Grazer Umland Weg: Asphalt im Süden

Eine der seltenen GUW Markierungen

Der ins Land ziehende Winter macht meinen aktuellen Weitwanderprojekten einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Den 02er in den Radstädter Tauern fortzusetzen ist im Moment sowieso kein Thema und die noch fehlenden Etappen am 07er sind auch immer weiter entfernt.

Der Grazer Umland Weg (kurz GUW) bietet sich da an, in 188 Kilometern führt er in weitem Bogen einmal rund um die Steirische Landeshauptstadt. Immer wieder Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel – ein schönes Projekt für den Winter 2011/2012.

Ein wenig habe ich über den „besten“ Startpunkt gegrübelt. Erst den flacheren, asphaltlastigen Südteil erledigen, dann den hügeligen Norden? Oder umgekehrt? Letztendlich starten wir in Judendorf-Straßengel, von dort geht es gegen den Uhrzeigersinn rund um Graz. Der Plan lautet wie folgt:

1. Etappe: Judendorf-Straßengel – Lannach (10. Dezember 2011)
2. Etappe: Lannach – Hühnerberg (11. Dezember 2011)
3. Etappe: Hühnerberg – St. Radegund (17. Dezember 2011)
4. Etappe: St. Radegund – Frohnleiten (22. Jänner 2012, zum Bericht)
5. Etappe: Frohnleiten – Judendorf-Straßengel (29. Jänner 2012, zum Bericht)

Tag 1: Judendorf-Straßengel – Lannach

Am Bahnhof von Judendorf-Straßengel gehen wir (Orotl, Werner und ich) los, durchqueren den Ort, bis wir unterhalb der Kirche erstmals auf den Grazer Umland Weg stoßen. Oder zumindest dorthin kommen, wo laut Karte der Weg verlaufen soll. Eindeutige Markierungen des GUW sind nämlich selten – aber es gibt sie!

Start & Ziel: unter der Kirche von Judendorf-Straßengel

Gleich zu Beginn geht es 250 Höhenmeter hinauf zum Straßengelberg, Orotl lässt sich gemütlich zurückfallen. Später wird er immer wieder auf seine Knie und den Asphalt hinweisen – hier sollte diese Ausrede eigentlich noch nicht gelten.

Am Straßengelberg: Warten auf Orotl
Am Generalkogel

Knapp vor Plankenwarth machen wir einen kurzen, aber steilen Abstecher auf den Generalkogel, mit 713m der höchste Punkt der Etappe, und besichtigen das Grab der ‚Generalin‘ Emilie Sarah Engelbronner d’Aubigny de Peché.

Nach St. Oswald: Durch Wald und über Wiesen
Die Kirchen von St. Bartholomä

Hinunter geht’s zum Schloss Plankenwarth, nun beginnt der Weg sehr asphaltlastig zu werden, was sich leider erst in Kumberg wieder ändern wird. Bis dahin sind es ’nur‘ 90 Kilometer. Der Weg führt weiter über St. Oswald nach St. Bartholomä, zwischendurch werden immer wieder nette Wald- und Feldwege eingestreut, aber großteils gehen wir auf Asphalt.

Blockhaus im Schihüttenstil
Gestrüpp

Bei der Nonnerhöhe lädt ein Bankerl zu einer Rast ein. Da wir mittlerweile genau 4 Stunden unterwegs sind, nehmen wir das Angebot gerne an. Sogar einen hölzernen Adventkranz hat man hier hergerichtet.

Jausenplatzerl auf der Nonner Höhe
Wenn schon das Wetter nicht weihnachtlich ist…

Am Weg hinab nach Söding durchqueren wir ein ganz exotisches Platzerl: ‚Österreich‘ heisst ein Graben, zum Glück gibt’s wenigstens keine Grenzkontrollen.

Im Land der fliegenden Hunde
Ein Ort mit seltsamem Namen

Von Orotls monotonem „Meine Knie…“ schon etwas gelangweilt, versuchen wir ihn in Söding zum Bahnhof zu bugsieren, aber diese Blöße will er sich anscheinend nicht geben.

Zwischendurch zeigen sich am Horizont sogar richtige Berge!

Mittlerweile sind wir schon ganz gut darin, die typischen blassen, rot-weiss-roten Markierungen zu entdecken, aber knapp vor Lieboch müssen wir den Weg doch einmal suchen. Laut Karte geht’s durch den Wald – die Markierungen finden wir dann doch entlang einer neuen Forststraße… 🙁

Minimierung des Asphaltanteils
Sonnenuntergangsstimmung in Lannach

In Lieboch endet die erste Tagesetappe, der noch vor kurzem jammernde Orotl (hier übrigens sein Bericht des ersten Tages) sagt beim Heimfahren gar wunderliche Dinge: „Gehe morgen vielleicht doch mit!“ und „Spaß hat’s ja gemacht!“. Naja, im Sitzen ist halt leicht reden…

Tag 2: Lannach – Hühnerberg

Doch der Tag beginnt mit einem Klassiker (frühmorgendliche SMS-Absage von Orotl: „Knie nix gut, bleib daham!“), so sind Werner und ich heute auf uns allein gestellt.

Die genaue Wegführung um den Bahnhof Lieboch ist für uns nicht ersichtlich, aber die Richtung ist klar und schnell stoßen wir wieder auf den Weg. Zu Beginn gehen wir durch Wiesen und Felder, aber – keine Sorge – der Asphalt hat uns bald wieder.

