Im Steirischen Gebirg‘

Einige Berge assoziert man sofort mit der Steiermark: den Dachstein (der höchste), den Grimming (den man lange für den höchsten hielt) und den Hochschwab, oft auch Steirisches Gebirg‘ genannt.

Und genau dieses „Gebirge“ wollen wir der Länge nach überschreiten, zwei Tage werden für den Weg vom Seebergsattel (1246m) über den Hochschwabgipfel (2277m) zum Präbichl (1226m) nötig sein.

Eines steht fest: bei dem bevorstehenden Prachtwetter werden wir nicht alleine unterwegs sein. Einen Schlafplatz im Schiestlhaus zu ergattern, das versuchen wir erst gar nicht – das Biwakzeug muss in den Rucksack!

Die Gams am Seebergsattel

1. Tag: Vom Seebergsattel auf den Hochschwab

Wegen den unterschiedlichen Start- und Endpunkten unternehmen wir die Tour mit öffentlichen Verkehrsmitteln und gleich zu Beginn am Grazer Hauptbahnhof gibt es die erste Verspätung.

Halt, falsch gedacht! Die ÖBB fährt schon pünktlich, der Orotl ist’s, der verschläft und den nächsten Zug nehmen muss. Das sorgt zwar für einen knappen Anschluss in Kapfenberg, aber es klappt. Naja, gewundert hätt’s mich ehrlichgesagt nicht…

Aufstieg zur Aflenzer Staritzen (1)

Mit dem Bus geht es dann hinauf zum Seebergsattel auf 1246m, wo die Bergschuhe geschnürt werden. Erschreckenderweise hängt mich Orotl auf den 600 Höhenmetern zum Ostgipfel der Aflenzer Staritzen ab. Das kann ja noch heiter werden…

Aufstieg zur Aflenzer Staritzen (2)
Aufstieg zur Aflenzer Staritzen (3)

Auf der Hochfläche der Staritzen angekommen werden die Steigungen zwar sanfter, aber nicht unbedingt weniger. Flachstücke muss man mit der Lupe suchen, durch das viele Auf und Ab kommen wir nur langsam höher.

Endlich oben, es wird flacher. Trotzdem fehlt es nicht an Höhenmetern…
Es geht dahin…

Orotl will erst sogar noch den Gipfel der Hochweichsel (2007m) mitnehmen. Ich lehne dankend ab und wie sich bald herausstellen wird, hat auch Orotl mit dem schnellen Aufstieg sein Pulver bereits verschossen und mir sind wieder viele Pausen vergönnt, in denen ich auf ihn warten kann/muss/darf.

Die Hochweichsel zeigt ihre schroffe Seite
Viele Gipfel, große und kleine, hat der Hochschwab zu bieten

Trotz des weiten und mühsamen Wegverlaufs genieße ich die Karstlandschaft, der Mix aus Dolinen, steilen Felswänden und sanften Wiesenkuppen gefällt mir sehr!

Wilde Landschaft
Im Ochsenreichkar

Bei der Quelle im Ochsenreichkar wollten wir unsere Wasservorräte auffüllen, doch jemand hat auf den Wegweiser geschrieben: Quelle verwurmt! Keine Ahnung, ob da was dran ist, aber lassen wir es lieber. Ist ja nur mehr eine Stunde bis zum Schiestlhaus!

Ende der Durststrecke: Das Schiestlhaus

Dort angekommen wird sofort der Flüssigkeitsbedarf gestillt und ein Weilchen auf der Terrasse pausiert. Da ich aber ungern in der prallen Sonne sitze, dränge ich bald zum Weitermarsch auf den Gipfel.

Mir gelingt das Unglaubliche: Ich bin für ein paar Minuten ganz alleine am Gipfel!

Wie erwartet, ist die Hütte heute überfüllt, es stehen auch schon einige Zelte zwischen Hütte und Hochschwabgipfel. Trotzdem habe ich den Gipfel für kurze Zeit für mich alleine, natürlich auch „dank“ Orotl, der sich mit seinem Aufstieg Zeit lässt.

Bald füllt sich der Gipfelbereich jedoch wieder. Was aber nicht weiter schlimm ist, übernachten wollen wir sowieso woanders.

Bald gibt es wieder die für so ein Kaiserwetter übliche Gipfelbelegung

Unser Ziel ist der Zagelkogel, mit 2255m der zweithöchste Gipfel des Hochschwabmassivs. Wir sind zwar auch dort nicht allein, ein weitwandernder Niederösterreicher hat dort ebenfalls sein Lager aufgeschlagen, aber dem Gewurl am Gipfel sind wir entkommen.

