Weitwandern – Was darf’s denn kosten?

Schon öfter habe ich mir die Frage gestellt: Handelt es sich beim Weitwandern eigentlich um ein teures oder billiges Hobby?

Bei zwei unterschiedlichen Touren auf Weitwanderwegen habe ich nun die genauen Kosten ermittelt, die Antwort lautet: Kommt darauf an! Ein perfektes Thema, um Äpfel und Birnen zu vergleichen!

Weitwandern vor der Haustür

Kostenaufstellung einer 8-Tagestour am SalzsteigwegDie erste Tour, die ich näher betrachten möchte ist jene am Salzsteigweg durch die Wölzer Tauern und die Nockberge im August 2014.

Hier war ich acht Tage unterwegs, Nächtigungen und Mahlzeiten erfolgten in Hütten bzw. Gasthäusern.

Wie aus der Kostenaufstellung rechts ersichtlich, betrugen die Gesamtkosten gut 400 Euro, das macht einen Schnitt von etwas über 50 Euro pro Tourentag.

Davon entfielen auf:

  • Essen und Trinken: 216.58 Euro
  • Schlafen (inkl. Frühstück): 147.00 Euro
  • Transportkosten: 38.72 Euro

Gäbe es da noch Einsparungspotential?

Packt man ein Zelt in den Rucksack, kann man die Nächtigunskosten natürlich gegen Null drücken, erkauft sich das aber mit einem schwereren Rucksack. Auch wenn ich sonst gerne unter freiem Himmel schlafe, im heurigen „Sommer“ hätte ich hier nur ungern gespart.

Bei der Verpflegung sehe ich mehr Möglichkeiten: Anstatt einzukehren kann man sich schon das eine oder andere Mal aus dem Rucksack – und damit zu Supermarktpreisen – ernähren. Quellwasser ist ebenfalls billiger als Cola & Bier. Auch hier gilt: Weniger Kosten bedeuten, mehr Gewicht schultern zu müssen. Viele Einkaufsmöglichkeiten gab es auf der Tour nicht.

Beim Transport zu sparen, scheint mir nicht möglich. Mit dem Auto wären round-trip 472 km zurückzulegen gewesen, natürlich braucht man zwei, um zum Ausganggspunkt zurückzukehren (was bei meiner Solotour sowieso keine Option war). Dafür steigt aber die Flexibilität und nicht immer sind öffentliche Verkehrsmittel verfügbar.

Am Trail hinter dem Großen Teich

Die zweite Tour, der ich mich hier widmen möchte ist jena am John Muir Trail im Sommer 2013 und mit einem ganz anderen Preisschild behaftet.

Die ungefähre Kostenaufteilung lautete wie folgt:

  • Transport- und Reisekosten: ca. 2500 EUR (Flug, 7 Hotelnächte, 2 Tage Mietwagen, div. Tickets, Versicherung, Roamingkosten…)
  • Ausrüstung: ca. 1800 EUR (Zelt, Matte, Schlafsack, Bekleidung, Schuhe, Bärenkanister, Höhenmesser und viel, viel Kleinkram)
  • Nahrung (und sonstiges „Vergängliches“): ca. 700 EUR

Die Zahl unter dem Strich tut sogar heute noch ein wenig weh, daher habt ihr sicher Verständnis, wenn ich vermeide, sie hier explizit hinzuschreiben.

Jedenfalls gut, dass mir die Gesamtkosten vorher nicht so genau bewusst waren!

Bei 19 Wandertagen am Trail komme ich hier auf einen Tagesschnitt von etwa 260 EUR. Wenn ich die Ausrüstung (die ich großteils ja auch weiterhin nutze) abziehe, bleibt ein Tagsatz von knapp 170 Euro über.

Natürlich war die Tour jeden Cent wert. Once in a lifetime halt.

Einsparungspotential? Sicher, beim Ausrüstungskauf hätte ich mich natürlich etwas beherrschen können. Und nicht alles, was ich vorher besorgt habe, hat schließlich auch den Weg in meinen Rucksack gefunden, ist aber in der Rechnung inkludiert. Aber die Wirtschaft muss auch leben, right?

Unternimmt man die Tour in einer Kleingruppe, könnte man sich natürlich einige der Kosten teilen. Lediglich beim Preis für das Flugticket (immerhin 1300 EUR) gibt es zu den JMT-tauglichen Jahreszeiten kein Entrinnen.

Fazit

Ich habe gerade in Restplatzbörsen gestöbert: Für den Preis von acht Tagen Weitwandern in Österreich kann man aktuell auch eine Woche in Griechenland oder der Türkei verbringen, wenn es aber wirklich ein „Urlaub“ sein soll, werden dort noch ein paar Kosten dazukommen.

Dass mehrere hundert Kilometer Fußmarsch nicht in jedermanns Definition von Urlaub fallen, ist mir natürlich auch klar. Aber das ist eine andere Geschichte und hier nicht das Thema…

Ich empfinde 50 Euro pro Tag als durchaus günstig, wenn man dabei durch so schöne Landschaften wie die Nockberge streifen darf. Auch von Touren außerhalb Europas würde ich nicht zurückschrecken, allerdings sollte man sich im Klaren sein, mit welchen Kosten man rechnen muss.

