John Muir Trail ’13: Planung

Der John Muir Trail (JMT) windet sich 340 km lang durch kalifornische die Sierra Nevada und erregt schon länger meine Aufmerksamkeit.

Mehr aus Neugier und ohne Erwartungen bewerbe ich mich beim Yosemite Nationalpark um ein Wilderness Permit – das tut man übrigens altmodisch per Fax, genau 24 Wochen vor dem gewünschten Starttermin. Schenkt man dem Internet glauben, stehen die Chancen, ein Permit in der Lottery zu ergattern, eher gering.

Doch gleich beim ersten Versuch trudelt abends elektronische Post ein: Permit Reservation Confirmation.

Bingo!

Das Permit reguliert nicht den Zugang zum JMT selbst sondern das Übernachten im Backcountry der Nationalparks und Naturschutzgebiete und gilt genau für ein bestimmtes Entry Date (bei mir ist es der 16. Juli) und einen bestimmten Entry Trailhead (Glacier Point).

Auch wenn es nicht der originale JMT-Trailhead (Happy Isles im Yosemite Valley) geworden ist, nach ein paar Kilometern kommen die Wege zusammen. Und nebenbei spart mir das ein paar Höhenmeter mit vollem Rucksack. Kurioserweise bin ich genau das mir dann fehlende Wegstück bis hinauf zum Nevada Wasserfall vor knapp 20 Jahren schon einmal gewandert.

Die Google-Bildersuche hat übrigens viele schöne Fotos vorrätig. Und Google Earth malt schöne Landschaftsbilder:

Der John Muir Trail, wie er sich durch die Sierra Nevada schlängelt
Am JMT durch die Sierra Nevada. Start links oben in Yosemite, Ende rechts unten am Mt. Whitney

Nach Erhalt des Permits, fallen mir sofort jede Menge logistischer Probleme ein, die mir das Unternehmen gleich wieder undurchführbar erscheinen lassen. Nach etwas Recherche lichten sich nun die Nebel langsam wieder…

Organisatorischer Aufwand: Dieser schien mir im ersten Moment extrem hoch, nach Ankunft in den USA ist doch einiges zu tun: Lebensmittel-Shopping, Zusammenstellen und Versenden des Resupply Pakets, Transfer nach Yosemite Valley.

Urlaub: 21 Urlaubstage am Stück sind schon ein heftiger Brocken. Immerhin der Großteil meines Jahresurlaubs, da bleibt nicht viel über für andere Dinge. Zwischenzeitlich habe ich aber schon das OK von meinem Chef bekommen und Urlaubsguthaben ist auch genug vorhanden.

Flugpreise: Heftig! Unter 1200 Euro ist im Moment nichts zu machen (für GRZ -> SFO möglichst direkt, beim Rückflug wär ich flexibler) und die Preise sind im Steigen begriffen. Ich werde aber die diversen Flugsuchorakel weiter befragen.

Resupply Paket: Die Muir Trail Ranch empfiehlt, das Paket zwei Wochen vor dem gewünschten Abholtermin abzusenden, um sicher zu gehen, dass es rechtzeitig ankommt (auch weil sie die Pakete nur jeden Mittwoch von der Post abholen). Ich werde es 10 Tage vorher absenden können. Die amerikanische Post verspricht auf ihrer Homepage, Priority Mail jedoch binnen 2-3 Tagen USA-weit zuzugestellen, das geht sich bis zu dem für mich relevanten Mittwoch locker aus. Am Donnerstag oder Freitag bin ich dann bei der Ranch.

Rücktransport in die Zivilisation: Hier wird empfohlen: Autostopp von Whitney Portal hinunter nach Lone Pine. Von dort geht 3 mal die Woche ein Bus nach Ridgecrest mit der nächsten Möglichkeit für One-Way-Autovermietung. Oder macht zufällig jemand gerade Anfang August in der Gegend Urlaub?

