Der Weg quert eine Felswand, beim Näherkommen versuche ich das Stahlseil – das es hier ja sicher geben wird – auszumachen. Letztlich sehe ich es auch: An beiden Seiten der Wand – feinsäuberlich aufgerollt. Ui. Da ich mir nicht vorstellen kann, da ohne Versicherung hinüberzugehen, probiere ich es erst gar nicht und steige ab in den Göriachwinkel (hier habe ich übrigens schon mal biwakiert) und zur Landawirseehütte, die bereits tief in Salzburg liegt.

Rückblick zur Gollingscharte
Vorwärts zur Trockenbrotscharte

Schade um die vielen Höhenmeter, doch die werde ich ja bald wiedersehen… Um schnell wieder in die Steiermark zu kommen, gebe ich Gas und nehme mir vor, die nächste Pause erst in der Trockenbrotscharte zu machen. Aber weil’s da oben sicher zieht, labe ich mich schon vorher – und das nicht nur an trockenem Brot…

Auf der Hinterseite der Scharte liegt wieder Schnee, welcher den ersten, steileren Teil des Abstiegs zu einem Eiertanz macht. Aber es geht alles gut und der restliche Teil bis zur Keinprechthütte ist eine lange Hangquerung im Ende des Oberbachtals. Höhenmeter werden hier keine vergeudet, der Preis ist ein größerer „Umweg“.

Lange Querung im Abstieg von der Trockenbrotscharte zur Keinprechthütte
Nachmittagsstimmung

Die Keinprechthütte ist die dritte Hütte, die ich heute links liegen lassen muss. Schließlich will ich meinen Schlafplatz noch bei Tageslicht erreichen. Dieser liegt allerdings 600 Meter höher. Wieder geht es steil im Zickzack hinauf, dann etwas sanfter bis zur Krukeckscharte. Die Landschaft ist eine Mischung aus Fels, Wiese, Wasser und Schnee – typisches Schladminger-Tauern-Gelände!

Seilversicherung, wo man sie eigentlich nicht braucht
Die letzten Höhenmeter sind schon recht winterlich

Von hier ist es nicht mehr weit zum Gipfel, aber a) ist wieder Schneestapferei angesagt und b) sehe ich, dass schon jemand sein Zelt auf meinem Biwakplatz auf der Rotmandlspitze aufgebaut hat.

Rückblick zu Golling- und Trockenbrotscharte

Ja gibt’s denn sowas? Ist dieser Berg irgendein Übernachtungsgeheimtipp? Hoffentlich keine Partyvögel, dann geh ich doch noch weiter. Am Gipfel angekommen „klopfe“ ich mit einem Hallo an, heraus kommt ein recht überraschter Oberösterreicher. So originell war die Idee, hier heroben zu biwakieren wohl doch nicht… Nach einem kurzen woher kommst du – wohin gehst du richte ich mein Nachtlager direkt am Gipfel ein.

Viel Zeit zum Herrichten habe ich nicht, denn bald geht die Sonne unter, ich jausne noch schnell etwas und verziehe mich in den Schlafsack. Und das gegen 20 Uhr…

Gibt ja sonst nichts zu tun hier heroben. Außer Sternderlschauen – und das tue ich dann die ganze Nacht lang. Der Sternenhimmel am Berg ist wie immer sehr beeindruckend!

He! Da steht ja schon ein Zelt…
Mein Schlafsack beim Gipfelstipfel

Rundumschwenk vom Gipfel

Sonnenuntergang, die erste
Sonnenuntergang, die zweite
Sonnenuntergang, die dritte

Bilanz des ersten Tages: 20 km, 2300 Hm, 9:05 Std. Morgen geht’s dafür fast nur bergab!

Tag 22: Rotmandlspitze – Akarscharte – Obertauern

Der neue Tag bricht an…

Geschlafen habe ich nicht viel, die Nacht unter freiem Himmel aber trotzdem sehr genossen. Erstaunlich viele Sternschnuppen gibt es zu sehen, teilweise im Minutentakt. Wenn man sich drei Mal hintereinander das Gleiche wünscht, geht es dann ganz sicher in Erfüllung?

Als sich das erste Morgenrot zeigt, sehe ich eine Weile dem Tag beim Beginnen zu und noch vor Sonnenaufgang packe ich mein Zeug, um dann sofort starten zu können.

