Berlin by Fernwanderweg.

Oder fahren wir nach Berlin? Ich gebe zu, die Frage löst keine Begeisterungsstürme in mir aus, zumal sich das oder auf eine lang geplante Wanderwoche in der Steiermark bezieht.

Aber sowohl der hiesige als auch der dortige Wetterbericht sind argumentativ ganz auf der Linie meines Schatzes und die noch verfügbaren Sparschiene-Tickets für die Fahrt im ICE-Sprinter nach Berlin überzeugen mich schnell. Und wandern tun wir trotzdem! wird mir versprochen.

So reisen wir gemütlich mit der Eisenbahn in die deutsche Hauptstadt, bereits am nächsten Vormittag nehmen wir die S-Bahn nach Potsdam, welches von zwei Europäischen Fernwanderwegen durchmessen wird.

Tag 1: Potsdam – Nikolassee

Hier rollen wir gerade die Treppe des Potsdamer Hauptbahnhofes hinunter, sowohl auf den E10 als auch den E11 können wir hier aufspringen. Hopp oder dropp, the winner is…: Der E11, führt er doch (aus den Niederlanden kommend) von hier nach Berlin hinein und hindurch (und dann weiter nach Polen).

Berlin Tiergarten lautet unser Wanderziel, ob sich das in einem, zwei oder drei Tagen ausgehen kann, bleibt vorerst offen. Wir queren die Brücke über die Bahnstrecke und biegen sogleich auf den Uferweg entlang der Havel ein.

Blau-weiße Markierungen halten wir erst für die unsere, doch es sind nur lokale Wanderwege, die so markiert sind. Wir halten uns an die Vorgabe aus Openstreetmap, Markierungen im Gelände sehen wir bis Berlin keine einzige.

 

Ist schon Sommer? Zumindest für ein Fußbad scheint es zu reichen…

Immer wieder stehen hübsche Häuschen am Wegesrand, meist etwas scheu hinter Bäumen versteckt. Aber selbst das zum Schloss Babelsberg gehörende Dampfmaschinenhaus ist nett anzusehen.

Hier überqueren wir den Teltowkanal, der sich im Hintergrund zum Griebnitzsee weitet.

In Klein Glienicke passieren wir die Grenze zwischen Brandenburg und Berlin, noch vor 30 Jahren wäre diese Wanderung undenkbar gewesen, stand hier doch eine Mauer.

Heute sind es hingegen schmucke Häuschen, vermutlich vorwiegend zur Wochendbenützung durch die nicht zu den unteren 99% gehörenden Berliner. Heute, Mittwoch sind nur emsige Gartenpfleger und Handwerker zugegen.

Sogar mit Sandstrand!

Die Übersichtskarten der Berliner Forste, alle paar Kilometer mal montiert, geben uns die einzigen Hinweise auf die tatsächliche Existenz unseres Wanderwegs.

Birken und Kiefern dominieren den Düppler Forst – und spenden uns den nötigen Schatten, die Temperaturen haben zwischenzeitlich ordentlich aufgedreht.

Die wohl größte Steigung (auch wenn’s für uns bergab geht) des heutigen Tages!
Ein Zipfelchen des Nikolassees stößt zu unserem Wanderweg.

Hier auf der Rehwiese in Nikolassee treffen wir (nach etwa 14 Kilometern) die Entscheidung, es für heute gut sein zu lassen und nach Berlin zurückzufahren. Bis zur nächsten S-Bahnstation entlang unseres Weges wäre es (mindestens) noch einmal so weit und es ist bereits 15 Uhr. Und wir sind ja nicht nur zum Wandern hier.

Könn’n Se uns vielleicht sagen, wo es hier zur Kirche jeht?

Tag 2: Nikolassee – Berlin Olympiastadion

Da wir uns bekanntlich auf Urlaub und nicht auf der Flucht befinden, wird es wieder 11 Uhr, bevor wir an der S-Bahn Station Nikolassee erneut auf unseren unmarkierten Weg aufspringen. Auch gut, dass wir die Badehosen nicht dabei haben, denn sonst wäre nach einem Kilometer bereit wieder Schluss:

Ein bisschen behilflich bei der Routenfindung sind uns die örtlichen Wandervereine ja doch, vorerst dürfen wir lange dem Havel-Höhenweg folgen. Und dieser sorgt sogar für einige Höhenmeter, da er meist 20 Meter über der Havel verläuft und immer wieder ans Ufer hinunter pendelt.