Zusätzliche Ausrüstung: Einiges an Outdoor Equipment wird noch zu besorgen sein: Zelt, Schlafsack, Matte, Gaskocher und Wasserfilter fallen mir auf die Schnelle ein. Alles mit einem Schwerpunkt (haha) auf leicht.

Ein grober Etappenplan ist auch erstellt. Ich peile ein Durchschnittstagespensum von 20 Kilometern an, eventuell vorhandener Energieüberschuss wird dann an Gipfeln links und rechts des Weges abgebaut.

Date To do / planned hike km climb /
decent
(m)
12 Fly Graz → Frankfurt → San Francisco, get rental car → Berkeley
13 Shop for food & equipment, mail resupply
14 Drive to Merced, return rental car
15 YARTS bus to Yosemite Valley, pick-up wilderness permit
Day hike Happy Isles → Nevada Fall → Happy Isles
9.8 +630 -630
16 Glacier Point → Nevada Fall → Little Yosemite Valley 9.4 +150 -550
17 → Half Dome (2693m) → Cloud’s Rest Jct. → Echo Creek Jct. 23.5 +1500 -650
18 → Tuolumne Meadows 14.3 +350 -770
19 → Lyell Canyon → Bridge over Lyell Fork 17.1 +344 -0
20 → Donohue Pass (3370m) → Rush Creek 10.3 +930 -440
21 → Island Pass (3110m) → Shadow Lake Jct. 13.8 +930 -440
22 → Rainbow Falls Jct. → Fresno-Madeira Co. Line 24.5 +910 -650
23 → Cascade Creek Jct. 22.2 +850 -850
24 → Silver Pass (3277m) → Lake Edison Jct. 16.1 +480 -870
25 → Bear Creek Jct. → Seldon Pass (3319m) 22.2 +1310 -410
26 → Muir Trail Ranch (Resupply) → McClure Meadows 26.7 +540 -1160
27 → Evolution Lake → Muir Pass (3652m) → Starr Camp 23.3 +700 -460
28 → Middle Fork Jct → Lower Palisade Lake 23.3 +880 -730
29 → Mather Pass (3688m) → South Fork Crossing 14.2 +460 -640
30 → Pinchot Pass (3697m) → Woods Creek Jct. 19.0 +660 -1190
31 → Glenn Pass (3639m) → Vidette Meadow Jct. 20.6 +1130 -750
1 → Forester Pass (4009m) → Shepherd Pass Jct. 20.0 +1240 -670
2 → Guitar Lake 17.9 +860 -670
3 → Mt. Whitney (4421m) → Trail Crest → Trail Camp 18.2 +980 -750
4 → Whitney Portal 9.5 -1130
5 Room for zero day along the way 0.0
9 Fly from Los Angeles
10 Stopover in Frankfurt, arrive in Graz

Sounds like a plan!

Jetzt wär‘ da nur mehr die Sache mit dem Flugticket…

Um das obige Bild ein wenig in Relation zu setzen, hier noch eine Übersichtskarte mit den gesamten USofA:

Eh nicht so weit...
Ist ja eh nicht so weit…

Update: Und so ist es gelaufen, hier geht’s zum Bericht! (Spoiler: es war perfekt!)



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18 thoughts on “John Muir Trail ’13: Planung

  1. @Sandro: ja, das seh ich auch so 😉

    @Knato: Bericht wird’s sicher geben, „Live-Blogging“ aber definitiv nicht…

    Und der Flug ist auch schon gebucht: am 12. Juli geht’s nach SFO, am 9. August zurück von LAX. There’s no turning back now… 🙂

  2. Hallo aus Sachsen-Anhalt nach Graz!
    Ich recherchiere gerade im I-net nach neuen Infos über den J-M-T und fand Deine tolle Seite. Ende August möchte ich den J-M-T ebenfalls erwandern. Deine Tagesetappen klingen gut. Ich tüftle noch an den Feinheiten.
    Hab‘ Deine Seite „gebookmarked“ und hoffe, Du hälst uns auf dem Laufenden.

