Voralpenweg 04: Über’n Schafberg

Der Schafberg, der sich übrigens als schaflos herausstellen wird, ist die vorletzte Hürde auf dem Voralpenweg von Wien nach Salzburg.

Drei Tage, etwa die Hälfte der verbleibenden Reststrecke, will ich unterwegs sein, muss mich aber mehrmals widrigen Umständen beugen und die Tour auf letztlich zwei Tage eindampfen.

Plan A war, gemütlich zu Mittag zu starten und an Tag 1 nur den kurzen Aufstieg hinauf zur Eisenaueralm zu wandern, um dort bei einer der beiden Hütten zu übernachten. Doch beide Hüttenwirte lehnen mein Gesuch ab, unter der Woche führen sie am Nachmittag „owi“, somit besteht keine Nächtigungsmöglichkeit. Im – nicht ganz billigen – Hotel am Schafberggipfel bekomme ich jedoch ein Zimmer und das bedeutet…

Plan B: früh aufstehen, früh losfahren (nun mit dem Auto statt der Eisenbahn) um in Bad Ischl einen Platz im Rufbus nach Weißenbach am Attersee zu ergatten. Ersteres gelingt, zweiteres scheitert (nicht meine Schuld) somit ist das Erreichen des Busses mehr als fraglich. Somit fahre ich auf gut Glück nach Bad Ischl, in der Hoffnung, dass der Bus auch ohne mein Rufen fährt. Aber leider, ich komme dort erstens ohnehin zu spät an und hätte zweitens auf die Schnelle keinen Parkplatz gefunden.

Also kommt Plan C zum Tragen: Gleich mit dem Auto weiter nach Weißenbach am Attersee. Dort stehe ich von demselben Problem: Wohin mit dem Gefährt? Es gibt zwar einen großen (und leeren) Wandererparkplatz. Der ist gebührenpflichtig, das ist nicht das Problem. Aber der Automat akzeptiert keine Vorauszahlung für mehrere Tage und vor morgen abend werde ich nicht zurück sein. Also lasse ich es mit etwas schlechtem Gewissen irgendwo am Straßenrand stehen und wandere (endlich!) los.

Langer Rede kurzer Sinn: Mit dem Auto ist es ja sooo viel bequemer… Nicht!

Tag 16: Weißenbach am Attersee – Schafbergspitze

Im Gasthof Zur Nixe hole ich mir nach wenigen Minuten noch ein Getränk und auch einen Stempel, dann geht’s wirklich los. Die erste halbe, dreiviertel Stunde wandere ich am Ufer des Attersees, erst auf der Bundesstraße, dann am begleitenden Radweg. Hier betrete ich auch erstmal auf dem Voralpenweg Salzburger Boden.

Dort wo die Markierung in die Berge abzweigt, finde ich einen großen, kostenlosen und vor allem leeren Parkplatz vor. Grmpf. Also schnell zurück nach Weißenbach/Oberösterreich zurückspaziert, um das Auto hierher umzuparken.

Straßenhatscher mit Rückblick auf die letzte Etappe
Angenehmer ist’s am Radweg, Schafberggipfel voraus

Von nun an wandere ich auf einer Forststraße bergwärts bis zur Eisenaueralm, was allerdings von den Machern des Voralpenweg gar nicht so vorgesehen ist. Denn irgendwo unterwegs übersehe ich eine Abzweigung, so bleibt mir ein schönes Stück Wanderweg verwehrt.

Die große Forststraßenschleife ist Teil meines Umwegs

Ich kehre in der Buchberghütte ein (das ist eine derer, die mich hier nicht übernachten lassen wollten) und blicke ehrfürchtig hinauf zu den Felswänden des Schafbergs. Da muss ich jetzt noch rauf.

Die Buchberghütte, auf den rechten Felsengupf muss ich jetzt rauf.

Nach einem stärkenden Schweinsbratenbrot geht es erst über Almgelände, dann steiler durch den Wald aufwärts. An einem Aussichts- und Rastplatz steht auch eine kleine (Not-)Unterstandshütte.

Nochmal zurückgeschaut zur Eisenaueralm
Blick aufs Höllengebirge
Rastplatz
Notunterstand

Wenige Minuten später stehe ich am Fuß der Felswände des Schafbergs, der Gipfel ist nun direkt über mir (was mir aber erst von oben bewusst wird). Nun verläuft der Weg eine Weile unter den Wänden, bis er eine Lücke findet und über steile Grashänge aufsteigt.

Unter den Wänden
Im Zick-Zack steil hinauf

Die letzten Meter werden  dann über einige seilversicherte Stufen überwunden und durch die „Himmelspforte“ gelangt man aus der schroffen ‚Nordwand‘ auf die wesentlich sanftere Südseite des Schafbergs. Nicht mehr lange und ich erreiche das Gipfelhotel und somit meinen Tagesendpunkt.

