Die Wetterfrösche haben Recht behalten, am Morgen weint der Himmel aus seinem grauen Schleier. Doch die Glaskugel verrät auch einen Hoffnungsschimmer für den Nachmittag.
Vorerst tritt jedoch Plan A in Kraft, ein gemütlicher Tag soll mich von Zell an der Pram nach Haag am Hausruck bringen. Nun machen sich die Überstunden von gestern bezahlt, nur 22 Kilometer bleiben bis Haag.
Gestern habe ich noch geschimpft, aber dass sich dieser Abschnitt großteils in asphaltierten Tallagen abspielt ist unter den heutigen Bedingungen ein großes Plus.
Tag 4: Zell/Pram – Hausruck
Zell/Pram verlasse ich in südlicher Richtung auf dem Radweg entlang der Pram. Riedau heißt der nächste Ort, nach bloß 30 Minuten soll ich schon wieder einen Stempel holen. Nein, danke! Das wird mir der Alpenverein auch so glauben müssen.
Kleine Sünden straft der Weitwandergott sofort, denn gleich darauf verliere ich die (hier ohnehin schwach vorhandene) Markierung, erst beim Wegweiser zur Bräukapelle bin ich wieder auf dem richtigen Dampfer.
Ich quere die Pram, nach den Un-Willkommensschildern wäre ich besser direkt am Fluss geblieben. Eine aktuelle Karte hätte mir das auch verraten, mein Kartenausdruck weiß hingegen nichts davon und lässt mich in weitere Schilder laufen. Dank der frühen Morgenstunde komme ich aber ohne Rüffel der Privatgrundbesitzer durch das Verbotsdickicht.
In Dorf an der Pram fülle ich meine Proviant- und Bargeldvorräte auf. Und wenn ich schon mal regengeschützt in einem Bankfoyer stehe, kann ich schnell noch ein paar trockene Minuten herausschinden und stelle mich um einen Stempel an.
Weiter nach Kumpfmühl, dort unterbricht eine Eisenbahnlinie die einzige durch den Ort führende Straße. Und Weitwanderer sind hier schnell unten durch.
Mit den Markierungen hapert es den ganzen Vormittag, an den Abzweigungen sucht man sie vergeblich. Dafür tauchen sie immer gerade dort auf, wo man sie eigentlich nicht braucht. An alle Nachwanderer: Denkt beim Silo und der folgenden Kreuzung an diese Zeilen. In Mundorfing rechts rauf!
Nach dem Ort Pram besteige ich einen kleinen Aussichtshügel, dessen Namen ich nur schulterzuckend zur Kenntnis nehmen kann.
Oben am Schulterzuckerberg stehen ein großes Gipfelkreuz und ein Denkmal welches an eine Schlacht der Oberösterreichischen Bauernkriege erinnert. Die Hochspannungsleitung ist nicht aus dem Bild zu bekommen.
Bevor ich Haag am Hausruck erreiche, muss ich noch ein größeres Waldstück durchqueren, hier beginnen auch wieder nützliche Markierungen aufzutauchen. Ich steige hinauf zur Luisenhöhe, denn mittlerweile habe ich mich für die Durchführung von Plan B entschieden.
Das bedeutet: Haag am Hausruck links liegen zu lassen und den langen Hügelzug des Hausruck bereits heute in Angriff zu nehmen. Es ist erst Mittag und die 22 Kilometer bis zur Feitzinger Höhe bringe ich bis Sonnenuntergang noch locker unter.
Auf der Luisenhöhe wäre ich gerne eingekehrt, doch die Waldschänke hat wohl nur sommers geöffnet. Somit muss ich meinem Hunger mit den Schätzen aus dem Rucksack stillen, bevor ich weiterwandern kann.
Hier beginnt auch der Hausruck-Kobernaußerwald-Wanderweg, dessen Markierung ich für die nächsten 50 Kilometer zu der meinigen mache. Die 810 verblasst hier zu Gunsten der rot-weiss-roten Eins.
Auch wenn ich grundsätzlich schon zufrieden bin, dass es zu regnen aufgehört hat, Am 32 Meter hohen Aussichtsturm hätte ich mir fernsichttauglicheres Wetter gewünscht.
Das nächste Ziel ist der historische Grenzstein der ehemals die Grenze zu Bayern markiert hat. Bis dorthin gibt der Weg schon einen ersten Vorgeschmack, was er so drauf hat: rauf, runter, rauf, runter, rauf….
Weitere Höhenmeter beschert mir der Aussichtsplatz am Lederer Kopf, dieser liegt auf einem kurzen (und lohnenden!) Abstecher abseits meines Weges.
Doch wer anstatt dort umzudrehen einfach geradeaus weitermarschiert und erst nach 10 Minuten bemerkt dass a) schon lange keine Markierung zu sehen war und b) die Sonne in der falschen Richtung steht und sich c) obendrein noch darüber freut, dass es so gemütlich bergab geht, der darf die Rechnung mit einem saftigen Wiederaufstieg begleichen.
Auf die Beschilderung kann ich mich hier nicht ausreden, die ist vorbildlich. Pro-Tipp: Mit offenen Augen durch die Gegend gehen!
Getröstet werde ich anschließend vom schönsten Abschnitt der heutigen Tour: auf schmalen Pfaden streife ich durch wunderbare Wälder. Andere Menschen treffe ich nur ganz wenige.
Langsam wird es Zeit, an eine Unterkunft zu denken. Aber ein Bett zu finden gestaltet sich heute schwierig:
- Mein Plan- und Wunschziel ist der Wirt auf der Feitzinger Höhe, fast direkt am Weg gelegen. Leider ist er telefonisch den ganzen Tag nicht erreichbar.
- Die Alternative aus dem Wanderführer, der Gasthof in Hoblschlag, verlangt zwar einen kleinen Umweg, bietet aber ohnehin keine Gästezimmer mehr an.
- Unterwegs entdecke ich Wegweiser zur Pettenfirsthütte der Naturfreunde, aber laut Internetrecherche gibt es auch dort keine Nächtigungsmöglichkeit.
- Es bleibt der Abstieg zum nächstgelegenen Bahnhof und ein Ausflug mit der Bahn.
- Und bevor jemand fragt: Nein, für eine Nacht unter freiem Himmel ist es mir im März noch zu kalt!
Am Bahnhof Hausruck – ein Berg mit eigenem Bahnhof, wie cool ist das denn? – warte ich auf den nächsten Zug der Hausruckbahn. Diese bietet ein schon lange nicht mehr gekanntes Fahrerlebnis: Alte Triebwagen, Flügelsignale und sogar noch ein handgekurbelter Bahnschranken.
Schlussendlich strande ich in Attnang-Puchheim, wo ich im äußerst ‘geschmackvoll’ eingerichteten Plaza Hotel eine teure Nacht verbringe. Nichts für Wanderer wie mich, zum Glück darf ich morgen früh raus! Aber einen Essenstipp habe ich: Pizzahaus Verona, gut, nahrhaft, günstig!
Kunntert i da bitte den GPX haben?
Kunst!