Rupertiweg 10: Hütte, Gipfel, Alm & See.

Der Weißensee ist der höchstgelegene Badesee Kärntens, so viel Faktenwissen hat man mir im Gymnasium dauerhaft eingetrichtert. Beim berühmten Manöver mit Stecknadel und Landkarte hätte ich hingegen alle anderen Gegenden Kärntens zuerst durchlöchert.

Doch heute wird mir diese Wissenslücke keine Sorge bereiten können, denn die rot-weiß-rote Markierung des Rupertiwegs wird mich quer durch die Latschurgruppe zielgenau an das Nordufer des Weißensees führen. Und das kann beim Wandern schon eine gehörige Protion Extra-Motivation bedeuten.

Tag 11: Goldeckhütte – Weißensee

Die Goldeckhütte lasse ich schnell hinter mir, hier ist sie schon ganz klein geworden. Das Panorama dahinter hat man aber auch heute wieder im XL-Format aufgebaut.

Dafür kommt der Gipfel des 2142 Meter hohen Goldeck rasch näher.

Es ist gar nicht so einfach, das Gipfelkreuz zu fotografieren ohne die zahlreiche Infrastruktur mit aufs Bild zu packen. Dank Sender,  Skigebiet und großer Hüttendichte halte ich mich hier nicht lange auf.

Das Goldeck wird heute mein einziger Gipfel bleiben, auch wenn links und rechts des Weges einige lohnenswerte Kandidaten bereit stünden. Wie so ein fröhliches Gipfelhüpfen aussehen könnte, darüber haben Martin und Fräulein A. vor Jahren eine hübsche Abhandlung verfasst (Floridsdorf sei herzlichst gegrüßt an dieser Stelle).

Bevor die ersten Seilbahntouristen den Gipfel erobern können, eile ich also schon wieder davon und genau bei dieser Hudelei passiert’s. Hier, der rechte unscheinbare Weg wär’s gewesen!

Aber erst nachdem ich mich durch die Chill-out-Area der wiederkäuenden Almbewohner geschlichen habe bemerke ich, dass etwas nicht stimmen kann. Von dem letzten grünen Hügel stürzen meine Blicke in der Falllinie zur Gusenalm hinter, meine Karte will mich jedoch auf einem weiter ausholenden Bogen dorthin schicken.

Knapp jenseits der Gusenalm erwarten mich vier feinsäuberlich aufgereihte Hindernisse. Für meine Erklärung, dass das bitteschön mein Weg sei und das saftige Gras eh woanders wächst, ernte ich nur ratlose Blicke.

An dreien der vier turne ich geschickt obenherum vorbei, die vierte im Bunde weicht dann von selbst ins Gemüse aus. Zum Glück sind diese behäbig wirkenden Tiere doch recht geländegängig.

Um Kraft für den folgenden Aufstieg zu tanken genieße ich nun meinen Schwarzbeer-Kaiserschmarrenkuchen von gestern. Das tue ich mit guter Sicht auf den Umkehrplatz meines Irrwegs von vorhin. Der erwähnte Bogen hat mich schließlich über die große Almfläche links geführt.

Dermaßen gestärkt nehme ich den hinauf zum Eckwandsattel in Angriff. Diesmal ist ein Verirren unmöglich, die Geländeform legt eindeutig die Richtung fest.

Oben belohnt ein herrlicher Blick auf den weiteren Weg. Die Alm links hinten ist die Stosia und die Hangwanderung dorthin soll meine nächste dreiviertel Stunde füllen.

Doch bevor ich losmarschiere gibt es hier zwei weitere Dinge zu erschauen.

Erstens: Der Einschnitt am Horizont etwas rechts der Bildmitte, gerade von einem Gipfel verdeckt. Das Nassfeld, der Endpunkt des Rupertiwegs ist nur mehr zwei Tourentage entfernt.

Und zweitens: Seht euch bitte die Farbe an! In das Blau des Weißensees möchte ich am liebsten schon von hier aus meine Füße strecken.

Die Stosia nun bereits hinter mir lassend folge ich einem langen Höhenrücken, der Wald gibt freundlicherweise immer öfter den Blick auf den See frei.

Es dauert ein wenig bis zur Alm hinterm Brunn, aber auf diesem Weg ist das wirklich kein Malheur. Allerdings: hier will mich der Rupertiweg nochmal über die Hügel hinter der Alm schicken.

Laut meinem Wanderführer kann man aber hier bereits nach links zum Weissensee auskneifen. Überraschend, aber genau so drückt sich das Bücherl aus, also mache das ich jetzt. Auskneifen! Das kürzt meinen Weg um mindestens eine Stunde ab, diese kann ich bei den aktuellen Temperaturen im Weißensee deutlich besser investieren.

Wegen Instandhaltungsarbeiten bleibt mir jedweder Autoverkehr auf der Schotterstraße ins Tal erspart, nur ein paar Mountainbiker rauschen flink an mir vorbei. Am Ortsrand von Techendorf angekommen freue ich mich bereits darauf, von einem Meer an rot-weißen Zimmer Frei! Fähnchen begrüßt zu werden.

Doch es grüßt nichts.

Ich hab’s ja schon befürchtet, ein kurzer Check unterwegs bei den einschlägig bekannten Buchungsportalen hat dasselbe ergeben. Bei einem größeren Hotel scheint dann doch ein Bett für mich leerzustehen.

ohnehin nicht auf ein Schnäppchen hoffend bitte ich um Unterkunft für eine Nacht. Wenn die Dame an der Rezeption jetzt nicht gerade 70 Euro sagt, werde ich die Suche hier beenden. Und 70 Euro ist auch nicht, was sie sagt!

Sie sagt nämlich hundertvierundzwanzig und das tut sie mit einem bewundernswerten Selbstbewusstsein. Meine rasch wiederaufgenommene Suche nach einer Bleibe mit weniger Sternchen findet wenig später in einer kleinen Pension ein versöhnliches Ende. Geht ja doch.

Den weiteren Nachmittag verbringe ich essend und plantschend. Obwohl ich kein leidenschaftlicher Schwimmer bin, ist das doch eine Bewegungsform, die nach einer anstrengenden Wanderung sehr gut tun kann.

Auch wenn der heutige Wandertag viel länger ausgefallen ist als der gestrige, halte ich am Abend doch noch recht lange durch. Den lauen Sommerabend genieße ich bis der Weißensee endgültig in der Dunkelheit der Nacht verschwindet. Morgen ist nur ein kurzer Tag geplant, der mich nach Hermagor bringen wird.



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