Rupertiweg 10: To Biwak or not to Biwak?

Kaponig Biwakschachtel
Das Kaponig-Biwak

Nur wenige Kubikmeter Geborgenheit bietet das Kaponig-Biwak vor den Gewalten, welche das Gebirge für die Hochtouristen gelegentlich bereit hält. Die kleine Blechhütte befindet sich am Höhenweg, welcher die Einsamkeit der Kärntner Reißeckgruppe durchquert.

Um die Biwakschachtel zu erreichen sind erst vier Stunden schweißtreibender Aufstieg zum Arthur-von-Schmid-Haus einzuplanen, nach kulinarischer Stärkung veranschlagt unser Wanderführer zwei weitere Stunden, um die einsame Unterstandhütte zu erreichen.

Mit dem festen Plan, dort die Nacht zu verbringen, entsteigen wir in Mallnitz dem Schnellzug. Dementsprechend bepackt schreiten wir zur Tat: Schlafsack, Matte und jede Menge Ess- und Trinkbares beschweren unsere Rucksäcke.

Dass Wandern hier die liebste Beschäftigung der Touristen ist, macht uns bereits die Bahnhofsunterführung klar. Auch wer keine Begleitung hat, braucht die ersten Schritte nicht alleine zu tun.

Und so begeben wir uns auf den langen Kirchgang ins Dösener Tal.

Bis ich plötzlich hinter mir ein Geräusch wahrnehme, welches unserem Aufstieg ein jähes Ende setzt.

Rrrrraaaaaaatsch!

Bei Werners rechtem Schuh hat sich die Sohle im Zehenbereich gelöst und lässt uns mit hängender Zunge wissen: I geh heut‘ nirgendwo mehr hin! Überhaupt nirgendwo mehr. Selbst eine notdürftige Verarztung mit Klebeband hilft uns hier nicht weiter.

Angesichts der Etappen, die wir in den nächsten drei Tagen vorhaben ist klar: Neue Patscherln müssen her. Nur woher nehmen auf die Schnelle?

Die Reifenpanne knabbert ab sofort an unserem Zeitbudget, den Weg vom Arthur-von-Schmid-Haus zur Biwakschachtel werden wir da wohl nicht mehr unterbringen.

Zum Glück ereilt uns das Unbill genau auf jenem Kilometer der heutigen Wegstrecke, welcher mit dem Auto erreichbar ist. Ein Wandertaxi ist rasch herbei telefoniert und bringt uns in rasantem Tempo hinunter nach Mallnitz, wo wir dem einzigen Sportgeschäft unsere Aufwartung machen.

Das Angebot lässt uns staunen, genau ein Paar Wanderschuhe in Werners Größe ist vorrätig. Hätten wir jedoch an diesem Julitag Leihskier bedurft – die Auswahl um hundertfaches größer gewesen…

Durch das karge Sortiment ist unser Einkauf rasch erledigt. Da das einsame Paar glücklicherweise kompatibel mit Werners Füßen ist, fahren wir bereits nach wenigen Minuten wieder im Taxibus wieder bergwärts. Schlappe 45 Minuten hat uns das Shoppingabenteuer gekostet als wir uns wieder an genau jener Stelle abgesetzt werden, wo uns das Geräusch gestoppt hat.

Die Hoffnung, die Biwakschachtel rechtzeitig zu erreichen lebt also wieder, während wir gemütlich dem Ende des Dösener Tals entgegen marschieren.

Hinter der Konradhütte ist es aber endgültig vorbei mit der Spazierei, vor uns geht es nur mehr in eine Richtung, bergauf.

Bald blicken wir hinunter auf die Konradlacke, eine Steilstufe nach der andern schnaufen wir hinauf.

Als wir am Fuße des finalen Aufschwungs stehen halten wir eine letzte Rast bevor wir die Hütte erreichen. Hier ist uns schon klar, dort oben werden wir es für heute gut sein lassen. Das Verlangen nach Kaiserschmarren, Bier, Dusche und Bett genießt Priorität vor dem Weiterweg. Außerdem: Werner kann nicht mehr und ich mag nicht mehr.

Das Gewicht unserer Biwakausrüstungen im Rucksack dürfen wir also ab sofort als zusätzliches Training betrachten.

Das GPS zählt die noch fehlenden Höhenmeter quälend langsam herunter: 160…, 120…, 90…, 50…, 25…, endlich stehen wir vor dem Arthur-von-Schmid-Haus und melden uns beim Hüttenwirt als Übernachtungsgäste an.

Das Abendessen wird mit einem herrlichen Blick auf den Dösener See eingenommen.

Wenn sich die Sonne dem Horizont nähert, braucht auch die Hütte ihren Schatten nicht mehr. Dementsprechend wirft sie ihn in das grüne Wasser des Sees, wo er für morgen gut aufgehoben ist.

Obwohl diese Ausblicke den Augen schmeicheln, gilt der abendliche Ausflug auf den Kogel neben der Hütte mehr den modernen Segnungen des Mobilfunkempfangs. Denn bei der Hütte selbst herrscht wohltuende Funkstille.

Spät ist es noch nicht als wir uns in unser Zimmer zurück ziehen, um uns für den morgigen Tag zu erholen. Der bereits eingangs erwähnte Höhenweg wird unsere ganze Kraft erfordern.

Vorfreude!



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8 thoughts on “Rupertiweg 10: To Biwak or not to Biwak?

  1. Sehr schön. Auf die Wanderung durch die Reißeckgruppe freu ich mich schon – kommt wohl nächstes Jahr bei mir dran.

    … und die Auflösung, warum am Biwak eine 09er-Tafel hängt, gibts im nächsten Bericht?

    1. Die Auflösung kann dir nur die Sektion Graz geben. Wir haben sie schon einmal drauf aufmerksam gemacht, ein Foto vom Biwak samt 09er Taferl war vor ein, zwei Jahren im Bergauf.

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