Hochwildstelle im Morgenrot

Sieben Stunden Gehzeit sind geplant, um 13:50 will ich in Obertauern den Bus nach Radstadt erwischen, knapp nach 7 Uhr kann ich mich vom Sonnenaufgang lösen und steige hinunter zu den Giglachseen mit der Ignaz-Mattis-Hütte, für die ich – erraten! – wieder einmal keine Zeit habe.

Morgenstimmung – Blick nach Süden
Morgenstimmung – Beim Unteren Giglachsee

Gefrühstückt wird nach eineinhalb Stunden beim Znachsattel, dieser liegt schon in der Sonne und bietet einen schönen Ausblick auf die Giglachseen. Noch ein guter Kilometer bis zur Akarscharte.

Die Giglachseen von oben
Giglachseen – Detail
Dem Ziel schon ganz nahe: die Akarscharte. Rechts die Steirische Kalkspitze

Um 9:43 Uhr ist es dann soweit, ich bin am Ziel. Das hätte ich mir im Mai, als ich an der steirisch-niederösterreichischen Grenze gestanden – nein, gesessen – bin, nicht gedacht, dass sich das heuer noch ausgeht. Die optimistisch ausgedruckten Karten reichen – so dachte ich – sicher bis 2013! Aber dann hat das Projekt eine schöne Eigendynamik bekommen…

Zielfoto

Eine Dame nötige ich, von mir ein „Zielfoto“ mit dem Akarschartentaferl zu machen, was sie etwas verwundert tut. Aber natürlich erkläre ich ihr gerne warum – irgendwem muss ich das ja jetzt aufs Aug drücken… 😉

Blick zurück ins Steirische…
Doch auch Salzburg hat schöne Berge! Und in diesem Fall auch die bessere Fernsicht…

Ich genieße kurz die Aussicht sowohl ins Steirische als auch ins Salzburgerische und mache mich an den Abstieg in den Oberhüttensattel. Beim Zufluss des Oberhüttensees fülle ich meine Wasserflasche auf und ein Wegweiser „Obertauern 2 Std.“ zeigt mir an, dass ich noch genügend Zeitreserven habe.

Hinunter geht’s zum Oberhüttensattel…
…wo sich der Oberhüttensee versteckt

Die Pause verschiebe ich aber noch bis zur Seekarscharte, was auch gut so ist, denn kurz davor schreckt mich ein Wegweiser „Obertauern 1 3/4 Std.“, vor allem weil ich seit der letzten Zeitangabe eine Stunde unterwegs war.

Der Großglockner ist heute sehr präsent

Aber schnell darauf erreiche ich die Seekarscharte, von dort sehe ich hinunter nach Obertauern. Da ist klar, der Abstieg ist kurz und ich habe noch zwei Stunden Zeit.

Obertauern. Aus die Maus.

In Obertauern muss ich dann doch über eine Stunde totschlagen, was sich aber bei einem Eisbecher und einigen kühlen Getränken leicht ertragen lässt. Der Bus nach Radstadt ist pünktlich, mit der Bahn geht es dann weiter nach Schladming zum Auto.

Bilanz des zweiten Tages: 16,7 km, 650 Hm, 5:30 Std. Eine der kürzeren Etappen.

Rückblick

Als studierter Mathematiker interessieren mich natürlich auch die nackten Zahlen der Tour:

  • Start war am 18. Mai um 6:13 Uhr am Bahnhof Tauchen-Schaueregg, Ziel am 25. September um 12:30 Uhr in Obertauern
  • Dazwischen lagen 17 Tourentage, jeweils in Etappen von 2 bis 4 Tagen.
  • Mit allen Umwegen und Abstechern bin ich 410 km mit 24.700 Höhenmetern gegangen und war inklusive Pausen 144 Stunden unterwegs.
  • Niedrigster Punkt: Bruck/Mur (ca. 480 m)
  • Höchster Punkt: Abstecher auf die Hochwildstelle (2747 m), der höchste Punkt direkt am 02er war der Greifenberg (2618 m)
  • Längste Tagesetappe: Knittelfeld – Bergerhube mit 43,3 km bzw. Edelrautehütte – Planneralm mit 14 Std. Gehzeit.
  • Nördlichster Punkt: Stuhleck, nahe dem Alois-Günther-Haus
  • Südlichster Punkt: Turneralm
  • Bis auf einen Tag hat sich das Wetter immer von seiner besten Seite gezeigt.
  • 1360 Fotos…

