Nordalpenweg 01: Göppinger Hütte – Damüls

Fünf Tage wären es noch bis zum Ende des Nordalpenwegs, dafür ist mein Zeitfenster wieder einmal zu kurz (ich will, ich will, eh schon wissen). Also fahre ich an einem Montagabend wieder einmal nach Wien, von dort mit dem Nachtzug (Mini-Cabin) nach St. Anton am Arlberg, von dort weiter ins schicke Lech.

Mein Reich auf der Hinfahrt

Dort stehe ich dann vor der Wahl: zu Fuß 45 Minuten von der Mautstelle der Straße im Zugertal zum Startpunkt gehen oder in den sauren Apfel beißen und mit dem (teuren = 11 Euro) Touristenbus zum Älpele im oberen Lechtal fahren.

Ich habe heute noch einiges vor, also gut, ich beiße…

Aufstieg zur Göppinger Hütte

Keine zwei Stunden brauche ich für die 700 Höhenmeter hinauf zur Göppinger Hütte, dort wird erstmal ein großes Skiwa…, pardon Bergsteigergetränk gekippt.

Tag 57: Göppinger Hütte – Biberacher Hütte

Bis jetzt war Vorspiel, hier nehme ich die Fährte des Nordalpenwegs wieder auf. Vorerst verläuft der Weg leicht fallend, erst später geht es steiler bergab, eine kleine Gegensteigung inklusive.

In einem Bogen komme ich hinunter zur Oberen Alpschellaalpe, diese markiert etwa die Halbzeit des Wegs zwischen Göppinger Hütte und Biberacher Hütte, da will ich mal nicht so sein und lasse mir ein Getränk bringen. Bald verlassen alle Wanderer die Alpe, somit mache auch ich mich auf den Weiterweg.

Die Obere Alpschellaalpe
Der Gegenhang lacht mich bereits an

Es geht nochmal bergab, nahe der Unteren Alpschellaalpe quere ich einen Bach und nun beginnt der Aufstieg, der mich den restlichen Nachmittag beschäftigen wird.

Niedrigster Punkt für heute

Kurz vor dem Metzgertobel kommt mir ein Pärchen entgegen und die Dame fragt mich, ob „das da oben“ schon die Göppinger Hütte wäre. Keine Ahnung, was die beiden erblicken, aber die Hütte sieht man von hier keinesfalls, da müsst man um zwei Ecken schauen können. Und da sie jetzt erst höchstens ein Drittel der Strecke geschafft haben (und dabei noch keinen Meter bergauf gegangen sind), stelle ich die Frage in den Raum, wie die beiden heute noch ankommen wollen (mit Betonung auf heute). Naja, vielleicht redet man ihnen bei der Alpschellaalpe das Vorhaben aus.

Im Metzgertobel

Ab dem Metzgertobel (Bachquerung und kurze seilversicherte Stelle, wir sind hier übrigens am Talschluss des Großen Walsertals) kämpfe ich mich einen Latschenhang hoch, die Sonne brennt ungnädig herunter, die Wasserflasche wird immer leerer.

Gemütlich geht’s zur…

Bei der Litaalm hat der Weg dann ein Einsehen, fast eben geht es hinüber zur Biberacher Hütte, wo man mich gleich freundlich ins Lager schicken will. Ich bestehe aber darauf, dass man mir zuvor einen Liter Flüssigkeit aushändigt.

…Biberacher Hütte

Tag 58: Biberacher Hütte – (Ober-)Damüls

Das Schild betreffend den Hochschereweg beim Hütteneingang klingt ja gleich mal vielversprechend. Aber um zum spannenden Teil zu kommen, habe ich erst einmal eine lange Hangquerung vor mir.

Immer dem Hang entlang
Zwischendurch wird’s auch mal gemütlicher

Nach sieben, acht Kilometern wird der schmale Pfad noch schmaler, die steilen Hänge werden noch steiler. Gelegentlich sind Seilversicherungen eingebaut und eine Stelle will auf mehreren Eisenstiften überklettert werden. Aber alles gut gesichert. Zum Schluss führt der Weg steil hinauf auf die Hochschere.

Es wird schmaler

Die “Schlüsselstelle”

Von oben kann ich das nächste Ziel, die Zafernalpe, schon sehen. Zuerst muss ich aber 400 Höhenmeter hinunter (endlich einmal Schatten!) und anschließend 100 davon wieder hinauf.

Wegweiser auf der Hochschere

Blick zur Zafernalpe

Die Alm ist nicht (gastwirtschaftlich) bewirtschaftet, aber ein Schild weist auf einen Getränkekühlschrank hin; ich bediene mich reichlich. Bis hierher habe ich übrigens keine anderen Wanderer getroffen.

Rückblick zur Hochschere

Weiter geht’s auf der Zufahrtstraße, nochmal 150 Höhenmeter hinauf. Scharf rechts in eine Hangquerung unter dem Gipfel des Zafernhorn zu einem Rücken, danach eine weitere Hangquerung zum Gumpener Grätle, wo mir das Rastbankerl nicht ungelegen kommt…

Ein bisschen Zick-Zack abwärts, dann verläuft der Weg wieder eher parallel zu den Höhenlinien und bei der Bartholomäusalpe gibt’s dann endlich die erste Einkehrmöglichkeit des Tages, ich bestelle das erstbeste von der kleinen Karte.