    Nick

  3. Klar, ein Echtzeit-Blogging würde die vielen organisatorischen Herausforderungen natürlich bloß verschärfen. Ich hatte ohnehin vielmehr an eine Art Bericht gedacht.

    Ich wünsche dir jedenfalls, dass alles so klappt wie geplant… Bestimmt eine ganz tolle Erfahrung 🙂

  4. Wobei es am Trail selbst dann hoffentlich eh nichts mehr zu „organisieren“ gibt. Als Gründe, welche gegen Live-Blogging sprechen, sehe ich eher:

    * Ich nehme (trage) sowenige Gadgets mit, wie möglich
    * Meine Augen werden auf der Landschaft ruhen, nicht auf der Elektronik
    * Und last, but not least: Es gibt eh kein Handy/3G Netz…

  5. Ich habe gerade den Etappenplan etwas überarbeitet und vor allem im ersten Teil etwas gestreckt. In Summe sind es jetzt 20 Tage (plus ein Reservetag) und der Tageskilometerschnitt beträgt jetzt 18.7 km und gut 700 Hm.

    Als nächstes werde ich die Ausrüstung angehen, eine erste Berechnung kommt auf 19 kg Rucksackgewicht (inkl. Wasser und Verpflegung) aber da gibt es sicher noch Optimierungspotential…

  6. Hi Gert,
    ich werde den JMT auch diesen Sommer gehen (bin walkingwomad im yahoo-forum 😉 ) Ich hatte dieselben Fragen wie Du bzgl Resupply,… und werde es auch so machen, dass ich ein Teil aus der Heimat mitnehme und ein Teil in SF kaufe und losschicke. Ich habe ein paar mal mit MTR hin und her gemailt und sie meinten, ich könnte mein Bucket auch aus Europa losschicken… ist halt echt teuer… (also lasse ich das vermutlich bleiben und verschicke alles aus SF…. Schickst Du auch etwas nach TM und RM???) Ich habe ca. 23 Zeit für den Trail, also werde ich versuchen, den ersten Teil (vor MTR) ruhig anzugehen, so dass mein Bucket genügend Zeit hat, dort anzukommen ;c) Viele Grüße!!!

  7. Hallo Helen,

    Mittlerweile sehe ich die Sache auch schon entspannter, ich werd nach SFO fliegen und noch am selben Tag und am nächsten Tag groß shoppen gehen und den Bucket zur MTR schicken. Der Shoppingstress nach der langen Anreise macht mir mittlerweile mehr Sorgen, als dass mein Bucket nicht rechtzeitig ankommen könnte.

    Auch ich werde bis zur MTR bewusst „bummeln“, könnte wohl locker ein paar Tage schneller sein. Aber ich werde nicht um die halbe Welt fliegen, um den JMT dann im Eiltempo zu absolvieren…

    Nein, ich werde nichts nach TM or RM schicken, habe aber große Erwartungen an die dortigen Restaurants und werde in den Shops bei Bedarf Kleinigkeiten (Snacks) nachkaufen.

    Beim Senden aus Europa wäre meine Sorge, dass die Dinge bei Grenzkontrolle/Zoll hängen bleiben, die Amis machen ja ein ziemliches Brimborium was den Import von Lebensmitteln angeht (auch wenn man letztendlich eh das meiste einführen darf)

  8. hey,

    ich starte den jmt am 5.8.13 , bin vor 2 jahren schon mal nen kleinen teil gelaufen. der hammer !! anyway schicken von essen aus europa: schwierig. du darfst in die usa weder fleisch noch milchprodukte noch nüsse, samen, früchte einführen. da wird das essen SEHR einseitig. und us postal braucht mit priority mail echt nicht lange. dein plan oben klingt by the way sehr straff. kann empfehlen einen kleinen umweg über die iva bell hot springs (fisch creek trail) zu machen und am purple lake zurück auf den jmt.
    warte gespannt auf deinen bericht.

