Dreiherrenspitze (3499m)

Unser heutiges Ziel: Die Dreiherrenspitze

Nach zwei Nächten verabschieden wir uns von der Essener-Rostocker-Hütte, um uns westwärts dem höchsten Gipfel der Woche zuzuwenden. Eine lange Tagesetappe über das Reggentörl, das Umbalkees und die Dreiherrenspitze (3499m) zur Birnlückenhütte in Südtirol haben wir uns heute vorgenommen.

Unser Weg beginnt mit einer kleinen Gratwanderung auf der Seitenmoräne des Simonykees. Doch bis zum Gletscher ist es noch weit.

Rückblick über den ersten Teil des Aufstiegs und auf den Simonysee

Fast zwei Stunden steigen wir auf, erst entlang der Moräne, später über Geröll und kleinere Schneefelder bis wir das Eis des Simonykees erreichen – und endlich die Steigeisen anlegen dürfen.

Aufstieg, im Hintergrund schon das Reggentörl
Am Simonykees
Gaaanz vorsichtig über die Spalten steigen…

Bald darauf erreichen wir den mit Firn bedeckten Teil des Gletschers und seilen uns an. Nicht umsonst, mehrmals versinkt das eine oder andere Seilschaftsmitglied mit einem Fuß in einer Spalte bringt so das ganze Werkl zum Stehen.

Manchmal tun sich ungefragt Löcher unter dem Schnee auf
Aufstieg zum Reggentörl

Trotzdem sind wir bald am Reggentörl. Der Übergang aufs Umbalkees ist unschwierig.

Das Reggentörl (3047m) ist ein harmloser Übergang zum Umbalkees

Nach einem Abstieg von etwa 50 Höhenmetern um einen Felsrücken zu umgehen, steigen wir hinauf bis auf 3100 m. Wie so oft sieht der Anstieg aus der Entfernung unendlich steil aus, entpuppt sich aber als harmlos.

Am Umbalkees geht es weiter aufwärts

Bald können wir die weitere Route überblicken, die Linie zwischen den Spaltenzonen ist klar vorgegeben. Mit der Dreiherrenspitze rückt auch der Höhepunkt des Tages ins Bild.

Panorama Umbalkees: wir queren in großem Bogen nach links, dann das steile Schneefeld zum Grat hinauf

Orotl mutmaßt, dass wir das steile Schneefeld sicher nicht hinauf müssen, sein Zweckoptimismus bleibt jedoch Wunschdenken.

Vorbei an großen Spalten

Für mich ist das der schönste Abschnitt der Etappe: ein großer, weitgehend ebener Bogen über den Gletscher – immer wieder vorbei an großen Spalten. Als letzter in der Seilschaft kann ich auch unbemerkt ein bisschen nach rechts und links ausscheren zum Schauen und Fotografieren…

Das steile Schneefeld müssen wir hinauf

Irgendwann müssen wir aber noch die fehlenden 400 Höhenmeter auf den Gipfel machen und die scheinen alle auf einmal zu kommen, bis in den Sattel auf ca. 3350m zieht die Spur Serpentinen in ein steiles Schneefeld.

Im Ausstieg in den Sattel unter der Dreiherrenspitze wird’s richtig steil
Werner taucht auf

Dort Pause. Die Rucksäcke bleiben jetzt hier und Orotl meldet sich sofort als „Bewacher“ derselben. Ein Nickerchen will er machen! Aber es sei ihm vergönnt… Werner zögert kurz, um sich ihm anzuschließen, kommt dann aber doch mit.

Mit dem Gipfel in greifbarer Nähe geht es flott weiter, der Weg erweist sich als unschwierig, auch wenn es von unten wieder einmal den gegenteiligen Anschein hatte. Nur auf den letzten Metern ist es etwas erdig-rutschig.

Erster! Wo bleiben die anderen? 😉

Die Dreiherrenspitze ist ein schöner Aussichtsberg, die Wolken geben die Aussicht abwechselnd in die eine oder andere Richtung frei. Hier treffen auch die Grenzen von (Ost-)Tirol, Salzburg und Südtirol aufeinander – neben einer Metallpyramide mit Kreuz markiert auch ein Grenzstein zu Italien den Gipfel.

Seit dem Aufbruch in der Früh sind mittlerweile doch schon gut sechs Stunden vergangen.

Aussicht zum bewölkten Großvenediger
Gipfelfoto, von Orotls Pausenplatz aus aufgenommen
Und wir schauen runter auf ihn
Blick zu den Drei Zinnen
Drei Herren und die Spitze

Nach eineinviertel Stunden trudeln wir wieder bei den Rucksäcken ein und erwecken Orotl aus seinem Schlummer. Nun müssen wir nur mehr zur Hütte runter, das kann ja nicht mehr lange dauern…

Doch erstens liegt die Hütte 700m tiefer und zweitens warten noch einige Hindernisse auf uns.

Zuerst gehen wir den oberen, blanken Teil des Lahnerkees hinunter. Ich bewundere Werner, der seinen ersten ernstzunehmenden Steigeiseneinsatz so locker meistert.

Abstieg am oberen Teil des Lahnerkees

Dann folgt eine kurze ausgeaperte Steilstufe, nach einer Querung finden wir eine etwas ausgesetzte Stelle mit Fixseil vor. Da Gerald der Konstruktion nicht ganz traut, verbaut er ein zusätzliches Seil und seilt uns das letzte Stück ab.

Während der Vorbereitungsarbeiten erleben wir aber eine gehörige Schrecksekunde: Ein großer Felsblock fliegt in hohem Bogen an uns vorbei und schlägt immer wieder donnernd auf. Genau an der Stelle, die wir gerade vor wenigen Minuten passiert haben. Wir flüchten einige Meter an die nächste Felswand, werden zum Glück nur von etwas querschlagendem Schotter getroffen.

Das hätte böse ausgehen können! Soweit ich das aus dem Augenwinkel gesehen habe würde ich den Brocken auf etwa 80cm Durchmesser schätzen.

Kurze Abseilstelle
Werner notbremst vor einer Spalte, die es zu überspringen gilt

Nach der Abseilstelle steigen wir das Lahnerkees ab, auf etwa 2800m Höhe gibt es einen Übergang über die Lahnerschneid auf den benachbarten Gletscher. Auf der Karte ist der Übergang noch vergletschert eingezeichnet, wir müssen jedoch schon ca. 40 Meter hinaufklettern und auf der anderen 15 Meter hinunter.

Abkletterstelle beim Übergang vom Lahnerkees zum Prettaukees

Nun noch das Prettaukees queren und absteigen, Energie und Motivation laufen bei allen schon auf Reserve. Am Ende des Gletschers wartet noch einiges an Blockwerk, dann ist ein Ende in Sicht.

Am Prettaukees

Die Tour endet wie sie begonnen hat: Am Kamm einer Seitenmoräne spazieren wir in Richtung Birnlückenhütte – wo uns die Wirtin mit einer Gemüsesuppe und einer gehörigen Portion Nudeln wieder aufzupäppeln weiß.

Auf der Seitenmoräne des Prettaukees gehen wir zur Birnlückenhütte

Wir haben heute zwar nur 13 km zurückgelegt, jedoch gewürzt mit 1500 Höhenmetern im Aufstieg und die meiste Zeit waren wir jenseits der 3000m Marke unterwegs. Schön, aber auch anstrengend – 11:30 Stunden haben wir von Hüttentür zu Hüttentür gebraucht!



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