Aber ganz so schlimm ist die Sache mit den Aufstiegen dann doch nicht:

Meist sind wir in dichten Wäldern unterwegs, gelegentlich gelingt jedoch ein Blick in die Ferne. Was wir noch nicht wissen: den Spitz am Horizont werden wir heute auch noch erklimmen.

Eichenallee.

Dies nennt sich hier „Höhenweg“!
Die Lieper Bucht.

Bei der Lieper Bucht verlassen wir dann letztmalig das Ufer der Havel, nun geht es hinauf zum Grunewaldturm, dem vorerwähnten Spitz. Vier Euro kostet der aufzuglose Aufstieg, doch ein Gutschein für ein Eis ist inklusive.

Der Ausblick von oben kann sich sehen lassen, hier sehen wir bereits zu unserem nächsten Ziel, dem Teufelsberg. Irgendwie haben wir das Gefühl, nun längere Zeit im Wald unterwegs zu sein.

Das Eis schleckend studiere ich den Busfahrplan, dieser kündigt einen ‚historischen Bus‘ an. Es kommt schließlich dieses, nicht mehr ganz taufrische Modell:

Hier schreiten wir über die Rampe zum eindrucksvollen Pechsee:

Und so sieht der vorhin von oben besehene Wald von unten aus:

Plötzlich befinden wir uns auf einem asphaltierten Weg im Wald, doch um die umgestürzten Bäume kümmert sich keiner.

Bäume müde. Bäume schlafen.

Der Teufelsberg ist mit 120 Metern Seehöhe die zweithöchste Erhebung Berlins. Wir freuen uns auf die Aussicht, doch man will tatsächlich Eintritt für den Gipfelbereich kassieren. (Dies übrigens deshalb, weil sich hier eine Abhörstation aus dem kalten Krieg befindet, die sich besichtigen lässt.)

Wir widmen uns also dem Nebengipfel, dem Drachenberg mit nur 99 Metern Gipfelplateauhöhe.

Beide Berge wurden übrigens aus den Trümmern der im 2. Weltkrieg zerstörten Berliner Häuser erbaut. Wenn auch kurz, ist der Aufstieg recht steil. Die Aussicht von oben darf als gelungen bezeichnet werden.

Es gibt hier keinen Übergang zwischen Wald und Stadt, wie mit einem Lineal gezogen scheint die Grenze zwischen grünem Blätterdach und roten Häuserdächern gezogen.

Doch selbst in der Stadt findet sich der E11 eine grüne Route. Bei uns gälten solche Parks als ungepflegt, kein Unkraut wird gezupft, keine Wiese gemäht.

Hier beim Olympiastadion ist es dann genug für heute, 16 Kilometer reichen für einen Halbtag, per U-Bahn fahren wir zurück ins Hotel.

Sollen wir morgen wiederkommen?

Tag 3: Olympiastadion – Tiergarten

Natürlich, das war ja klar! Heute rechnen wir mit einem hohen Straßenanteil, marschieren wir doch vom Rand Berlins ins Zentrum. Doch erstmal geht’s durch einen Parkwald.

Schrebergartenidyll.

Hier wandern wir bereits entlang der Spree stadteinwärts.

Wir Österreicher haben es ja immer schon gewusst: Da, am Ufer der Spree sind sie also zuhause, die Flachlandtiroler!

Langsam wird’s urbaner, aber selbst die Autobahnen sehen wir nur aus einer gewissen vertikalen Distanz.

Der Spreekieker.

Wir verlassen nun die Spree, bleiben aber am Wasser. Ab sofort folgen wir dem Landwehrkanal ostwärts. Dessen Ufer sind nicht weniger grün.

Auf der Charlottenburger Brücke, am Rande des Tiergartens verabschieden wir uns vom E11, der uns gut 40 Kilometer lang von Potsdam nach Berlin geführt hat. Den morgigen letzten vollen Tag wollen wir der Stadt widmen.

Ob wir es wohl schaffen unsere Füße von den Wanderwegen zu lassen? (Spoiler: Bericht folgt!)



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