Šentiljska Pot: Unbekanntes Land jenseits der Grenze

Wenn ich beim Wandern auf unbekannte Markierungen stoße, folge ich diesen gerne ein Stück weit aus Neugier. Wenn ich dann draufkomme, auf einer Mehrtagestour unterwegs zu sein, ist das besonders fein. So passiert bei einem Ausflug an der steirisch-slowenischen Grenze.

Der Šentiljska Pot umrundet auf 56 Kilometern die südlich von Spielfeld und Mureck gelegene Gemeinde Šentilj. Für drei Winterwandertage gerade recht, um das unbekannte Land hinter der Grenze zu Fuß zu erkunden. Ich darf verraten: es zahlt sich aus!

Etappe 1: Šentilj – Sladki Vrh – Mureck

Beginn und Ende dieses Rundwegs – zumindest was die Nummerierung der Kontrollstempel betrifft – ist das Ortszentrum von Šentilj (St. Egidi).

Das wohl lauteste Stück der ganzen Runde gleich neben der Autobahn bringt man gleich zu Beginn hinter sich. Aber schon auf der kleinen Anhöhe geht’s rechts hinauf in den Wald und der Autolärm wird schnell zum fernen Rauschen.

Am Bubenberg gesellt sich die österreichische Staatsgrenze zum Weg, der nun eine Weile gefolgt wird, bis es plötzlich relativ steil zur Mur(a) bergab geht.

Die Hoffnung, nun gemütlich am Fluss entlangschlendern zu können, erfüllt sich nicht. Flaniert man am österreichischen Ufer der Mur ohne jeglichen Höhenmetereinsatz von Mureck bis nach Spielfeld, sieht das auf der slowenischen Seite zwischen Šentilj und Cmurek gänzlich anders aus.

Dazu muss ich sagen, dass ich nicht wirklich weiß, auf was ich mich heute eingelassen habe. Denn ich bin ohne Karte unterwegs und verlasse mich daher ausschließlich auf die Markierungen – was auf der gesamten, 56 Kilometer langen Runde erstaunlich gut klappt.

Ehem. Wachhäuser, wie man sie an der slowenischen Grenze öfter trifft.

Ist es noch weit? Keine Ahnung, alles was ich weiß ist, dass sich mein Tagesziel irgendwo zwischen Sladki Vrh und Zgornja Velka befindet. Wir werden sehen…

Wegweiser in Ceršak

Bin ich einmal nicht im Wald unterwegs, ergeben sich immer wieder schöne Blicke nach Norden, hier zeigt sich gerade der Schöckl.

Mitte März ist vielleicht nicht die optimale Saison für diesen Weg, vor allem wenn sich der Winter so hartnäckig hält wie heuer. Viele Wege sind noch recht schlammig und von frühlingshaftem Grün ist auch noch nichts zu sehen.

Naja, fast nichts, am Boden rührt sich stellenweise schon etwas:

Immer wenn ich mich gerade freue, dass es nun endlich einmal flach durch die Auwälder der Mur geht…

…tut der Weg wieder einmal genau das Gegenteil. Und schneller als mir lieb ist, blicke ich 100 Meter auf die Mur hinab.

Der schnellste Weg zur Mur…

Kurz vor dem Gipfel des Beli Vrh steht am Wegesrand eine kleine Bank, wie geschaffen für eine sonnige Pause.

Da hinten, am Fuße des dunklen Hügels, kann man bereits Mureck erahnen.

Die Markierung führt über ein Fischereigewässer, im Hintergrund erkennt man bereits die Rollfähre zwischen Weitersfeld und Brod na Muri.

Diese ist aber noch im Winterschlaf. Im Sommer könnte man damit zum Bahnhof Weitersfeld abkürzen, falls man den Ausflug hier schon beenden möchte.

Außer Betrieb.

Ein Stück folge ich dem Radweg nach Sladki Vrh. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurden die Bäume am Wegesrand zu Titos Tod gepflanzt. Sladki Vrh wird anschließend auf der Straße durchquert.

Kurz muss ich wieder mal weg von der Mur, die bereits vierte Kontrollstelle ist bei der Kmetija Sirk. Eine kmetija ist übrigens vergleichbar mit einer Buschenschank.

Auf diesem Brückengeländer hat sich die wegbetreuende Sektion des Slowenischen Alpenvereins verewigt.

Planinsko društvo Paloma Sladki vrh

Mureck ist nun nicht mehr weit, warum hier allerdings auch Graz angeschrieben steht, erschließt sich mir nicht.

Wegmarkierung oder Fahrverbot?

Um beim nächsten Mal einen besseren Startpunkt zu haben, folge ich nicht dem direkten Weg nach Mureck, sondern erledige noch die nächste Steigung und gehe dann auf der Straße zurück zum Grenzübergang.

Die heutige Etappe endet auf der Murbrücke, die mich wieder nach Österreich bringt.

In 50 Metern Österreich!

Etappe 2: Cirknica – Mureck

Und gleich am nächsten Tag geht’s weiter.

Allerdings drehe ich nach Konsultation der Zugfährpläne spontan die Etappe um. So starte ich nicht in Mureck, sondern fahre vom Bahnhof Spielfeld-Straß mit der Slovenske železnice zwei Stationen nach Süden. Der kurze Trip nach Cirknica ist übrigens kostenlos, da sich der Schaffner nicht bemüßigt fühlt, mir ein Ticket zu verkaufen. Soll auch recht sein.