  9. Hallo Sylvia,

    ganz so schlimm ist es mit den Importbestimmungen nicht, aber z.B. Fleischprodukte sind tatsächlich tabu, Nüsse hingegen unter gewissen Bedingen erlaubt (geröstet…) Hier die genauen Regeln: https://help.cbp.gov/app/answers/detail/a_id/82/~/travelers-bringing-food-into-the-u.s.-for-personal-use

    Trotzdem werde ich das Essen erst drüben kaufen, schließlich weiß man ja nie, ob das Paket nicht doch bei der Einfuhr irgendwie hängenbleibt.

    Mit dem geplanten 18 km Schnitt werde ich gut zurecht kommen. Ich könnte sogar schneller gehen, würde dann aber riskieren, vor meinem Resupply Paket bei der MTR zu sein. So bleibt mir sicher noch Zeit für einige kleinere Side Trips.

  10. ist ja witzig, ich bin letztes jahr auch am 12.7. losgeflogen und bin den jmt gelaufen. hatte allerdings las vegas als „base-camp“ von da mit great lakes airlines nach merced und dann mitm bus ins valley und … da ich die permit nicht online bekommen hab, bin ich erst in tualoume madows gestartet, da war es kein problem mit der permit.
    habe meine erlebnisse niedergeschrieben auf http://www.janetusa.blog.de … ist der gesamte urlaub (6wochen) niedergeschrieben, aber eben auch der jmt im detail. falls es jemanden von euch interessiert.

  11. Hi Janet,

    „Mile, Mile & a half“ kenne ich natürlich schon – und kann’s kaum erwarten, den ganzen Film zu sehen – aber erst wird selber gewandert! 😉

  12. Hi,

    Ich will den JTM in 3 Wochen Ende August bis September laufen. Ich grübel auch gerade darüber, wie ich von Lone Pine zurück nach San Francisco komme.
    Bus nach Mammouth – dann Yarts nach Yosemite Valley oder Merced, dann weiter. Ziemliche Gurkerei. Doof auch, dass im September Yarts nur an Wochenende fährt, Eastern Sierra Transit – http://www.estransit.com/CMS/content/395-routes – nur unter der Woche – Puh. nicht gerade flexibel.

    In Ridgecrest ein Auto leihen klingt da richtig gut.
    Leider habe ich den erwähnten Bus nach Ridgecrest nicht gefunden. Kannst du mir da weiterhelfen ? Hat das funktioniert ? Bist Du dann ohne Versicherung gefahren oder kann man da eine Versicherung dazu buchen ? In USA ist ja die Kfz Versicherung personenbezogen – deshalb müssen Europäer normalerweise eine Zusatzversicherung buchen.

    Vielen Dank und Viele Grüsse Oliver

  13. Hallo Oliver,

    Ich habe die Rückreise von LP schließlich anders als ursprünglich geplant gelöst:

    Ich bin mit dem ESTA Bus direkt nach Lancaster gefahren und von dort mit dem Zug (MetroLink) nach Los Angeles Union Station. Das hat problemlos geklappt. Von dort kommt man sicher auch gut weiter nach San Francisco.

    Der Bus nach Lancaster macht unterwegs einen Zwischenstopp, wo man in den Bus nach Ridgecrest umsteigen kann, der Anschluss wird anscheinend abgewartet (evtl. beim Einsteigen schon sagen)

    Blöd war halt, dass der Bus nur Mo/Mi/Fr vormittag fährt und ich Freitag mittag am Portal angekommen bin. So „musste“ ich das Wochenede in Lone Pine mit anderen Hikern verbringen. War aber gut so, um den „Zivilisationsschock“ abzufedern.

    Evtl. lohnt es, den Platz im Bus schon vorher zu buchen. Die Busse sind recht klein (ca. 20 Plätze) und wurden auch voll, für kurze Zeit mussten auch Passagiere stehen.

    Für die Besorgungen vor dem Trail in San Francisco bzw. Berkeley hatte ich ein Mietauto. Da habe ich die Versicherung dazugenommen (eh das volle Paket, quasi Vollkasko, für zwei Tage war das preislich in Ordnung)

    Ich wünsche dir viel Spaß am Trail!
    Gert

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