Rupertiweg 10: Knusper, knusper, Kobernäußchen…

Heute werde ich wieder viel Wald sehen. Erst muss ich noch mit dem Hausruck abschließen, danach beginnt der Kobernaußerwald. Aber wo genau der eine aufhört und der andere anfängt, darüber streiten sich sogar die Geographen. Aber zusammem ergeben die beiden eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Mitteleuropas. Und ich darf es der Länge nach durchqueren!

Um 6:26 Uhr fährt mein Zug, schließlich will ich eine realistische Chance haben, mein heutiges Ziel bei Tageslicht zu erreichen. Mit dem Frühstück im Rucksack besteige ich die alte Triebwagengarnitur, die mich wieder zu meinem Ausgangspunkt schaukelt.

Tag 5: Hausruck – Kobernaußerwald – Mattighofen

Der Wald hat mich wieder
Der Wald hat mich wieder

Schweren Schrittes gehe ich vom Bahnhof Hausruck zwei Kilometer hinauf zu meinem Weg, bevor ich dort weitermachen kann, wo ich gestern abbrechen musste. Zwei mögliche Tagesziele stehen mir heute zur Auswahl: Maria Schmolln, 35 Kilometer entfernt, oder gleich weiter nach Mattighofen, eine volle Marathondistanz.

Es reizt mich letzteres, aber die Entscheidung vertage ich auf Nachmittag.

Die Ortschaft Hinterschlagen, der Turm am Horizont markiert den Göblberg (801m)
Die Ortschaft Hinterschlagen, der Turm am Horizont markiert den Göblberg (801m)

Zu Beginn komme ich gut voran, der Vormittag spielt sich hauptsächlich auf Forst- und Nebenstraßen ab, am Höhenmeter-intensiven Charakter des Weges ändert sich dabei wenig. Mehrmals erklimme ich unscheinbare Hügel, von unbekannten Ortschaften als deren höchste Punkte gefeiert.

An Aussicht wird nur wenig geboten, Stellen mit weitem Blick ins Land sind rar. Der frühen Morgenstunde geschuldet treffe ich noch weniger Menschen als gestern. Ein Landwirt hier, zwei Holzarbeiter da, alle sehr von meiner geplanten Gehstrecke beeindruckt.

Ich ziehe die Riemen meines Rucksacks fest, damit es ihn mir nicht vom Rücken beutelt
Ich ziehe die Riemen meines Rucksacks fest, damit es ihn mir nicht vom Rücken beutelt
Wieder einmal der höchste Punkt von irgendwo
Wieder einmal der höchste Punkt von irgendwo

Zwischendurch führt mich der Weg ins Tal, hinunter in den Ort Schratteneck. Einen Wirt gäb’s hier, aber der öffnet seine Pforten bloß nachmittags und Ruhetag hat er heute obendrein. Hier werde ich nicht wohl satt.

Hoppala...!
Hoppala…!

Die erste Einkehrmöglichkeit des Tages finde ich bei der Kobernaußerwaldwarte am Steiglberg vor. Die Zeit für Suppe, Getränk und Stempel muss sein. Und geschäftstüchtig ist man hier: Ein Drehkreuz wacht darüber, dass der Aussichtsturm nur gegen klingende Münze bestiegen wird.

Die Kobernaußerwald Warte mit dem Turmwirt
Die Kobernaußerwald Warte mit dem Turmwirt
Von oben werfe ich einen Blick zurück
Von oben werfe ich einen Blick zurück

Zwei Gräben sind zu durchqueren bevor ich nach steilem Aufstieg die kleine Ortschaft Frauschereck erreiche. Die Waldstraße schlägt schon die Richtung nach Mattighofen ein, doch die Markierung zweigt nach einiger Zeit wieder in den Wald ab.

Helden, für einen Tag
Helden, für einen Tag
Links oder rechts? Was ist hier die bessere Wahl?
Links oder rechts? Was ist hier die bessere Wahl?

Die Wege werden schmäler, der Wald immer tiefer. Wenn ich bei der unbeschilderten Abzweigung den falschen Weg nehme, stünde ich wohl nach der nächsten Wegbiegung vor einem Häuschen aus fein duftendem Lebkuchen.

Ich meine fast, die Lockrufe der dort wohnhaften alten Dame hören zu können. Reichlich Essen bietet sie mir an, aber mir dünkt, dass sie mir nur ein kleines, ungemütliches, vergittertes Kämmerchen zur Verfügung stellen will.

Viel Wald bekomme ich heute zu sehen
Viel Wald bekomme ich heute zu sehen

Die Wegbedingungen schwanken zwischen Winter und Frühling, den feuchten Stellen lässt sich meist gut ausweichen.

Wanderweg im Tauwetter
Wanderweg im Tauwetter
Hier herrscht noch Eiszeit
Hier herrscht noch Eiszeit
Wolkenstimmung
Wolkenstimmung

Scherfeck, Bachleiten und Höh lauten die nächsten Ortschaften, allesamt aus nur wenigen Häusern bestehend.

Über Feldwege...
Über Feldwege, …
...Forstwege...
… Forstwege …
... und Waldwege führt mich dieser Abschnitt
… und Waldwege führt mich dieser Abschnitt

Mittlerweile ist der Stundenzeiger schon weit vorgerückt und die Frage des heutigen Übernachtungsorts wird langsam akut. Lasse ich es bei Maria Schmolln gut sein? Der Wallfahrtsort ist zwar nahe, liegt aber zwei Kilometer abseits des Weges. Beim Gedanken, diese morgen zurück marschieren zu müssen, kommt keine Freude auf.

Und obwohl sich die Füße bereits über den langen Tag beschweren werden sie einfach überstimmt und ich entscheide mich für den Weiterweg nach Mattighofen.

Detail am Wegesrand
Detail am Wegesrand

Am Weg dorthin liegt noch das Kindsbründl. Der Überlieferung nach hauste hier einst eine Zigeunerin, welche gerne von Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch aufgesucht wurde. Diesen gab sie vom Quellwasser des Brunnens zu trinken, worauf sich der erhoffte Erfolg eingestellt haben soll. Heute ist nicht mehr viel davon zu sehen.

In Mattighofen steuere ich den Mattigtalerhof am Ortseingang an, wo ich ein großes Zimmer und einen ebensolchen Grillteller bekomme. Nach beinahe 45 Marschkilometern durchaus verdient, wie ich meine!

Fortsetzung folgt…

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