Das am Wegesrand immer wieder auftauchende Wörtchen ŽIG bedeutet, dass es hier einen Kontrollstempel zu holen gibt. Meist findet man diesen in einer Metallbox samt Buch zum Eintragen, manchmal muss man auch in einem Gasthaus danach fragen. Da ich aber ohne Stempelkarte unterwegs bin, ist das heute ohnehin egal.

Der Zustand der gestrigen Wege war noch gar nichts im Vergleich zu dem was mich heute erwartet.

Es ist unglaublich, wie viele Höhenmeter die Slowenen in ihrer Landschaft versteckt halten. Seit Stunden gehe ich nur rauf und runter, da bin ich froh über flache Wegstücke wie dieses.

Der/die Lovski Dom, im Sommer ließe sich hier fein übernachten und eine Picerija im inneren sorgt für die leiblichen Bedürfnisse der Wanderer.

Why did the chicken cross the Šentiljska pot? Ich weiß es nicht.

Es folgt wieder mal ein hübsches Wegstück. Wie es scheint, habe ich deswegen keine Augen für die Markierungen mehr, denn an an der folgenden Abzweigung gehe ich einfach vorbei und leiste mir den ersten gröberen Verhauer auf der Tour.

Wie konnte ich diese Leuchtreklame nur übersehen?

Hier der erste Blick zur Kirche Marija Snežna (Maria Schnee). Wenig verwunderlich liegen dazwischen noch einige Gräben, und durch die muss ich jetzt durch.

Das ist sooo typisch für den Šentiljska Pot! Ein vielleicht 30 Meter hoher Hügel, man könnte rechts dran vorbei, man könnte links dran vorbei. Aber was tut die Markierung?

Natürlich, kerzengerade hinauf!

Irgendwann versuche ich gar nicht mehr, dem weichen Boden zu entkommen, es ist eh schon egal.

Endlich bin ich bei der Kirche Marija Snežna im Ort Zgornja Velka angekommen. Auch hier findet sich eine Picerija, diese Einkehr lasse ich mir nicht entgehen.

Fast mache ich den Fehler die Pizza der Größe normalna zu verweigern, weil mir der Preis von 5 Euro nicht ausreichend sättigend erscheint. Von familija sehe ich dann aber doch ab und behalte nur mit Mühe bei der slowenischen Normpizza die Oberhand. Ein Hoch auf das hiesige Preisniveau!

Nun geht’s auf Nebenstraßen hinunter, einen gröberen Irrweg Erkundungsabstecher leiste ich mir noch, bis ich mich schließlich langsam aber sicher Mureck nähere.

Auch am Wegesrand wird fleißg gewandert

So endet also auch mein heutiger Tag wieder hier…

Tag 3: Cirknica – Brloga – Šentilj

Bis ich Zeit finde, die Runde abschließen zu können, ist eine Woche ins Land gezogen. Und auch der Winter hat im kleinen Cirknica noch einmal kräftig zugeschlagen.

Nochmal Cirknica

Zwischendurch war genug Zeit, mir die Stempelkarte auszudrucken und so ergattere ich heute zumindest vier der zwölf Kontrollstempel.

Mit solchen Verhältnissen hätte ich Mitte März nicht mehr gerechnet, aber heuer ist uns wohl kein Frühling vergönnt.

Dieses Kästchen bei der Kapelle Brloga hat mich vor kurzem bei einem Ausflug auf den Plački Vrh (Platschberg) auf den Weg aufmerksam gemacht. Der Inhalt – Buch und Stempel – hat mich zu Hause dann recherchieren lassen.

Nun stehe ich bereits knapp vor Abschluss des Weges.

Kontrollstelle Nummer 12
Blick über die Windischen Bühel (slovenske gorice).
Steil hinunter durch Buchenwald


Nochmal geht’s auf schönen Wegen durch Weinberge und -güter.

Eine Weile folge ich übrigens den bekannten Seitenteilen des Türls in Spielfeld, remember?

Doch auch die Slowenen können das, hier im Hintergrund hat ein Grundbesitzer einen Zaun quer über den Wanderweg errichtet, ausgewichen wird nach rechts.

Hinter dem Zaun steht auch so man anderes Argument, dort lieber nicht durchzugehen. Ein Überbleibsel des kurzen Unabhängigkeitskriegs von 1991:

Nun ist es nur mehr ein kurzer Spaziergang in den Ort Šentilj, wo die Runde für mich nun endet. Um mir den langen Marsch über den Bundesstraßen-Grenzübergang zu ersparen, nehme ich wieder den Zug zurück nach Spielfeld-Straß. Einmal mehr fahre ich gratis. Also, ich mag die Slowenische Eisenbahn…

Fazit

So unbekannt mir der Šentiljska Pot noch vor kurzem war, hat er mir auf einer schönen Runde viel von einer Landschaft gezeigt, die zwar fast vor meiner Haustüre liegt, im Kopf jedoch noch immer sehr weit weg ist.

Ich würde Wanderern hier speziell das Frühjahr und den Herbst ans Herz legen, das sind hier sicher die perfekten Wanderzeiten. Dann laden auch die zahlreichen Kmetije zu einer Jause ein!

Einer der Kontrollstempel

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