Zentralalpenweg 02A: Auf zu neuen Höhen!

Über ein Jahr ist mittlerweile ins schöne Land Tirol gezogen, seit ich ehrfurchtsvoll von der anderen Seite des Ötztals herübergeblickt habe. Endlich können wir die Fährte des Zentralalpenwegs wieder aufnehmen, mit dem 2971 Meter hohen Wildgrat befindet sich der höchste, direkt auf der 02A-Route gelegene Gipfel vor uns. Und damit verbunden einer der längsten Anstiege am Zentralalpenweg.

Aber bleiben wir bescheiden und freuen uns auf die bevorstehende Drei-Täler-Tour!

Tag 40: Ötztal – Erlanger Hütte

Zwischen Tumpen im Ötztal und dem Gipfel des gerne besuchten Wildgrats liegen über zweitausend Höhenmeter, gegen Ende hin dankens­werter­weise unterbrochen von der Erlanger Hütte, welche wir auch für unsere Nächtigung anvisieren.

Schon beim Blick ins Wanderbuch geht es ordentlich zur Sache: Für die ersten vier Kilometer sind drei Stunden Gehzeit einzuplanen, dementsprechend viel auffi dürfte zu erwarten sein.

Um der Hitze des Tages zu entgehen, starten wir lange bevor die ersten Sonnenstrahlen unseren Gasthof am Talboden erreichen. Im tief eingeschnittenen Ötztal ist das allerdings keine Leistung, mit der es sich groß anzugeben lohnt.

Nach besagten 4 Kilometern – die Zeit können wir etwas unterbieten – stärken wir uns auf der Gehsteigalm mit Gulasch­suppe und dazu passendem Drink aus der Brunnenbar. Der Wirt ist äußerst kundig über den Weitwanderweg und erzählt von den vielen Begehern, die sich mit schöner Regelmäßigkeit an seiner Kost laben.

Auch die Sorgen vor dem Aufstieg auf den Wildgrat will er uns nehmen – der Wanderführer verwendet hier mehrmals und rufzeichen­bewehrt das Wort Trittsicherheit. Der Abstieg auf der Rückseite sei wegen des vielen Gerölls viel schwieriger. Na, dann…

Wir haben Tumpen schon lange verlassen, da streckt sich sie Sonne immer noch nach dem Talboden.
Wir haben Tumpen schon lange verlassen, da streckt sich sie Sonne immer noch nach dem Talboden.
Auf die Sonnenpause sollten wir jetzt noch verzichten...
Auf die Sonnenpause sollten wir jetzt noch verzichten…
Kann was: Der Ötztal-Talblick.
Kann was: Der Ötztal-Talblick
Den Wanderweg zur Gehsteigalm hat man schön hergerichtet
Den Wanderweg zur Gehsteigalm hat man schön hergerichtet
Nicht einmal die Füße werden nass
Nicht einmal die Füße werden nass
Die Behauptung, zur Gehsteigalm müssen lediglich zwei Stufen überwunden werden, ist nicht gelogen!
Die Behauptung, zur Gehsteigalm müssen lediglich zwei Stufen überwunden werden, ist nicht gelogen!
Frech steckt die Gehsteigalm ihre Giebel ins Bergpanorama
Frech steckt die Gehsteigalm ihre Giebel ins Bergpanorama
Gedrängte Getränke in der Brunnenbar
Gedrängte Getränke in der Brunnenbar

60 Minuten später nehmen wir den restlichen Aufstieg in Angriff. Die Sonne gleißt erbarmungs­los, nicht nur weil wir die Waldgrenze bereits unter uns gelassen haben. Auch die Stunde auf der Gehsteigalm hat die kühlen Früchte unseres zeitigen Aufbruchs zunichte gemacht.

Auf etwa 2500 Metern überschreiten wir schließlich der Südwestgrat der Kreuzjochspitze. Hier offenbart sich mein schlechtes Erwartungs­management im Vorfeld der Tour. Helen meint, dass gleich dahinter die Hütte stehen müsste, ich kann sie ihr aber nur weit entfernt im Talschluss zeigen. Eine Stunde noch! Mindestens.

