Orivenezia 2012 – Orientieren bei Acqua Alta

Hochwasservorhersage: Maximum genau zum geplanten Start des Laufs

Same procedure as every year: Immer am zweiten Wochenende im November begibt sich eine von Jahr zu Jahr wachsende Gruppe Grazer Orientierungsläufer nach Venedig um dort am Stadtorientierungslauf teilzunehmen.

Wie immer beziehen wir schon am Freitag abend unser Hotel in Cavallino am Lido di Jesolo um das ganze Wochenende in der Lagunenstadt zu verbringen.

Diesmal sind wir (die Sportunion Schöckl Orienteering) schon so eine große Gruppe, dass wir einen Stockbus benötigen.

Die Sitzplatzeinteilung erfolgt nach Alter: Unten die Steinzeit-Generation, oben Mittelalter, Gegenwart und Zukunft. Ich habe Glück und darf (gerade) noch oben sitzen. Wohl auch nur, weil ich wieder fleißig Werbung gemacht habe und ein paar jüngere Semester mitgebracht habe…

Sightseeing am Samstag

Verkehrsmittel

Der Samstag wird wie immer zum Sightseeing genützt. Auch wenn ich das Gefühl habe, alles schon gesehen zu haben (heuer ist meine achte Teilnahme beim Venedig-OL) ist es immer wieder nett, sich durch die kleinen Gassen von Cafe zu Bar zu Pizzeria und wieder zurück treiben zu lassen.

In kleinen Grüppchen erkunden wir die Stadt. Trotz schlechter Wettervorhersage bleiben wir trocken, bis auf eine Ausnahme, aber davon später mehr…

Seufzerbrücke
Isola di San Giorgo
Bewohner des Markusplatzes
Ausstellung im Museum ‚Il Genio di Leonardo da Vinci‘
Jause italiana – Stärkung muss sein!
Canal Grande bei Nacht
Die Geister der Rialtobrücke
Rialtobrücke bei Nacht
Venedig bei Nacht
Markusplatz / Dogenpalast
Ertappt via Webcam

Am Abend treffen wir uns wieder und machen uns zu fünft (Albert, Birgit, Thomas, Andreas und ich) auf die Suche nach dem Abendessen.

Vorher machen wir noch einen Stopp in einem englischen Pub, wo wir die daheimgebliebenen virtuell via Webcam an unseren Drinks teilhaben lassen.

Nach einem Foto-Abstecher zur nächtlichen Rialtobrücke suchen und finden wir ein Restaurant, wo wir gut und einigermaßen günstig essen.

Hunger! – Auf der Suche nach dem Abendessen
Abendstimmung

Um 21:10 Uhr müssen wir die Fähre erreichen, schießen schnell noch ein paar Fotos am Markusplatz. Andreas und ich wagen uns noch für ein Foto auf einen Steg für die Gondelpassagiere hinaus und dort passiert’s. Dem Steg fehlt schon das vorderste Brett, vorsichtig gehen wir jeweils links und rechts auf den „Längsplanken“ nach vorn.

Und Birgit – den Blick fest aufs Kameradisplay gerichtet – selbstbewusst mittendurch. Ich merke zwar noch, wie sie (erfolglos) versucht, sich an mir festzuhalten aber schon im nächsten Moment ist sie im Wasser…

Das unfreiwillige Bad dauert zum Glück nur ein paar Sekunden, schnell können wir sie wieder herausziehen…

Nass, aber gut gelaunt!

Obwohl nass bis auf die Knochen, tut das ihrer guten Laune zum Glück keinen Abbruch. Respekt, das hätte auch schlimmer ausgehen können! Angeblich ist das Wasser „nicht kalt“.

Kameraspielerei: Langzeitbelichtung am schwankenden Schiff

Der Lauf am Sonntag

Der Lauf am Sonntag soll um 9:00 Uhr gestartet werden, die Acqua Alta Vorhersage sagt für 8:25 Uhr das Maximum mit einem Pegelstand von 120 cm vorher. Das bedeutet, dass der Markusplatz 40 cm unter Wasser steht. Und mit ihm große Teile der Stadt.

In den letzten Jahren sind wir von Hochwasser immer verschont geblieben, nur aus den Erzählungen der Steinzeit-Fraktion kennen wir die Legende eines Laufs bei Hochwasser.

Zum Hochwasser kommt auch noch starker Wind, der das Wasser nicht aus der Stadt abfließen lässt. So wird der Start erst auf 9:30, 10:00 und dann auf 10:30 Uhr verschoben. Eigentlich rechnen wir schon mit einer Absage.

