Der längste Tag – #südwärts Tag 20

Der bisher längste, abwechslungsreichste, vielleicht sogar schönste Tag, mit allen Randbedingungen aber sicher der anstrengendste Tag.

Geschlafen habe ich nur so lala in meiner luftigen Kapelle. Aber wer kann schon schlafen, wenn man von allen Seiten von höchster Instanz beobachtet wird. Mindestens sechs Jesusse blicken von den Wänden der Kapelle auf mich herab.

Schlafplatz mit Aussicht
Schlafplatz mit Aussicht

Da ich mich nur zögerlich aus dem warmen Schlafsack herausschälen mag, komme ich nicht so früh los, wie ich eigentlich wollte. 7:15 zeigt die Uhr beim Abmarsch.

Die erste Stunde komme ich gut voran, vorbei an der Kramerin bis zu den Glitzfelsen ist der Schnee überhaupt kein Thema, dort beginnt es, langsam mühsam zu werden.

Schnee? Welcher Schnee?
Schnee? Welcher Schnee?
Ah ja. Dieser hier zum Beispiel.
Ah ja. Dieser hier zum Beispiel.

Am Großen Frauenkogel liegt schließlich ein weißes Meer vor mir. Aber ich habe Glück: Dort wo noch eine geschlossene Schneedecke liegt, ist diese hart gefroren, so kann ich einfach drübermarschieren und bin beinahe flotter unterwegs als im Sommer. Mit 3 Stunden von meiner Kapelle bis zum Gipfel halte ich die Wegweiserangabe exakt ein.

Ich kann über (gefrorenes) Wasser laufen!
Ich kann übers (gefrorene) Wasser laufen!
Am Gipfel des Großen Speikkogels
Am Gipfel des Großen Speikkogels

Der Weg zur Weinebene wird hingegen deutlich mühsamer. Mittlerweile ist aus dem harten Schnee ein weicher Matsch geworden, bei jedem Schritt sinke ich bis zu den Knien ein. Zum verzweifeln…

Nur langsam lasse ich die Koralm hinter mir
Nur langsam lasse ich die Koralm hinter mir
Am Weg zur Weinebene
Am Weg zur Weinebene

Nach langem Kampf erreiche ich schließlich die Hühnerstütze, von der Weinebene kommt mir ein bunter Punkt entgegen. Immerhin jemand, der mir eine Spur legt.

Der Punkt entpuppt sich als Dänischer Weitwanderer, der von Kopenhagen aus am E6 unterwegs ist und heute noch auf die Koralm will. Wir plaudern kurz, ich schildere, was ihm da noch bevorsteht. Er lässt sich jedoch nicht beirren.

Die Pauluskapelle. Da liegt er, der Carl Hermann. Begraben.
Die Pauluskapelle. Da liegt er, der Carl Hermann. Begraben nämlich.

Nach 13 Uhr endlich bei der Weinebene angekommen, bin ich praktisch streichfähig und plane, hier zu übernachten. Aber zuerst wird mal was gegessen, dann gehe ich hinunter zur Gösler Hütte um dort um ein Zimmer zu bitten.

Geschlossen, na bravo!

Muss ich halt doch weitergehen bis zur Hebalm. Anruf dort: Geschlossen!

Langsam setzt die Wirkung des eben eingeworfenen Cordon Bleus ein und ich werde übermütig: Anruf am Packsattel, dort bekomme ich sofort ein Zimmer – Für einen Wanderer haben wir immer einen Platz! Doch halt, 6 Stunden Gehzeit stehen im Wanderführer!

Jetzt aber ran: Hinauf auf die Handalm ist’s noch einmal ein Kampf gegen den nassen Schnee, aber von dort geht es den restlichen Tag quasi bergab. Und Schnee gibt’s keinen mehr, das hat mir der Däne geflüstert.

Auf der Handalm
Auf der Handalm
Weg ist der Schnee!
Weg ist der Schnee!

Und schön ist der Weg, ich komme in einen richtigen Wanderflow. Vergessen sind die Strapazen im tiefen Schnee, hier lässt sich der Frühling blicken, es ist warm, die Sonne scheint.

Die Zeit vergeht wie im Flug, um 17:30 Uhr bin ich auf der Hebalm, wo ich mir noch eine kurze Pause gönne.

Ziel in Sicht!
Ziel in Sicht!
Wer will auf solchen Wegen nicht wandern?
Wer will auf solchen Wegen nicht weitwandern?
Das 'Steinerne Weibl' meint: Es ist nicht mehr weit nach Pack!
Das ‚Steinerne Weibl‘ meint: Es ist nicht mehr weit nach Pack!

Den Tilzwirt im Ort Pack erreiche ich genau 12 Stunden nach meinem Aufbruch in der Früh. Laut Wanderführer waren’s 36 km…

Jetzt: Duschen, essen, schlafen. Gute Nacht!

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