Am Zagelkogel, links am Horizont wirft der Hochschwab seinen Schatten in den Dunst

Nun können wir uns Abendessen und Sonnenuntergang widmen. Die Fernsicht reicht bis zum Dachstein und zuhause identifiziere ich auf den Fotos sogar den Watzmann in 165 km Entfernung.

Sonnenuntergang
Ich kann mich gar nicht satt sehen

Wie immer verbringe ich die Nacht mehr damit, den Sternenhimmel zu bewundern als zu schlafen. Obwohl ich mir fest vornehme, es anders zu machen. Denn ich rechne fest damit, dass mir Orotl frühmorgens genussvoll ein Taaaaaaagwache! ins Ohr hauchen wird.

2. Tag: Über die Sonnschienalm zum Präbichl

Sonnenaufgang
Neben Rax (hinten) und Hoher Veitsch geht die Sonne auf

Es kommt zu meinem Glück anders: auch als die Sonne schon hoch am Himmel steht, schläft Orotl immer noch friedlich wie ein Baby.

Unsere Schlafplätze, Orotl mützt noch gemütlich vor sich hin

Um 8 Uhr ziehen wir schließlich los, es geht ja heute nur mehr hinunter.

So glaubte ich zumindest, den zweiten Tag habe ich doch etwas unterschätzt. Auch wenn der Großteil der Höhenmeter bereits am ersten Tag fällig war, warten auch heute noch viele kleine Steigungen auf uns und vor allem etwa 25 Kilometer Wegstrecke.

Weiter geht’s durch die Karstlandschaft des Schwaben

Aber zuerst geht es wirklich stetig abwärts bis zur Häuselalm, wo wir kurz einkehren, um die entstandenen Kalorien- und vor allem Flüssigkeitsdefizite auszugleichen. Quellen sind am Hochschwab Mangelware, das Wasser müssen wir selber mittragen.

Am Abstieg zur Häuselalm
Die Häuselalm
Zeit für ein Frühstück

Hier beginnt nun ein stetes leichtes Auf und Ab, die nächste Zwischenstation ist eine Stunde später die Sonnschienhütte. Wieder: gluck gluck!

Auf der Sonnschienalm

Von der Sonnschienalm führt uns der Dr.-Kotek-Steig zur Hörndlalm und weiter, unter den steilen Wänden des Kulmsteins hindurch zur Kulmalm.

Unter dem Kulmstein

Auch das nächste Wegstück leitet uns unter Felswänden entlang: Erst passieren wir den Langstein, dann die Frauenmauer – an die ich ebenso schöne wie schmerzhafte Erinnerungen habe.

Rückblick vom Neuwaldeggsattel zu den Hochschwabgipfeln
Die Frauenmauer

Im Neuwaldeggsattel beginnt die nächste lange Hangquerung zum Hirscheggsattel und der seit Jahren geschlossenen Leobnerhütte. Nun ist es fast geschafft!

Der Weg vom Neuwaldeggsattel zum Hirscheggsattel
Letzte Pause am Hirscheggsattel: Warten auf Godot Orotl

Doch den direkten Abstieg zum Präbichl verhindert die Sperre des Knappensteigs. Wegen Hangrutschung und Steinschlags, erklärt ein Schild. Da wir keine Lust auf Experimente mehr haben, nehmen wir den Umweg und erreichen gegen 17 Uhr den Präbichlsattel und vollenden damit die Überschreitung des Hochschwabmassivs.

Am ersten Tag marschierten wir 17.8 km, sammelten dabei 1550 Hm und haben 9:05 Std. dafür gebraucht, am zweiten Tag waren es 24.7 km mit 650 Hm, Gehdauer 8:50 Std.



🙂 Vergiss nicht, den Artikel zu teilen, wenn er dir gefallen hat!

🙂 Mehr davon? Hol dir den Newsletter!

Abonniere jetzt den kostenlosen gipfelrast-Newsletter und du wirst über neue Artikel sofort informiert!

7 thoughts on “Im Steirischen Gebirg‘

  1. Da werden wieder nette Erinnerungen wach.
    Bis auf den Anstieg (den ich von Seewiesen aus über die Voisthalerhütte gemacht habe, sit ab dem Schiestlhaus alles gleich und wunderschön…

    LG
    Walter

  2. Pingback: WandernBonn.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.