Typisch für die erste Hälfte von Tag 2: Flach und grau
Ewig-im-Kreis-Wanderweg im Kaiserwald
Brücke bei Wildon – zu nieder für mich

Ich freue mich schon auf die Durchquerung des Kaiserwalds, doch der wird zur bitteren Enttäuschung. Statt wie auf der Karte quer durch den Wald, führen uns die Markierungen direkt zur Bundesstraße und dieser entlang Richtung Wundschuh.

Weiter geht’s nach Ponigl von dort – tatsächlich durch ein kurzes Waldstück! – nach Werndorf, weiter nach Wildon, wo der GUW seinen südlichsten Punkt erreicht und die Mur überquert. Hier wird Tempo gemacht, das GPS meldet regelmäßig Kilometer-Zeiten von unter 10 Minuten.

Zusammenfluss von Kainach und Mur (hinten)
Gar seltsame Äpfel gibt es hier…

Nach genau 4 Stunden machen wir in Sukdull die erste (und einzige) Pause für heute, eine Bestellung bei der Pizzeria Orotl scheitert leider an der Trägheit des Kuriers. Zwischen Allerheiligen und Fernitz geht es öfter auf und ab, dafür steigt auch der Waldanteil des Weges. Mittlerweile übernimmt Werner die Orientierung, was auch fast immer klappt, nur manchmal muss ich blöde Fragen stellen.

Josef Krainer (sen!) Gedenkstätte
Der Weg ist nicht überall jugendfrei…
Wiese am letzten Kilometer vor Fernitz
Höhepunkt und Ziel für Tag 2: Am Hühnerberg

Zum Schluss wartet noch die Schlüsselstelle der Tour: von Fernitz geht es auf den Hühnerberg – Werner hat daran ja keine besonders guten Erinnerungen.

Doch heute geht alles gut, den Gipfel erreichen wir ohne Zwischenfälle. Aber letztes Mal ist ‚es‘ auch erst im Abstieg passiert, da wir nur bis zur B73 gehen, wo wir ein Auto geparkt haben, muss der kritische Teil bis zur nächsten Etappe warten.

Eine letzte Pause beim Gipfel- ähem -kreuz halten wir kurz.

Tag 3: Hühnerberg – St. Radegund

One week later: Trotz des „gefährlichen Terrains“ starten wir noch im Dunkeln, die gute Nachricht vorweg: wir kommen gut vom Hühnerberg herunter. Im Schelchental sind sich dann jedoch Karte und Markierungen nicht einig, letztere noch dazu recht unklar. So kommen wir in den Genuss von ein paar Umwegen durch die örtlichen Wälder.

Der erste Blick zum Schöckl
In der anderen Richtung die Riegersburg

Weiter geht es über Edelsgrub und Nestelbach – ein ständiges Auf und Ab.

Da hat es einer aber eilig, so kennt man ihn gar nicht…
Seltsame Bewohner von Nestelbach

Schon allein aus Tradition machen wir die erste Pause erst nach 4 Stunden, das ist beim Bahnhof in Laßnitzhöhe. Warm ist es nicht, daher gehen wir bald weiter.

Beim Abstieg nach Eggersdorf gibt es ein längeres Waldstück, welches aber bald kompensiert wird durch den Asphalt über Kotzersdorf nach Albersdorf. Damit sind nun aber die längeren Asphaltstrecken endgültig abgeschlossen.

Die Landschaft wird hier in Plastik verpackt

Durch den Wald geht es hinunter zum Kumberger Badesee, in den Ort Kumberg und von dort durch den Graben des Rabnitzbachs hinauf nach St. Radegund. So gefällt mir der Weg schon besser.

Über den Rabnitzbach

Bei der Talstation der Schöcklseilbahn ist Schluss für heute, mit dem Bus fahren wir retour nach Graz.

Nun heisst es Pause machen am GUW – Werner will den Rest unbedingt auch mitgehen, vertschüsst sich über die Feiertage aber in kühlere Gefilde.

Auf der nächsten Etappe nach Frohnleiten warten unterwegs Schöckl, Kesselfall, Semriach, Lurgrotte und Hochtrötsch.

Link: Fortsetzung der Tour



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5 thoughts on “Grazer Umland Weg: Asphalt im Süden

  1. Pingback: "i schnauf net!"
  2. Schöner Bericht, Danke!
    Meistens will ich nach dem Lesen deiner Berichte sofort nachwandern, die GUW Asphaltstrecken locken mich jedoch diesmal nicht wirklich. Der Generalkogel war aber in den 90er Jahren ein regelmäßiger Fixpunkt meiner Trainingsläufe. Viel Spaß bei den nächsten Etappen!

  3. Schön, dass ich nicht allein bin, auch ich bin auf dem GUW unterwegs. Ein wenig gemütlicher, Werndorf – Fernitz ist mein nächstes Ziel. Danke für den schönen Bericht, freu mich schon auf’s Weitergehen. Asphalt gehört auch dazu, warum nicht?
    Ich wünsch Euch schöne GUWandertage!

  4. > die noch fehlenden Etappen am 07er sind auch immer weiter entfernt.

    Ich dachte Du gingest schon in Riesenschritten durch die (naheliegende) pannonische Tiefebene? Ich weiß, dass Du die Riegersburg schon gemacht hast – den Teil danach auch schon? (St. Anna, Klöch …)

  5. Das Grazer Umland ist halt näher als Pannonien.

    Am 07er fehlt mir in der Stmk nur mehr Hochwechsel-Vorau (bzw. Tauchen-Vorau am 07A). Die kommen aber schon noch dran! Guckst du auch http://gipfelrast.at/?page_id=4659.

    Das nächste „Loch“ wäre dann aber schon zwischen Wolfsthal und Kirchschlag i.d.B.W. Das ist kein Nachmittagsspaziergang mehr…

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