Nordalpenweg 01: Damüls – Bregenz

Also, pack ma’s! Ein letzter Ausflug nach Vorarlberg…

Die Anreise nimmt mittlerweile einen ganzen Tag in Anspruch. Abfahrt 8 Uhr in Graz, Ankunft in Feldkirch knapp 10 Stunden später – wegen einer Streckensperre fährt der EC 164 Transalpin eine Umleitung über Kärnten, das dauert zwar etwas länger, bringt mir aber einige selten befahrene Strecken (Ossiacher See, Tauernbahn) ein. Und ich muss ja nur da sitzen und die Aussicht genießen. Von Feldkirch hüpfe ich dann noch mit der S-Bahn-Station eine nach Rankweil, die letzten zwei Kilometer zum Quartier gehe ich zu Fuß, ein bisserl Auslauf muss jetzt sein.

Das Abendessen beziehe ich dann etwas kurios aus einem Pizzaautomaten, doch das Resultat überzeugt geschmacklich. Die Pizza stammt wohl aus einer “echten” Pizzeria und wird im Automaten nur mehr gebacken.

Abendeinkehr

In der Früh kann ich mir Zeit lassen, es regnet noch, ich bleibe bis 10 Uhr im Zimmer. Dann fahre ich mit dem (Elektro!)Bus nach Laterns und mit dem (erst seit 2025 bestehenden) Wanderbus über den Furkapass (Werbeslogan: Übern Furka gurka! Passend illustriert mit dem entsprechenden Gemüse) nach Damüls.

Tag 59: Oberdamüls – Freschenhaus

Um halb zwölf bin ich am Startpunkt. Hätte es noch geregnet, hätte ich hier noch wettergeschützt warten können. Es ist – früher als vorhergesagt – aber bereits trocken, also riskiere ich es mal, am Nachmittag soll ja von Westen ohnehin das Schönwetter hereinbrechen.

Oberdamülser Alm
Stofelkapelle

Die erste Wanderstunde geht’s zurück Richtung Furkapass – immer parallel, aber in gutem Abstand, zur Straße. Bei der Portlaalpe führt der Weg dann kurz steiler hinauf zum Portla Fürkele. Vor mir breitet sich dort ein weites Kar aus, welches ich nun linksherum ausgehe.

Der Weg ist vom Regen noch nass und stellenweise gatschig-rutschig, aber ich kann mir heute ohnehin Zeit lassen, nur vier Wanderstunden sind bis zum Freschenhaus eingeplant.

Und immer öfter zeigen sich blaue Stellen am Himmel und beim Kreuz oberhalb der Gävisalpe ist dann das erste Mal “Sunnsitzen” angesagt (unwissend, dass wenig ich wenig später zu einem perfektes Rastbankerl kommen sollte und die ganze Sitzerei nochmal über mich ergehen lassen muss).

Ich muss mehr zoomen als das Handy hergibt, aber da ist er, der Bodensee!

Nun wandere ich leicht ansteigend ins Matonajöchle, unterwegs zeigt sich das erste Mal in der Ferne der Bodensee. Gipfel nehme ich sonst nur selten mit, aber die Matona ist in läppischen 15 Minuten zu erreichen. Mit 1998 m ist sie zwar etwas zu kurz geraten, aber die fehlenden zwei Meter bringe ich ja selber mit. Die Aussicht ist jedenfalls genial.

Am Gipfel der Matona (1998 m)

Das Freschenhaus ist auch schon in Blickweite und eine halbe Stunde später sitze ich auf der Terrasse bei einem Marillenkuchen. Es geht ruhig zu, insgesamt fünf Übernachtungsgäste sind hier, das 9er-Lager habe ich für mich alleine.

Tag 60: Freschenhaus – Hochälpele

Das Frühstücksbüffet steht ab sieben Uhr bereit, das passt gut, denn die heutige Etappe verspricht, länger zu werden.

Der Hohe Freschen (der letzte 2000er auf dem Nordalpenweg) zeigt mir morgens seine sanfte Seite. Vom Freschenhaus ist der Aufstieg ein gemütlicher Almspaziergang, in rund 30 Minuten stehe ich beim Gipfelkreuz. Der weitere Weg breitet sich übersichtlich vor mir aus, auch mein Tagesziel kann ich schon erkennen.

Schattenselfie beim Aufstieg auf den Hohen Freschen
Einmal vom linken an den rechten Bildrand, mein Tagesziel ist der dunkle Gupf rechts der Bildmitte.

Auf der anderen Seite des Freschens geht es – nix Almspaziergang – steil den Binnelgrat hinunter, für die Stahlseilversicherungen bin ich dankbar, es ist immer noch feucht vom gestrigen Regen.

Kleine versicherte Kraxelei

Gratwanderei

Das ganze nochmal im Rückblick

Es sieht aber alles wilder aus als es ist, nach einer weiteren halben Stunde ist die Gratwanderung vorbei und bei der Binnelalpe gönne ich mir die erste Pause (die ganzen Almwirtschaften haben Mitte September bereits geschlossen).

Nochmal zurückgeschaut

Weiter geht’s über schöne Almwiesen zur Altenhofalpe und dann steiler hinauf auf den Salzbödenkopf. Hier beginnt nun eine lange Kammwanderung, die mich die nächsten zwei Stunden beschäftigen wird.

Blick von Salzbödenkopf auf das weitere Programm

Erst wieder runter in einen Sattel, dann 250 Höhenmeter hinauf zur Mörzelspitze, auch dieser Gipfel ist mit einem kurzen Abstecher zu erreichen und bietet prächtige Aussicht.