Die Himmelspforte

Ich checke ein und verbringe den Abend vorwiegend mit Nichtstun, denn alles was es hier heroben zu tun gibt, ist mit Höhenmetern verbunden. Nicht nehmen lasse ich mir jedoch eine Besichtigung des Bahnhofs der Zahnradbahn auf den Schafberg. Nach der Talfahrt der letzten Bahn wird es dann sehr schnell sehr ruhig hier oben.

Blick zum Weg unter den Wänden
Die Schafbergbahn sammelt die Fahrgäste ein und macht sich auf die letzte Fahrt ins Tal…
Die Schienen liegen auch schon länger hier…

Und den Sonnenuntergang lasse ich natürlich auch nicht aus…

Tag 17: Schafbergspitze – Fuschl/Brunn

Geschlafen habe ich gut, zum Sonnenaufgang bin ich – trotz Vorsatz – nicht aufgestanden. Immerhin, die Pole Position am Frühstücksbüffet lasse ich mir nicht nehmen. Noch bin ich nicht sicher, wie weit ich heute gehen werde, Fuschl am See ist ob der guten Busverbindung ein heißer Kandidat, ein wenig weiter wird’s dann doch.

Blick vom Gipfel zur Himmelpforthütte am Morgen

Der Tag beginnt wie auf einer schiefen Ebene, nach dem Frühstück kennt der Weg vorerst nur eine Richtung: bergab.

Wo sind eigentlich die Schafe?

Vorbei am Bergbahnhof der Schafbergbahn und später noch einmal die Schienen kreuzend gelange ich zum (geschlossenen) Gasthof Schafbergalpe und zur (ebenfalls geschlossenen) Naturfreundehütte, wo der Weg kurzfristig einmal flacher verläuft.

Ab da geht’s lange und steil bergab durch den Wald, bis ich in Brunn/Winkl den Talboden erreiche. Vor dem Shop des Klosterhofs preist eine Tafel einen „Durstlöscher“ an. Mit dem Hintergedanken, mir auch gleich einen Stempel zu holen trete ich ein.

Nun, das Getränk trifft weder meinen Geschmack noch die Größe meines Durstes und auch zum Stempeln schickt man mich weiter in eine Kapelle.

In Brunn/Winkl

Auch St. Gilgen hätte ich als mögliches Etappenziel ins Auge gefasst, aber erstens ist es noch zu früh und zweitens umgeht der Voralpenweg den Ort, was mir vorher auf der Karte gar nicht so aufgefallen war.

Mit gar nicht wenig Höhenmetereinsatz umrunde ich also St. Gilgen. Sehenswert unterwegs sind die Steinklüfte, auch wenn es sich dabei nur um einige große Felsen handelt, die faul in der Gegend herumliegen…

Blick zurück zum Schafberggipgel
Die ‚Steinklüfte‘

Nach der Überquerung der Straße St. Gilgen – Fuschl geht es einmal noch mal kräftig bergauf und über einen Sattel gelange ich zum Gasthof Hochlackenhof, wo ich mir im Gastgarten eine Pause bei Toast und Hollersaft gönne. Das Schild mit der Botschaft, dass hier nur Pensionsgäste bewirtet werden, bemerke ich erst beim weitergehen…

Auf dem Weg zum Hochlackenhof

Nun muss ich nur mehr das Tal des Ellmaubachs hinauswandern, bevor ich Fuschl erreiche.

Das Stadttor von Fusch am See

Hier könnte ich Schluss machen und das will ich eigentlich auch, aber bis zur Abfahrtszeit des nächsten Busses nach Salzburg ist noch fast eine Stunde Zeit. So stocke ich im örtlichen Supermarkt meine Vorräte für die Heimfahrt auf und schultere wieder den Rucksack, um der nächsten Etappe noch den einen oder anderen Kilometer abzuzwacken.

Kurz führt der Weg an den Fuschlsee, dann leider sehr unschön auf dem Radweg neben der vielbefahrenen Bundesstraße aus dem Ort heraus. Bei der Bushaltestelle in der Ortschaft Brunn muss ich noch etwa 15 Minuten warten, bis ich die Heimreise antreten kann.

Am Ufer des Fuschlsees
Der letzte Kilometer, bei den Häusern im Hintergrund ist Schluss

Und der fällt leider etwas komplizierter aus: Erst fahre ich mit dem Postbus nach Salzburg, von dort mit dem Railjet nach Vöcklabruck, um in den Regionalzug nach Kammer-Schörfling zu steigen, von wo mich wieder ein Bus nach Weißenbach/Burgau bringt. Von der Bushaltestelle ist es dann nur mehr ein Kilometer zu Fuß zum Auto, mit welchem ich anschließend zweieinhalb Stunden nach Hause fahre.

Nächstes Mal wird’s wieder eine reine Öffi-Tour, das geht schneller und ich kann dabei die Beine hochlagern…

Apropos nächstes Mal: viel fehlt nicht mehr, nur noch einmal werde ich ausrücken müssen, um den Voralpenweg zu beenden. Bald!



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