Aber es wird eine schöne Stunde: Der Direttissima-Aufstieg ist einem Weg in der Horizontalen durch schöne Almwiesen gewichen, Pinzgauer Spaziergang und Franz-Senn-Weg lassen grüßen!

Nur die letzten Meter zur Erlanger Hütte warten mit einer versicherten Felspassage auf. Da aber unsere Gedanken uns ohnehin schon zum Abendessen vorausgeeilt sind, kann uns nichts mehr aufhalten und nach kurzer Einweisung im Matratzenlager sitzen wir zufrieden vor zwei Tellern Ragout vom Steinbock. Ein Hoch auf die hiesige Fauna!

Das Ötztal liegt immer weiter unter uns...
Das Ötztal liegt immer weiter unter uns…
Ein kugelrunder Zeltplatz!
Ein kugelrunder Zeltplatz!
Am Südwestgrat der Kreuzjochspitze
Am Südwestgrat der Kreuzjochspitze
Unsere Augen suchen die Erlanger Hütte: irgendwo da hinten!
Unsere Augen suchen die Erlanger Hütte: irgendwo da hinten!
So ist's schön!
So ist’s schön!
Am Weg zur Erlanger Hütte
Am Weg zur Erlanger Hütte
Herzlich willkommen! Ja, so haben wir uns auch gefühlt!
Herzlich willkommen! Ja, so haben wir uns auch gefühlt!

Tag 41: Erlanger Hütte – Wildgrat – Pitztal

In dieser freundlichen Hütte durften wir uns zu zweit eine Dreier-Lagerkoje teilen, daher starten wir nach einem Besuch des Frühstücksbüffets ausgeruht und mit frischen Kräften in den Gipfeltag.

Wenige Meter über der Hütte liegt der Wettersee, der sicher auch den einen oder anderen Zeltplatz hergibt, wenn man ihn lieb fragt. Für ein Bad ist er uns heute zu kalt, so wird uns der Wildgrat ungewaschen ertragen müssen.

Auch unser gestriger Tischnachbar hat die Schwierigkeiten des Wildgrats heruntergespielt: Hände-aus-dem-Hosensack-Gelände, aber „nix zum Klettern“. Aus der Ferne sieht der Gipfel aber doch recht unnahbar aus.

Doch bevor wir Hand an den Fels legen können, müssen wir ohnehin erst einmal dorthin kommen. Vorerst erwartet uns ein Weg durch Schutt, über ein Miniatur-Schneefeld und vorbei an mannshohen Steinmännern.

Vor Ort nötigt der Gipfelaufbau immer noch Respekt ab, der Weg durch die Felsen wird aber ein wenig klarer. Auch wenn der Abgrund manchmal nahe ist, leiten uns die Markierungen sicher zum höchsten Punkt und auf fast 3000 Metern können wir auf einer improvisierten Gipfelbank unsere wohlverdiente Wildgrat-Gipfelrast genießen.

Madonna am Wettersee
Madonna am Wettersee
Startklar für den Tag!
Startklar für den Tag!
Der Wettersee, dahinter die Erlanger Hütte
Der Wettersee, dahinter die Erlanger Hütte
Kleines Schneefeld
Kleines Schneefeld
Am Ende der Ausbaustrecke, gleich geht's bergauf!
Am Ende der Ausbaustrecke, gleich geht’s bergauf!
Vor uns liegt der Gipfelaufbau
Vor uns liegt der Gipfelaufbau
Im schwungvollen Tanzschritt dem Gipfel entgegen
Im schwungvollen Tanzschritt dem Gipfel entgegen
Verirren ist hier unmöglich!
Verirren ist hier unmöglich!
Auf 2971 Metern
Auf 2971 Metern

Nun können wir uns auf der Rückseite des Gipfels an den Abstieg machen. Für diesen brauchen wir deutlich länger als für den Aufstieg, steiles Gelände und viel Geröll am Weg verlangen konzentriertes Steigen, Helen will sich mit dieser Wegbeschaffenheit nicht so recht anfreunden.