Zur Bartholomäusalpe, im Hintergrund bereits Damüls
Mahlzeit!

Steiler geht’s hinunter nach Faschina, dort rechts und AUF der Straße hinüber nach Damüls.

Ja, AUF der Straße!

Hier ist Endstation für diesmal, für die letzte Heimreisemöglichkeit “heute noch” (hieße ohnehin, dass ich erst nach Mitternacht in Graz wäre) bin ich etwa eine Stunde zu spät dran, aber das war ohnehin nie realistisch eingeplant, mein Gedanke war eher, heute noch mit dem Bus ins Tal zu fahren und morgen gemütlich mit dem Zug nach Hause.

Aber das bekannte Buchungsportal verrät mir genau ein günstiges Quartier hier in Damüls, also spaziere ich mal dorthin. Als ich dort klingle werde ich gleich mit “Ah, den Weitwanderer erkennt man sofort!” begrüßt.

Wie bitte? Die Dame kann mich doch unmöglich kennen?

Aber sie spielt auf den klein gepackten Rucksack an (und sieht wohl auch das salzige T-Shirt) und fragt gleich wissend nach: “Vom Neusiedler See?” – Naja, nicht direkt, aber gewissermaßen schon. Nachdem sie mir das Zimmer zeigt, bietet Sie mir sogar an, meine Wäsche zu waschen. Daher: unverhohlene Weitwanderer-Empfehlung: Hotel Lucia, wer in Damüls woanders schläft, ist selber schuld!

Auch das Frühstück stellt sich als tiptop heraus (frische Waffeln!) und dann geht’s von Oberdamüls gemütlich mit dem Bus nach Thüringen (!) und weiter zum Bahnhof Bludenz und von dort per Direktzug nach Graz.

Einmal geht’s noch, dann mach ich den Nordalpenwegs-Sack zu!



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5 Kommentare

  1. Ah, die Zielgerade. Ein langer Marathon neigt sich seinem Ende zu…
    Diesmal wirklich ! 🙂
    Ich bin schon gespannt und freue mich auf das Finish !
    Gerne mit etwas VorLAUF per persönlicher Nachricht über die finalen Pläne informieren !!

  2. Lieber Gert, deine Fotos helfen ja schon weiter was die Hochschwerescharte betrifft, wollte trotzdem direkt bei dir noch nachfragen:
    Machbar mit etwas Höhenangst wenn man es bereits bis Lofer geschafft hat? Ich als kleines Angsthäschen recherchiere vorher ziemlich viel. Den Fadensteig zum Schneeberg am Anfang der Route habe ich im Schnee mit versteckten Stahlseilen geschafft. Auf allen 4en.
    Vielleicht kannst noch ein paar Worte zum Schild im Vergleich wie es wirklich war für mich da lassen bitte 🙂 LG aus NÖ

    1. Author

      Servus Sabrina,
      Also “schwierig” ist der Hochschereweg nicht besonders. Aber man geht halt oft auf schmalem Weg quer durch steile Hänge (ich habe eh die “spektakuläreren” Fotos rausgesucht). Man sieht halt, dass es runtergeht, weil der “Abgrund” nicht hinter einem, sondern neben einem ist. Es gibt meist (aber ich glaube nicht immer) ein Seil zum anhalten…

      Wenn man aber das Zahme Gamseck auf der Rax runtergeschafft hat, sollte der Hochschereweg “psychisch” eher kein Problem sein. Man hat da von der Biberacher Hütte auch schon einige Wanderstunden in den Beinen, zumindest mir hilft das trittsicherheitsmäßig enorm.

      Die “Schlüsselstelle” mit den Stahlstiften ist übrigens eher harmlos, da “übertreibt” das Foto ein bisschen. 😉

      Ich hoffe, das hilft weiter, es ist schwer da “Fernhilfe” zu geben.

      LG
      Gert

      1. Danke Gert !!

        Ich glaube, das ist dann doch nicht die einzige Stelle die ich mir näher ansehen muss, lt. Alpenvereinsführer ist die Loreascharte als “Schwindelfrei, Trittsicherheit, hervorragende Kondition, Orientierungsgeschick, ausgesetzte Steige, äußerste Vorsicht” beschrieben.

        Ich lass mich überraschen und muss sonst eben umkehren. haha. Und ich dachte mir Hey, die ersten 500 km waren halb so tragisch was meine Höhenangst betrifft. Da wird schon nichts mehr kommen. Ich könnte immerhin im Tal gehen und die Scharte auslassen (was ich nicht vorhabe, = Plan B)
        Der Lechtaler Höhenweg soll ja der Höhepunkt der Nordalpenroute sein. schau ma moi ob ich es ins Ziel schaffe 😉 LG

        1. Author

          Bzgl. Loreascharte: Über die Beschreibung habe ich mich auch gewundert, im aktuellen Führer steht das nicht mehr drinnen. Die LS ist (technisch) auch relativ einfach, wenngleich der Aufstieg schon recht anstrengend ist (1400 Hm von Fernstein, aber es gibt je die Hütte)

          Die anspruchsvollen Stellen auf dem Lechtaler Höhenweg sind m.E.: Dremelscharte, Roßkarscharte, Gebäudjoch (jeweils die Abstiege), die Überschreitung des Roßkarkopfs sowie der Weg zwischen Alperschon- und Hinterseejoch, sowie der Obere Kapallweg. Vieles davon ist (teils großräumig) umgehbar.

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