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12 thoughts on “Weitwandern – Was darf’s denn kosten?

  1. Sehr interessante Aufstellung, danke!
    50€ pT ist echt okay, vor allem mit der Verpflegung und komfortablen Unterkunft.

    Der Trail ist wirklich in der Autsch Kategorie – aber wie du sagst, once in a lifetime.
    Meine Neuseelandreise fällt auch in diese Kategorie, war aber ein bisserl günstiger (vergleichbare Ausrüstung fiel ja weg). Ich werde mal einen pro Tag Satz ausrechnen… Interessiert mich jetzt 🙂

    1. Da bin ich gespannt, was rauskommt! Du bist ja bei den Flugreisen immer sehr kostenbewusst unterwegs. Was so eine Reise kosten könnte, da fehlt mir völlig das Gefühl.

  2. Ups, da haben wir es auf unserer Tour am 09er aber ganz schön tuschen lassen 😉
    Die 14 Tage die wir unterwegs waren haben wir grob drüber gerechnet schon zwischen 700 und 800 € pro Person verprasst. Haben uns zum Schluß selbst ein wenig gewundert wie wir diese beachtliche Summe am Weg lassen konnten.
    Unser Motto ist aber immer wir sind ja auf unserer Wanderschaft im Urlaub und da kann man sich schon einiges gönnen, andere fliegen halt ans Meer und wir finden auf den einsamen Pfaden unsere Erholung und vergessen in der herrlichen Natur den Alltag und manchmal auch den Wochentag 🙂 dass ist das Einzigartige und wunderschöne am Weitwandern.
    Wie wir auf diese erhöhte Reiserechnung kommen?
    Wir bevorzugen eher Pensionen und Hotels als Hütten, den die Bekleidung waschen wir täglich, so sparen wir noch einmal am Gewicht im Rucksack und das ist auf Hütten mit oft kaltem Wasser nicht so super.
    Bei der Verpflegung lassen wir auch fast keine Möglichkeit aus um die verlorenen Kalorien wieder auf zu füllen. 🙂 schließlich muß man sich ja auch kulinarisch durch unser schönes Land schlemmen.
    Voriges Jahr am Tiroler Höhenweg hatten wir im Ridnauntal keine andere Möglichkeit mehr als einen 4 Sterne Luxusschuppen (Schneeberg Resort) sonst war dort keine Unterkunft mehr zu finden. Mit 100€ pro Person HP war da aber unsere Schmerzgrenze um einiges überschritten, aber was will man machen. Wir haben es im Whirlpool trotzdem genossen, das ist die zweite Seite die uns am Weitwandern so gefällt, man erlebt jeden Tag was neues.

    Auf jeden Fall interessant deine Kostenaufstellung, bei unserer nächsten Weitwanderung werden wir dies auch einmal genau analysieren.

    1. So weit über meinem Schnitt wart ihr da eh nicht. Und in den Genuß der freien Kost und Logis auf der Karlhütte seid ihr ja auch gekommen. Aber es stimmt schon, wenn man das Geld so „kleinweise“ ausgibt, merkt man gar nicht, was da zusammenkommt.

      Einmal unterwegs spare ich im Urlaub auch nicht gerne – egal ob Weitwandern oder Strand. Mein Glück war, dass ich abends immer schon recht früh ins Bett musste, da konnte sich keine große Getränkerechnung einschleichen.

      Am 02er bin ich mal in einem ****-Palast gelandet, hätte an dem Tag aber partout keinen Schritt mehr gehen wollen.

  3. Hallo Gert!
    Lustig, ich habe unlängst auch zwecks Planung für die anstehende Totes-Gebirge-Überschreitung meine durchschnittlichen 01er Kosten ausgerechnet und bin auch ca. auf 50.-/Tag gekommen. Auch mit Übernachtungen auf Hütten.
    LG,
    Danja

  4. Ich bin 2013 von Dillingen an der Donau nach Wien, entlang des Donauradweges gelaufen. Tägliche Kosten weniger als 50,– € Für die 33 Tage habe ich etwa 1500 Euro gebraucht. Übernachtet immer in Pensionen, gegessen meist in Lokalen am Wege. Zurück mit dem Rad´l Express und Bayern Ticket 50 €.

    1. Ein bisschen auf und ab ist immer drin, ich hatte hier das Glück der gratis-Nacht auf der Karlhütte.

      Und je länger die Tour desto weniger fallen die Transportkosten im Tagesschnitt auf. Mit einem Bier weniger auf der Hütte lässt sich der Schnitt auch nochmals drücken 😉 Aber im Urlaub möchte ich eigentlich nicht sparen und dauernd aufs Geld achten.

  5. Auch nachgerechnet für die gerade absolvierten 4 Tage am Salzsteigweg:

    Waren insgesamt EUR 222,50, also im Schnitt 55,63 täglich. Auf Transport sind EUR 61,60, auf Nächtigungen (inkl Frühstück) EUR 83,50, und auf den Rest EUR 77,40 entfallen. EUR 50,00 täglich dürften, wenn die Übernachtung auch halbwegs komfortabel sein soll, was es bei mir ja nicht immer sein muss (ich mag SV-Hütten!), schon ein guter Richtwert sein.

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