Slowenische Grenzgängerei auf der Via Pomurje

Die Region Pomurje (Murgebiet) gilt als Backstagebereich von Slowenien, weit abseits der kurzen Adriaküste und der hohen Gipfel in den Julischen Alpen gibt man es hier beschaulicher. Weniger zu bieten hat man deswegen jedoch nicht, der länderübergreifende Naturpark Raab – Örség – Goričko lockt zahlreiche Touristen in die Region.

Und mit der Via Pomurje kann man hier auch einen Weitwanderweg vorweisen, der 330 Kilometer lang rund um Murska Sobota durch die ganze Region Pomurje führt.

Mit vollem Namen heißt die Via Pomurje übrigens Pomurska Planinska Pot (PPP), zu deutsch Weg durch das Pomurje-Bergland – wobei man den Begriff Berg hier allerdings schon sehr weit fassen muss, denn nur selten überschreitet der Weg die 400-Meter-Marke.

An zwei Punkten berührt die Via Pomurje die österreichische Staatsgrenze, unseren Einstieg in den Weg finden wir genau an der Dreiländerecke zwischen Österreich, Slowenien und Ungarn.

Drei Länder auf einem Fleck: hier treffen die Grenzen von Österreich, Slowenien und Ungarn aufeinander.

Ist man der slowenischen Sprache nicht mächtig, findet man im Internet nur spärliche Informationen über die Via Pomurje. Daher soll uns der heutige Ausflug ein erstes Gefühl für diesen Weg geben, sozusagen ein Schnupperkurs in Sachen Via Pomurje sein. Wie ist ihr Charakter? Was macht sie aus? Ist sie gut markiert? Auch: Kann das ein Projekt für die kalte Jahreszeit sein?

Wir ziehen also los mit einem GPS-Track, ausgedruckt auf einer in diesem Gebiet sehr lückenhaften OpenStreetMap-Karte und der Hoffnung, dass uns die Markierungen im Zweifelsfall den rechten Weg zeigen werden.

Wenige Meter folgen wir der slowenisch-österreichischen Grenze, dann schickt uns ein roter Wegweiser nach links auf slowenisches Gebiet.

Unsere ersten Meter auf der Via Pomurje

Auf ins unbekannte Land der Via Pomurje!

Und unsere Wanderung beginnt vielversprechend, ein schmaler Pfad zieht hinab in ein Tal, welches sich rasch weitet und uns auf einer Schotterstraße zur Ortschaft Trdkova (Turken) bringt. Es scheint hier auch einen gut gemachten, wenn auch etwas in die Jahre gekommenen Naturlehrpfad zu geben, doch die Details bleiben uns mangels Sprachkenntnissen verschlossen.

Bei der Brücke am Ortsende die Abzweigung nach links nicht verpassen!

Im  schattigen Tal behält der Frost gegenüber der schwachen Dezembersonne bereits ganztägig die Oberhand. Gut, dass wir bald steil hinauf wandern in den Bereich des Brogin Breg, dessen Gipfel aber links liegen bleibt. Auf seinen westlichen Ausläufern rascheln unsere Wanderschuhe dafür lange über laubbedeckte Waldwege. Als sich der Wald langsam lichtet, befinden wir uns schon oberhalb der kleinen Ortschaft Dolič.

Hinauf zum Brogin Breg
Die Markierungen der Via Pomurje
Hier ist die Landwirtschaft noch sehr kleinteilig.
Ob die Slowenen wohl auch ein schönes Wort für ‚verwoadackelt‘ haben?
Kontrollstempel #5 der Via Pomurje am Ortsrand von Dolič

Via Pomurje, Etappe 4

In Dolič beginnt offiziell die vierte Etappe der Via Pomurje, bei Bedarf sollte es im Dorf (links halten) eine Nächtigungsmöglichkeit geben. Wir belassen es dabei, uns an der Kreuzung in das Wegbüchlein einzutragen und nähern uns anschließend auf der Hauptstraße der Ortschaft Kuzma (Kusma). Auch dort werden durstige Wanderer an heißen Tagen einen guten Platz finden, um bei Union, Laško und Co. eine erfrischende Rast einzulegen.

Road to Kuzma

Da unsere Jause beim krummen Telegraphenmast noch nicht allzu lange zurück liegt, verlassen wir Kuzma gleich wieder auf Güterwegen auf eine Anhöhe, um dort erstmals vor Orientierungsproblemen zu stehen.

Bis hierher haben uns die rot-weißen Markierungen sicher den Weg gezeigt. Aber nun: kein Wegweiser, kein Farbkreis am Baum will uns weiterhelfen. Nach einigen Überlegungen wird klar, was hier von uns erwartet wird: auf einem schmalen grünen Band zwischen zwei Äckern talwärts zu balancieren.

Obacht! Da vorne gleich rechts…

Noch sind wir unsicher, aber ja, wir sind am richtigen Weg!
Der Pfad wird schnell breiter. Und ja, wir sind am richtigen Weg!
Am Wegesrand oft gesehene Warnung: Achtung, Wasser! Wie es scheint, eine der Hauptgefahren hier…
Zwei am Wegesrand
Der Eindruck, dass die Via Pomurje ein eher selten begangener Weg ist, beschleicht uns öfters.

Nach einem beinahe weglosen Abstieg durch den Wald (und nicht der auffälligen Markierung nach Rak folgend!) bringt uns ein Feldweg hinaus nach Sotina (Stadelberg).

Am Weg nach Sotina.
Die Beschilderung wird wieder besser.