Unser Tempo sinkt auf unter einen Kilometer in der Stunde, erst als wir den Groaßsee erreichen kommen wir wieder schneller voran. In den Südhängen des Hochfeilers marschieren wir auf den Zollberg zu, eine Klettersteigoption lassen wir aus.

Kleine Scharte am Weg
Kleine Scharte am Weg
Der Hochzeiger vor uns, wir umrunden ihn von links
Der Hochzeiger vor uns, wir umrunden ihn von links
Gams & Gams
Gams & Gams
Der begehbare Wegweiser bestätigt: Von der Erlanger Hütte, da kommen wir her!
Der begehbare Wegweiser bestätigt: Von der Erlanger Hütte, da kommen wir her!
Der Groaßsee
Der Groaßsee
Groaßsee & Wildgrat (links)
Groaßsee & Wildgrat (links)
Unter dem Hochzeiger
Unter dem Hochzeiger
Wegvarianten
Wegvarianten
Der Weg in Ketten
Der Weg in Ketten
Steile Serpentinen
Steile Serpentinen

Knapp vor dem Zollberg wenden wir uns nach rechts zur Mittelstation des Skigebiets Hochzeiger, wo Helen die knieschonende Abstiegsvariante wählt.

Ich bleibe der 02A-Route treu und wandere auf Forststraßen zum (2015 geschlossenen) Hochzeigerhaus und von dort über den neu trassierten Bärensteig zur Talstation der Seilbahn. Ich fürchte, den verbleibenden Weg in den Ort auf der breiten Straße absteigen zu müssen, eine beschilderte Route ermöglicht jedoch das Abkürzen der vielen Serpentinen hinunter nach Jerzens.

Für diese Nacht kommen wir in einem altehrwürdigen Gasthof etwas außerhalb des Orts unter, was uns leider zwei Extrakilometer beschert.

Ins Skigebiet Hochzeiger
Ins Skigebiet Hochzeiger
Abkürzung
Abkürzung
Der Abstieg ins Pitztal
Der Abstieg ins Pitztal
Jerzens in der Morgensonne
Jerzens in der Morgensonne

Tag 42: Vom Pitztal ins Obere Inntal

Für mich ist die Tour beim Frühstück eigentlich zu Ende. Die Anstrengungen der letzten beiden Tage sind deutlich spürbar, das Knie murrt ein wenig nach dem gestrigen Abstieg und auch der Wetterbericht kündigt für den Tagesverlauf Ungemach von oben an.

Helen will jedoch davon nichts wissen, im Moment scheint die Sonne und in den Bus steigen können wir unterwegs immer noch. Womit sie recht hat.

Als erstes müssen wir die Pitze, Namensgeberin des Pitztals, überqueren. Im Ort Kienberg erreichen wir den Wald auf der gegenüber­liegenden Talseite, durch den wir einen Kogel namens Klapf umrunden. Vom Ort Matzlewald nach Piller erwartet uns laut Karte ein längeres Straßenstück, welches wir aber auf einigen Forst- und Feldwegen umgehen können. Die gelben Wegweiser führen uns sicher an den Ortsrand von Piller.

