Rupertiweg 10: Wandern ist blöd!

Der Wanderflow ist eine flüchtige Substanz. Es gibt sie, die Tage an denen man dem Spaß einfach nur hinterher hecheln kann – und heute ist so einer. Steile Wege, falsche Abzweigungen, Hitze, hässliche Forststraßen und Probleme mit den Schuhen. Wenn’s kommt, dann ordentlich.

Aber ich will nicht jammern, in aller Früh ist die Welt noch in Ordnung. Auf der Techendorfer Brücke spaziere ich über den Weißensee und freue mich über die kühlen Temperaturen. Für die aber leider nur das Wasser des Sees sorgt, denn sobald ich auf der gegenüberliegenden Talseite ankomme, beginnen sich Quecksilbersäule und Höhenmesser ein Wettrennen zu liefern.

Tag 12: Weißensee – Hermagor

Noch ist der Sessellift auf die Alm nicht in Betrieb, aber in der Warteschlange stehen bereits die ersten Gäste in freudiger Erwartung ohne Anstrengung zu ihrem Almausflug transportiert zu werden. Zwischen zuknallenden Autotüren und Bergschuh-bindenden Touristengruppen schlängle ich mich an der Talstation vorbei.

Dann geht’s auch für mich zur Sache: Leider hat der Wegweiser mit der Aufschrift Naggleralm (steil) am Fuße einer Skipiste Zeit seines Lebens noch kein Motivationstraining besucht, sein Nachbar Naggleralm (über Forststraße) lässt ihn aber nicht wirklich schlecht dastehen.

Zweitere Variante scheint mir heute aber besser geeignet, um den Körper in den Wandermodus zu bringen. 90 Forststraßenminuten später darf ich zur Belohnung einen halben Liter Holundersaft in meinen Magen rinnen lassen.

Die Pause vom Straßenhatscher genieße ich dermaßen, dass ich sogar vergesse ein Foto von der Alm zu machen, immerhin der Stempel im Wanderbuch tut Kunde von meinem Besuch.

Vor dem Abstieg hätte ich besser Beine und Hirn aktiviert, so schlage ich gleich einmal den falschen Weg ein. Nach einem angemessenem Umweg finde ich bald wieder zur Markierung zurück.

Jetzt darf ich mich endlich über feine Waldwege talwärts freuen, den Abschluss soll sogar ein schöner Steig bilden, der extra auf einem Wegweiser Erwähnung findet. Leider hat man an selbiger Stelle mittlerweile eine hässliche Forststraße in den Berg gesprengt…

Sowohl in St. Lorenzen als auch in Jadersdorf warten Trinkwasserbrunnen auf die durstigen Wanderer, ein Angebot, von dem ich heute reichhaltigen Gebrauch mache. Ich bin einfach kein Hitzewanderer.

Dabei gibt sich der Weg hier durchaus Mühe, auch wenn ich streckenweise auf Asphalt das Gitschtal hinaus wandern muss.

Jede schattige Pausenbank wird sofort ihrem bestimmungsgemäßen Zweck zugeführt. So brauche ich heute anstatt der prognostizierten vier bis fünf Stunden deren sechs.

Hermagor geht es dann entlang des Gösseringbachs entgegen. Über einen schmalen Weg erreiche ich schließlich die Stadt im Gailtal und hole mir im Rathaus den amtlichen Nachweis, dass ich auch diese Kontrollstelle des Rupertiwegs passiert habe. Damit ist die Tagesetappe auch schon zu Ende.

Mag nimmer!

Der mühsame Tag hat aber die Entscheidung reifen lassen, morge die letzte Etappe aufs Nassfeld nicht mehr dranzuhängen, auch dank der umständlichen Rückreise von dort.

Da dort kein Bus hinauffährt, müsste ich vom Nassfeldpass zuerst zur Mittelstation der Seilbahn marschieren, mit dieser hinunter nach Tröpolach. Dort auf den Postbus warten, der mich wieder nach Hermagor bringt. Dann Zug nach Villach, Zug nach Klagenfurt, Bus nach Graz. Und das ganze nach einem langen, heißen Aufstieg.

Also geht’s bereits von hier heimwärts.

Am Weg zum Bahnhof stoße ich noch auf diese Hinterglaswegweiser. Es handelt sich dabei um die Geschäftsstelle der Alpenvereinssektion Hermagor, leider ist diese aber gerade geschlossen.

Den Bahnhof erreiche ich keine Sekunde zu spät, es fallen bereits die ersten Tropfen. wenige Minuten nach Abfahrt des Dieseltriebwagens wird hier die Welt untergehen…

Wandern ist wirklich blöd?

Ist es natürlich nicht. Nur heute, ein bisschen… 😉

Immer läuft’s halt nicht rund und gerade heute ist einiges zusammengekommen und am Ende hat die Bequemlichkeit gesiegt.

Die Schuhe, was ist mit den Schuhen?

Da war noch was. Vorgestern bin ich ja mit neuen Wanderschuhen zur Goldeckhütte gestartet. Diese haben sich in den vergangenen Tagen nur mittelmäßig bewährt.

Am ersten Tag war ich noch sehr zufrieden, der Weg führte auch ausschließlich bergauf. Aber wie sich gestern schon herausgestellt hat, verschiebt sich beim abwärts gehen die Innensohle des Schuhs.

Im Zehenbereich knautscht sie dann zusammen und mit der Ferse trete ich bei jedem Schritt auf die Kante der Einlegesohle. Kein Riesenproblem, aber lästig. Und bei einem Markenprodukt sollte so etwas wirklich nicht passieren.

Eine Reklamation hat mir bereits eine neue, steifere Innensohle eingebracht. Ob diese das Problem lösen wird, konnte ich bisher noch nicht testen.

Und weiter?

Der letzte Tag aufs Nassfeld wird selbstverständlich nachgeholt, da kann ich mir dann auch Zeit für den Abstecher durch die Garnitzenkamm nehmen. Zuvor werden aber die anderen verbliebenen Lücken im Rupertiweg im Steinernen Meer (3-4 Tage), der Goldberggruppe (2 Tage) und am Reißeck Höhenweg (3 Tage) geschlossen…



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4 thoughts on “Rupertiweg 10: Wandern ist blöd!

  1. Du hast vollkommen recht, jeder Wegweiser sollte mal an einem Motivationstraining teilgenommen haben 😉. Dass eine Wanderung mal nicht so toll ist, kenne ich auch, glücklicherweise kommt das nur selten vor.
    Letzte Woche hatte ich aber auch die Nase etwas voll. Vor lauter Nebel keinen einzigen Berg gesehen, im Matsch ausgerutscht und von oben bis unten eingesaut und dann noch Steinschlag. Bei Steinschlag denke ich mir jedes Mal, dass ich nie wieder in die Berge will.
    Natürlich fahre ich dann aber trotzdem immer wieder hin.

    Viele Grüße
    Carolin

    1. Wobei mir Nebel so schnell keine Tour versaut, ich mag die Stimmung. Bei der Matschlandung bin ich schon eher bei dir, Steinschlag sowieso.

      Aber natürlich wird wieder aufgestanden, Krönchen gerichtet und weiter geht’s!

    1. Und. Des. Sogst. Ma. Jetzt?

      Also ich hab an den Gestaden des Weißensees schon eine Weile gesucht, wurde aber weder mit Tante Google noch mit Onkel Scotty fündig.

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