1000 Nadelstiche – #südwärts Tag 22

Auch wenn mich in der Früh schon die Sonnenstrahlen in der Nase gekitzelt haben, zu meinem Abmarsch hüllt sich das Gaberl wieder in eine dicke Nebeldecke.

Das Wetter wird sich heute aber noch ein paar mal ändern. Und das nicht unbedingt immer zum besseren…

Neblig-grauer Start am Gaberl
Neblig-grauer Start am Gaberl
Grüne Weitwander-Autobahn
Grüne Weitwander-Autobahn

Lange her, dass ich hier das letzte Mal unterwegs war, aber bis zur Turneralm sind die Wanderwege genauso schön wie in meiner Erinnerung. Lediglich ein kurzes neues Forststraßenstück hat sich zwischendurch eingeschlichen.

Die Turneralm ist ein kleiner Knotenpunkt im Österreichischen Weitwanderwegenetz. Der 02er gesellt sich jetzt zu meinem 05er, die Via Alpina (sie hat mich seit Eibiswald begleitet) vertschüsst sich dafür nach Nordwesten.

Hier gabe(r)ln sich zwei Weitwanderwege. Links NSWW 05, rechts zentralalpenweg 02
Hier gabe(r)ln sich zwei Weitwanderwege. Links NSWW 05, rechts Zentralalpenweg 02
Auf der Turneralm
Auf der Turneralm

Von hier bis zum Stierkreuz geht’s in der gleichen Tonart weiter, es gibt kaum Steigungen, ich komme gut voran.

Nach einer Pause biege ich rechts zum Sattelhaus ab. Das (nein, nicht die Pause!) hätte ich mir sparen können, denn es ist geschlossen. Laut Webseite sollte es aber seit Mai geöffnet sein.

An die Tradition, dort unerwarteterweise vor verschlossenen Türen zu stehen, will der neue Pächter anscheinend nahtlos abschließen. Die Gaberl-Wirtin berichtete mir von zwei Wanderern, die vorgestern hier trotz Reservierung niemanden angetroffen haben – und so die Monsteretappe Mugel-Gaberl an einem Tag zu bewältigen hatten…

Mein Rucksack rastet beim Stierkreuz
Mein Rucksack rastet beim Stierkreuz

So hätte ich gleich die Variante über die schönen Terenbachalmen nehmen können. Aber vielleicht war’s auch gut so, denn es sind mittlerweile wieder einmal graue Wolken aufgezogen. Da wandert es sich in tieferen Lagen besser.

Der Brunnen sprudelt bei der Zeissmannhütte
Der Brunnen sprudelt bei der Zeissmannhütte

Nur über den Rossbachkogel muss ich noch drüber. Der Weg führt zwar um den Gipfel herum, aber alle Gipfel möchte ich auch nicht auslassen.

Zu sehen gibt’s oben – wie erwartet – nichts.

Der Rossbachkogel zeigt sich heute unfreundlich...
Der Rossbachkogel zeigt sich heute unfreundlich…
Die Aussicht oben: gleich null
Die Aussicht oben: gleich null

Im Abstieg wird’s dann noch einmal richtig ungemütlich. Aus Nebel wird Nieselregen, aus Nieselregen wird ein Graupelschauer, der sich wiederum zu Hagel auswächst den mir der Wind wie Nadelstiche in Gesicht und Nacken peitscht.

Der Hagel bildet am Weg dann auch noch ein Kugellager...
Der Hagel bildet am Weg dann auch noch ein Kugellager…

Das Gleinalmhaus ist ja noch geschlossen, doch als ich aus dem Wald komme höre ich den Kompressor laufen, stürme gleich durch die Eingangstür und stehe dem verdutzten Wirt gegenüber.

Darf ich mich eh kurz unterstellen?

Ich darf. Der Wirt steht mitten in einer Baustelle und ist gerade mit den Saisonvorbereitungen beschäftigt. Ich will ja ohnehin in der (speziell für Weitwanderer eingerichteten) Notunterkunft übernachten, dorthin winkt er mich gleich durch.

Könnt ihr das Feuer im Ofen knistern hören?
Könnt ihr das Feuer im Ofen knistern hören?

Der Ofen ist schnell eingeheizt, die Hütte wird langsam warm und ich freue mich bereits auf eine gemütliche Nacht.

Morgen möchte ich gerne noch Leoben erreichen (um wieder mal einen Ruhetag einzulegen), daher werde ich wohl die ersten Gipfel auf einer Forststraße umgehen. Der Gleinalmspeik würde mir mit seinen Schneeresten ohnehin die Handbremse anziehen.

Übrigens: der E6-begehende Däne, mit dem ich vorgestern im Abstieg von der Hühnerstütze geplaudert, entpuppt sich laut Hüttenbuch als Holländer und Mitglied der Nederlandse Klim- en Bergsport Vereniging.

Spruch des Tages

Aus dem Hüttenbuch der Notunterkunft:

Um ungewaschen im Stroh zu liegen
mit fremden Menschen, Bein an Bein
musst du hoch gestiegen
oder tief gesunken sein.

Zum Glück sind heute keine fremden Beine hier in der NUK…

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2 thoughts on “1000 Nadelstiche – #südwärts Tag 22

  1. Das ist aber eine nette Notunterkunft!
    Auf diesen Bergerln kenn ich mich auch aus 🙂 – das Wetter hat bei uns bis zum späten Nachmittag nur mit dunklen Wolken gedroht, ich hab mir einen Sonnenbrand am Bauch geholt in der Hängematte während du durch den Nebel gestapft bist…

    1. Heute habe ich mit einem Kommentar von dir gerechnet 😉

      Die Notunterkunft ist super, die schlägt sicher auch die in der Nähe befindliche AirBnB-Unterkunft, oder? 😉

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