Schattig rund um den Klapf
Schattig rund um den Klapf
Feldwege statt Straße am Weg nach Piller
Feldwege statt Straße am Weg nach Piller
Im Wald
Im Wald
Rückblick auf den Ort Piller
Rückblick auf den Ort Piller
Badeteich bei Piller
Badeteich bei Piller
Unter Hochspannung im Pillerwald
Unter Hochspannung im Pillerwald
Ein kleines Hochmoor schmatzt unter unseren Wanderschuhen
Ein kleines Hochmoor schmatzt unter unseren Wanderschuhen

Bei einem kleinen Badeteich hinter Piller verlassen wir den Asphalt wieder und wandern auf durch den Pillerwald und ein kleines Hochmoor hinauf zur Pillerhöhe. Während der kurzen Pause kündigen einzelne Regentropfen den unmittelbar bevor­stehenden Wetter­­umschwung an. Von der Aussichts­­plattform Gaacher Blick beim Naturparkhaus Kaunergrat können wir die heran­nahende Regenfront dann schon deutlicher ausmachen – Zeit, uns zu sputen.

Wieder steht ein längerer Asphalt­abschnitt bevor, diesmal drängt sich eine Umgehung direkt auf. Anstatt am Gasthof Falpaus vorbei nach Kauns zu wandern, biegen wir schon in Puschlin rechts ab und wandern in zahllosen Serpentinen hinunter zum Gehöft Außergufer, das erspart uns nicht nur Straßenkilometer sondern auch etwas Zeit.

Ganz optimal erwischen wir’s nicht, so landen wir erst wieder auf einer Straße, die uns dafür direkt in den Talort Faggen bringt. Nun ist es nur noch ein kleiner Hüpfer nach Prutz, von wo uns ein Bus zurück zum Auto bringen wird.

Die Zeit bis dahin würden wir liebend gerne mit einer zünftigen Kalorienzufuhr verbringen, doch die Wirte des Orts haben sich gegen uns verschworen. Alle Gasthäuser versperren ihre Küchen zwischen 14 und 17 Uhr. Linderung schafft ein Café, welches uns zumindest Toast und Torte kredenzt, aber – wie könnte es anders sein – mit Ende August seine Pforten für immer schließt…

Pro-Tipp an die Touristiker vor Ort: Auch am Nachmittag gibt es hungrige Leut‘, mit uns hättet ihr ein Bombengeschäft gemacht. Sogar die durchaus gehoben Preise der ausgelobten Fleisch- und Süßspeisen hätten wir mit Freude bezahlt!

Rast auf der Pillerhöhe
Rast auf der Pillerhöhe
Die schwindelerregende Aussichtsplattform Gaacher Blick
Die schwindelerregende Aussichtsplattform Gaacher Blick
Prozession
Prozession
In Serpentinen hinunter ins Inntal
In Serpentinen hinunter ins Inntal
Steile Almwiesen
Steile Almwiesen
Im Tal liegt Prutz, unser Tagesziel
Im Tal liegt Prutz, unser Tagesziel

Auf der nächsten Etappe wird via Serfaus das Furglerjoch (mit 3000er-Option) erklommen, um von dort hinunter ins Paznaun­tal zu steigen und damit schon nahe an die Vorarlberger Grenze.

Und noch eine touristische Verschwörung glauben wir aufgedeckt zu haben: Ein, zwei, drei Mal haben wir in Tirol übernachtet, in Quartieren, die unterschiedlicher nicht sein hätten können. Und jedes Mal hat sich mit Abendessen, Getränken und Frühstück (jeweils mal zwei) ein Endbetrag von fast genau 90 Euro auf der Nächtigungs-Rechnung gefunden. Hätten wir doch das *****-Hotel buchen sollen?

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2 thoughts on “Zentralalpenweg 02A: Auf zu neuen Höhen!

  1. Schöner Bericht, in Prutz wird Siesta also so richtig ausgelebt. 😉
    Ich glaube, dass die Verschwörung auch ins Vorarlbergerische und ins Liechtensteinische rüberreicht. Denn auf Totalphütte und Pfälzer Hütte kam ich jeweils auf ca. 40 €, mit unterschiedlichsten kulinarischen Variationen. Da is was im Gange, das sag ich dir.

    1. Eh fein, mit den Preisen kann ich gut leben!

      Und wenn’s gen Westen sogar noch um ein paar Nätsch billiger wird, lassen wir die Wirten gerne weiter konspirieren!

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