Matze und Lisa am Weg zum Wettkampfzentrum

Irgendwann wird aber der Start freigegeben, anstatt mit vorgegebenen Startzeiten pro Läufer kann mit freier Startzeitwahl gestartet werden.

Goggi beim Postensetzen

Armin, Albert und ich machen uns dann gemeinsam auf den Weg zum Start, bereits hier laufen wir durch bis zu 20 cm tiefes Wasser. Die Kartenausgabe am Start wirkt zwar etwas improvisiert funktioniert aber effizient.

Spannung vor dem Start – gleich geht’s los!
Andreas am Start

Schnell merken wir, dass das Hochwasser eine besondere Herausforderung darstellt.

Einerseits ist es (wenig überraschend) natürlich sehr anstrengend durch das tiefe Wasser zu laufen. Und andererseits haben natürlich auch die Einwohner und Touristen keine große Freude mit den durch das Wasser laufenden Gestalten, die alles und jeden anspritzen. Fast permanent wird „Piano!“ gerufen und auch die eine oder andere drohende Geste gemacht.

Es bleibt eigentlich nichts anderes über, als in den überflutenden Teilen langsam durchs Wasser zu waten.

Albert und ich starten beinahe gleichzeitig

Außerdem will ich gar nicht wissen, was im trüben Lagunenwasser alles enthalten ist, stellenweise kann man es anhand des Geruchs sowieso erahnen. Die Laufkleidung kommt nach dem Lauf umgehend in Quarantäne und zuhause als erstes in die Waschmaschine.

Laufkarte Orivenezia 2012

Wie dem auch sei, nach 17 Kilometern und einer Zeit von deutlich über zwei Stunden bin ich im Ziel. Interessantes Detail: Ich bin über gezählte 85 Brücken gelaufen, davon drei mal über die Rialtobrücke. Da läppern sich doch einige Höhenmeter zusammen.

Später erfahren wir, dass der Start aufgrund von zahlreichen Beschwerden über die Läufer von der Polizei gestoppt wurde. Einige, die aus taktischen Gründen spät starten wollten, kamen so gar nicht mehr dran…

Im nachhinein betrachtet hätte der Lauf eigentlich gar nicht gestartet werden sollen. Jeder Läufer hätte das verstanden bzw. verstehen müssen. So haben sich die Veranstalter vermutlich einigen Ärger eingehandelt, hoffentlich hat das keine Auswirkungen auf zukünftige Veranstaltungen und der Lauf kann nächstes Jahr wieder stattfinden. (Dem ist leider nicht so, siehe Update weiter unten!)

Aus Läufersicht war es jedoch eine interessante Erfahrung, dass es besonders viel „Spaß“ gemacht hat, kann ich nicht behaupten.

Sonnenuntergang am Weg nach Hause

Links:

Vielen Dank an Hannes für die perfekte Organisation der Fahrt nach Venedig – diesmal hast du dich selbst übertroffen!

Hannes weiß wie immer wo’s lang geht!

UPDATE (28. November): Wenn mich meine nicht vorhandenen Italienischkenntnisse (und Google Translate) nicht täuschen, wird 2013 kein Venedig-OL stattfinden, um die WM 2014 in der Lagunenstadt nicht zu gefährden.

OGGETTO: XXXIII Meeting Internazionale di Corsa di Orientamento, Venezia 10-11 novembre 2012

In seguito alle problematiche e alle polemiche sviluppatesi durante e successivamente alla manifestazione in oggetto, il Comitato Organizzatore ha deciso, anche per tutelare la prova sprint del Campionato Mondiale Assoluto prevista sabato 5 luglio 2014, di sospendere l’edizione 2013 della gara.

Rammaricati per questa decisione cogliamo l’occasione per un gradito saluto.

Mestre 24 novembre 2012, GianPietro Mazzeni (Quelle)

Schade, aber verständlich!



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One thought on “Orivenezia 2012 – Orientieren bei Acqua Alta

  1. Haha, die nasse Birgit. Ich hab die Story nur so am Rande im Bus bei der Heimfahrt am Samstag mitbekommen und hab innerlich total lachen müssen. Dafür war sie am Sonntag dann total abgehärtet 😉

    War wirklich eine lustige, spannende und aufregende Reise 😀 Nächstes Jahr wieder, wenns eine Veranstaltung gibt 😉

    LG
    Renate

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