Beim letzten Haus von Sotina betreten wir auf schmalem Pfad einen engen klammartigen Graben. Pozor voda! – wasserabweisende Schuhe sind hier keinesfalls von Nachteil.

Unterwegs stoßen wir auf eine kleine mit izvir slatine bezeichnete Quellfassung, was ich als Mineralwasserquelle deute. Doch weder das leicht säuerlich duftende Wasser noch der etwas bemooste Trinkbecher wirken sonderlich einladend, unseren Durst gerade hier zu stillen.

Wir mißtrauen erst der wackelig aussehenden Brücke, aber sie hält!
Unerwartet: eine kleine Klamm
Mineralquelle

Am Ende des Grabens kommen wir wieder in die Nähe der österreichischen Grenze, der Weg zweigt davor jedoch nach links ab und erreicht nach einem steilen Aufstieg ein Gehöft. Dort wissen wir das erste Mal wirklich nicht weiter, wir stehen sprichwörtlich an.

Einmal Spitzen schneiden, bitte!

Der Markierung kann man nicht die Schuld geben, die ist hier eindeutig, leider. Der Spielverderber ist das mehrere Meter breite Dornendickicht gleich daneben. Heckenfrisör hat hier schon lange keiner Hand angelegt, dabei wäre ein Kürzen der Ranken dringend wieder einmal angebracht. Doch da hier der Weg genau an und auf der Staatsgrenze verläuft, erklären sich anscheinend sowohl hüben als auch drüben für unzuständig.

Wir schummeln uns auf österreichisches Gebiet, finden einen Durchschlupf und es zeigt sich: das wäre ein langer, dorniger Kampf geworden, in dem man höchstens im Sommer, zur Brombeerzeit lohnenswerte Erfolge einfahren kann.

Die Weinranke wäre kein Hindernis, das Dornengestrüpp in Hintergrund ist es.
Etwas abseits finden wir einen Durchschlupf

War es bisher reines Genusswandern, scheint es nun, fast am Ende unserer Tour ganz dicke zu kommen. Gleich die nächste Abzweigung leitet uns in einen privaten Garten, wir zögern und nehmen schließlich einen größeren Umweg. Von der Rückseite ist es offensichtlich: ein neues Haus hat sich mitten auf dem Wanderweg niedergelassen.

Nächstes Hindernis: ein neues Haus mittem am Wanderweg

Belohnung zum Schluss!

Nach einer letzten, etwas verwachsenen Passage können wir schon den Gipfel der Kugla (418 m) erahnen. Droben steht eine kleine Aussichtswarte, deren Spitze bald über den Weinbergen erscheint. Wir genießen die herrliche Aussicht und die einzigartige Stimmung der Landschaft im Licht der untergehenden Sonne.

Das vermeintliche Gipfelkreuz am Weinberg ist die Spitze der Aussichtswarte
Die kleine Warte
Ausblick ins steirische Vulkanland
Sonnenuntergang

Hier verlassen wir die Via Pomurje, nur 100 Meter entfernt queren wir die österreichische Grenze. Wir marschieren im letzten Tageslicht die Zufahrtsstraße hinunter nach Bonisdorf, wo wir die Tour für heute enden lassen.

Fazit

Ooooh! Vor wenigen Wochen war mir die Via Pomurje noch nicht einmal bekannt, heute bin ich überzeugt, damit einen netten Weitwanderweg entdeckt zu haben. Die 15 heute erwanderten Kilometer machen definitiv Lust auf mehr.

Und die Verlockung ist groß: In einer (langen) Tagesetappe wäre das Thermalbad von Radenci (Radein) zu erreichen. Am Ende eines langen Wandertags im heißen Wasser entspannen… Ich schnüre schon mal die Wanderschuhe!

Mach ’ne Runde draus!

Sieben Kilometer Luftlinie trennen den heutigen Ausgangspunkt am Dreiländereck und der Aussichtswarte oberhalb Bonisdorfs. Mit Wegen auf der österreichischen Seite der Grenze lässt sich eine schöne Runde bilden.

Und so geht’s: Abwechselnd auf Straße und Waldwegen, am Gipfel des Bruchen vorbei, hinauf zum Grenzgasthaus Mertschnigg. Dort trifft man auf den Österreichischen Weitwanderweg 07 und den Themenweg Grünes Band, auf denen man – immer den Grenzsteinen folgend – bis zum Dreiländereck wandern kann. Unterwegs bietet das Gasthaus Lang eine weitere Einkehrmöglichkeit.

Die gesamte Runde ist rund 24 km lang, knapp zwei Drittel davon ist man in Slowenien auf der Via Pomurje unterwegs. GPS Daten findet ihr unten bei den Links.

Und Öffis?

Mühsam. Öffentliche Verkehrsmittel sind in der Gegend spärlich gesät, aber immerhin vorhanden.

Auf Österreichischer Seite kommt man an Schultagen frühmorgens mit dem Bus von Jennersdorf nach Tauka, muss von dort aber mindestens eine halbe Stunde Hin- und Rückweg zur beschriebenen Runde einplanen.

Im slowenischen Teil der Runde gibt es in Sotina eine Bushaltestelle direkt an der Via Pomurje. Von Montag bis Freitag verkehren mehrere Verbindungen von und nach Murska Sobota.

Links

Die folgenden Links können beim Wandern auf der Via Pomurje von Nutzen sein.

Und hier die Fortsetzung auf der Via Pomurje bis Grad (wieder als Rundtour konzipiert).



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One thought on “Slowenische Grenzgängerei auf der Via Pomurje

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