Lange war nicht klar, welcher Weg unser Urlaubsprogramm im Sommer 2024 sein würde, relativ kurzfristig fiel dann die Wahl auf den Nordwaldkammweg, wohl den ältesten der weiten Wege in Österreich. Beginnend auf dem Dreisesselberg nahe dem Dreiländereck Österreich/Deutschland/Tschechien verläuft er meist im Nahbereich der tschechischen Grenze durch Mühl- und Waldviertel.
Das “klassische” Ziel des Nordalpenwegs war der Nebelstein, später wurde der Weg erst zum Mandelstein, dann bis an den Grenzort Pyhrabruck verlängert. Mittlerweile gibt es auch eine “Rücktour” auf tschechischem Gebiet und einige “Querverbindungen”. Wir widmen uns erstmal dem österreichischen Weg, rund 200 km erwarten uns.
Tag 0: Anreise & die ersten Schritte
Von Graz geht es mit dem Zug nach Linz, von dort mit dem Bus nach Ulrichsberg und nach einer weiteren kurzen Busfahrt schnüren wir in Schwarzenberg am Böhmerwald unsere Wanderschuhe. Unterwegs haben wir die ersten zwei Unterkünfte organisiert, mit Erfolg, wenn auch nicht ganz nach Plan.


Heute peilen wir einen Campingpark auf deutschem Gebiet an, weit haben wir nicht zu gehen. Erst ein paar Höhenmeter zum Ghf. Dreiländereck (der wäre unser Favorit gewesen, aber man wollte uns nicht aufnehmen).
Dort geht’s von der Straße weg und durch Wiesen und Wälder erreichen wir die Staatsgrenze und gleich dahinter ist unser Campingplatz, wo wir einen sog. „Hiking Pod“ gebucht haben. Sowas, um genau zu sein:
Preislich wär’s übrigens sehr günstig gewesen, hätte man nicht für die gemietete Bettwäsche kräftig zugelangt (dabei hätte es der Hüttenschlafsack auch getan, aber das haben wir zu spät überlauert).
Tag 1: Weiterer Zustieg & Dreisesselberg – Holzschlag
Um zum Ausgangspunkt des Nordwaldkammwegs (ab sofort NWKW) zu kommen, haben wir heute noch einiges zu tun. Etwa zwei Stunden dauert der Aufstieg durch schöne Wälder, bis wir vor dem Dreisesselhaus stehen. Erst erklimmen wir den Dreisesselfels, dann gehen wir hinüber zum Hochstein, wo der NWKW offiziell beginnt und schließlich kehren wir in der Hütte auf eine Suppe ein.




Und gut gestärkt geht nun endlich unser Abenteuer los und wir starten in Richtung Osten. Den NWKW verlassen wir nach wenigen Minuten gleich wieder, denn eine Alternativroute direkt am “Kamm” spricht uns mehr an.
Wobei “Kamm” hier für einen sehr sanften Rücken steht, wir wandern genau auf der deutsch-tschechischen Grenze, mal stehen die weißen Grenzsteine links, mal rechts des Weges.
Über den Bayerischen Plöckenstein gelangen wir zum Dreiländereck Österreich/Deutschland/Tschechien. Da die Wolken bereits dunkel drohen, ziehen wir schnell weiter zum (Haupt-?) Plöckenstein, mit 1379 m der höchste Punkt unserer Tour.


Knapp danach könnten wir zur offiziellen NWKW-Route queren, aber auf der Karte sieht das nach einem Umweg aus, somit bleiben wir am Kamm. Wahrscheinlich wäre es eine gute Idee gewesen, denn im folgenden Abstieg bremsen und erst mühsames Blockwerk, dann eine längere Gatsch-Passage.



Schließlich kommen wir bei einem Grenzübergang wieder zur NWKW-Markierung und der Rest des Tages spielt sich auf einer Forststraße ab. Bei der Jugendherberge haben wir leider keinen Platz bekommen, aber im Forsthaus daneben beziehen wir eine hübsche Ferienwohnung. Kaum haben wir eingecheckt, öffnet der Himmel seine Schleusen…
Tag 2: Holzschlag – Oberhaag
Den anstrengendsten Teil der Etappe haben wir heute gleich zu Beginn vor uns, von unserer Unterkunft müssen wir hinauf bis knapp unter den Gipfel des Hochficht und durchqueren dabei das wohl nördlichste Skigebiet Österreichs.


Erstes Zwischenziel ist der Stinglfelsen, auf dem wir eine Pause einlegen und die Aussicht genießen.


Danach führt uns der NWKW über gefühlt endlose schöne Waldwege, die uns nach Schöneben bringen.
Dort kehren wir “kurz” auf einen Kaiserschmarren ein, bleiben dann aber doch fast zwei Stunden hängen, da es wieder mal in Strömen gießt. Solange wir dabei unter Dach sind, soll es uns nicht stören.


Weiter geht’s es dann wieder durch traumhafte Wälder und knapp vor Grünwald beschließen wir, einen Abstecher auf den Bärenstein zu machen. Hier beginnt ja der Rupertiweg, im März 2015 war ich schon mal hier.


Der letzte Wegabschnitt von Grünwald nach Oberhaag verläuft großteils auf einer kleinen Straße. Und kaum haben wir unser Zimmer bezogen, gibt’s wieder mal ausgiebig Wasser von oben…

Tag 3: Oberhaag – Haslach an der Mühl
Heute steht wegen der eingeschränkten Übernachtungsmöglichkeiten nur eine kurze Etappe auf dem Plan. Der Tag beginnt mit dem Abstieg nach Wurmbrand (will man wissen, wie der Ort zu seinem Namen kam?), wieder einmal durch einen schönen Wald.

Die dortigen Wegweiser wirken schon etwas älter (und warum steht da „5/4 Std.?“) und auf der Karte ist noch die ČSSR verzeichnet.
Aber am Wegverlauf hat sich seither nichts geändert und wir machen uns an den nächsten Aufstieg.
Das Auf-und-ab summiert sich, als wir endlich in St. Oswald eintreffen, machen wir eine längere Pause bei der Kirche.
Nun geht es wieder bergab, durch Wiesen und Felder gelangen wir an die Große Mühl, von wo der Rest der Etappe vorwiegend auf kleinen Nebenstraßen verläuft.
Wenig nach 12 Uhr sind wir bereits in Haslach an der Mühl, gleich hinter dem imposanten Stadttor befindet sich unsere Unterkunft.

Am Nachmittag machen wir mit dem Bus einen Ausflug nach Rohrbach, Helen hat ein kleines Fuß-Schuh-Problem und nachdem sich erstere schwer tauschen lassen, muss neue Bereifung her.