Aber viel wichtiger als die Zahlen ist für mich die Tatsache, dass ich unser schönes Bundesland aus einer völlig neuen Perspektive kennengelernt habe. Man nimmt die Landschaft doch ganz anders wahr, als wenn man mit dem Auto durchbraust. Geografieunterricht im Zeitlupentempo sozusagen…

Folgende Unterkünfte verdienen meiner Meinung nach eine honourable mention:

  • Rudolf-Schober-Hütte: Sehr nette Wirtsleute & super Essen
  • Strosseggerwirt: Ein Original & Gschichtldrucker
  • Preintalerhütte: Trotz Massenbetrieb flotte und freundliche Bedienung

Genauso wie die, die mich ein Stück des Weges begleitet haben:

  • Danke, lieber Werner für die Begleitung an 11 Tagen!
  • Liebe Grüße auch den Sepp! Alles Gute auf deinem weiteren Weg nach Monaco! Falls du das hier liest, melde dich doch über die Kommentarbox unten auf dieser Seite…

Und jetzt?

Die Frage stand bisher am Ende jeder meiner Etappen. Klar, ist in meinem Kopf schon die Idee gereift, die Steiermarkdurchquerung zur Österreichdurchquerung auszubauen.

Ein Blick in die Fortsetzung des schon recht mitgenommenen Weitwanderführers ernüchtert ein wenig: Von Hainburg bis Feldkirch sind 70 Etappen veranschlagt, davon habe ich gerade mal die Etappen #7 bis #27 erledigt. Also das würde mich schon eine Weile beschäftigen. Mal sehen, was 2012 so bringt. Lieber Georg, könnte ich bitte zwei Monate Urlaub am Stück haben?


Die gesammelten Links zu den Berichten aller Etappen:

Und hier die Fortsetzung bis ins Gasteinertal (Juni 2012).



🙂 Vergiss nicht, den Artikel zu teilen, wenn er dir gefallen hat!

🙂 Mehr davon? Hol dir den Newsletter!

Abonniere jetzt den kostenlosen gipfelrast-Newsletter und du wirst über neue Artikel sofort informiert!

7 thoughts on “Bis ans Ende der Steiermark…

  1. Servus und Gratulation zu deiner abgeschlossenen Steiermarkdurchquerung. Hab mir gerade deinen Bericht der letzten Etappe auf die Rotmandlspitze angesehen und bin begeistert. Da ich nächste Woche (15. / 16. Okt) ebenfalls eine Bergtour mit Freunden plane, wollte ich nachfragen ob es Schlüsselstellen gibt, die bei Schneelage nicht geeignet sind. Das Wetter soll ja umschlagen und daher überlege ich ob deine Tour dann noch möglich ist.
    Vielen Dank jedenfalls für die tollen Eindrücke!

    LG Wolle

  2. 70 Etappen … das klingt nach dem 02er Führer von Erika/Fritz Käfer. Der Peterka veranschlagt 58, und am 02A sind’s wenn ich mich recht erinner noch ein paar weniger (aber längere Etappen, weil keine Gletscherquerungen etc.).

    Wer Knittelfeld-Bergerhube in einem Tag geht, kann sich ruhig an Peterka orientiern (immerhin hält Peterka den Rekord auf der Strecke – 27 Tage für 1200 km – macht 45 km pro Tag, aber was erzähle ich einem Mathematiker …

    Peanuts!

  3. Der Peterkaführer ist bestellt, vielleicht geht’s ja mit dem wirklich schneller. 😉 Die Karten sind auch schon ausgedruckt bis Vorarlberg, diesmal müssen sie aber wirklich länger reichen!

  4. Hat Spaß gemacht, dich auf deiner Wanderung durch unser Bundesland virtuell zu begleiten. Schöne, inspirierende Berichte und Fotos die du online gestellt hast.
    Falls nichts dazwischen kommt, möchte ich es dir nächstes Jahr gleichtun und die Steiermark am 02er durchqueren.

  5. Herzlichen Glückwunsch zur Steiermark-Durchquerung und vielen Dank, für´s „daran teilhaben lassen“. Die Bilder machen Lust auf so manche Tour in der schönen Steiermark.

    Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß in den Bergen,
    Andrea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.