Aussicht vom nächsten Gipfel, der Mörzelspitze

Weiter geht’s zum Leuenkopf, der ausnahmsweise mal im Hang umgangen wird und auf den First und von dort hinunter in einen Sattel, wo der Kamm nach links verlassen wird (man könnte “oben” noch ein Stückerl weiterwandern, aber halt in die falsche Richtung).

Im Sattel endet die Kammwanderung

In einem Bogen komme ich zur – ebenfalls schon geschlossenen – Obersehrenalpe und lege eine erneute Pause ein, auch wenn vom Lunchpaket schon seit geraumer Zeit nichts mehr übrig ist. Über Almwiesen geht’s weiter runter zur Untersehrenalpe, der weitere “Abstieg” zur Weißenfluhalpe entpuppt sich als knackiger Aufstieg – da hab ich wohl wieder mal nicht genau genug auf der Karte geschaut…

Am Horizont die Weißenfluhalpe. Ich dachte, dorthin geht’s bergab…
Im Wald (rechts) die Bregenzer Hütte, der Gipfel links ist mein Tagesziel.

Auch dort wartet ein schöner Rastplatz, den ich auskosten muss (die Pausen häufen sich), bevor ich dann weitergehe zur Bregenzer Hütte. Diese ist die erste offene Einkehrmöglichkeit des Tages und das Wird natürlich ausgenutzt!

Bei der Bregenzer Hütte

Bis zum “offiziellen” Etappenziel, der Lustenauer Hütte, wären es jetzt nur mehr 15 Minuten, aber ich weiche hier von der 01er-Markierung ab, gehe ein Stück zurück und starte dann den Aufstieg zum Hochälpele, in der Hütte knapp unter dem Gipfel habe ich meinen Schlafplatz reserviert.

(Der Weg von der Bregenzer Hütte über die Lustenauer Hütte zum Bödele verläuft nur auf Fahrwegen, daher wähle ich die längere Alternativroute – die mir aber die morgige Etappe etwas verkürzt.)

Wieder einmal dauert der Aufstieg länger als gedacht, sollte das etwa an mir liegen? Aber der Weg ist schön und als ich mich der Hütte nähere, begrüßt mich der Hüttenwirt namentlich. Bin ich also wohl der einzige Gast. Die Hochälpelehütte ist von den Hütten im Umkreis sicher die urigste Unterkunft und ich werde vom netten Wirt bestens betreut. Und seine Warnung “Bei mir sind die Portionen groß!” kommt mir ehrlich gesagt nicht ungelegen!

Die Hochälpelehütte
Ich bin allein im Lager

Und obwohl die Hütte nicht direkt am Nordalpenweg liegt, kennt sich der Wirt bestens damit aus. Er erzählt auch, dass er gerade eine Reservierungsanfrage für eine 15-köpfige Gruppe hereinbekommen hat, die 2026 den Nordalpenweg non-stop gehen möchte.

Der Gipfel in der Bildmitte ist der Hohe Freschen, von wo ich heute herkam.

Tag 61: Hochälpele – Bregenz

Frühstück gibt’s um halb sieben und auch das reichlich. In der Nacht hat es geregnet (habe davon aber nichts mitbekommen), draußen ist es grau in grau – aber es soll heute trocken bleiben.

Gestern war die Aussicht besser!

Knapp nach sieben gehe ich los, starte mit dem 15-sekündigen Aufstieg zum Gipfel des Hochälpeles und nehme den letzten Tourentag in Angriff.

Im Nebel wandere ich durch das kleine Skigebiet und über den Lank entlang der Piste hinunter zum Bödele. Recht schnell bin ich unterhalb der Nebeldecke und kann zumindest ein bisschen Aussicht genießen.

Am Bödele

Der Ort Bödele am Losenpass wird durchquert und erneut geht es über (recht feuchte) Wiesen abwärts, dann wieder ein Sträßchen hinauf unter den Gipfel des Geißkopfes. Durch recht dunklen Wald komme ich zur Breitentobelalpe und auf steilen Waldwegen hinab nach Alberschwende.

Alberschwende

Hier hole ich mir den wohl vorletzten Stempel auf den 10 Österreichischen Weitwanderwegen und es geschieht wundersames: Ich betrete das Gemeindeamt und noch während ich mich in der Amtsstube orientiere und überlege, wen ich am besten anspreche, steht schon eine Dame auf “Ah, der Herr braucht einen Stempel! Hier, bitte, danke, Wiedersehen!”. Man ist hier wohl schon gut auf das rosarote Büchlein konditioniert… 😉

Weiter geht’s zum Sportplatz und es beginnt eine längere Wald-und-Wiesen-Wanderung, die mich steil hinauf zur Streusiedlung Buggenegg bringt.

Ab dort gilt: It’s all downhill from here…

Und das erstmal auf der Straße für die nächsten drei Kilometer – für mich sogar länger, da ich eine Abzweigung übersehe und das erst beim “Gasthof” Dreiländerblick merke. Die Anführungszeichen deswegen, weil es dort Einkehrmöglichkeit nur mehr in Form von Getränke- und Snackautomaten gibt (immerhin, danke!).

Nun wieder auf Wald- und Wiesenwegen abwärts nach Frickenesch und Holz, zwei Vororten von Wolfurt, einem Vorort von Lauterach, was wiederum ein Vorort von Bregenz (ein Vorort des Bodensees?) ist.

Und schließlich stehe ich vor dem ersten Wanderwegweiser nach Bregenz (1½ Std.) und überlege mir auf einer Bank, wie der Tag weitergehen soll. Um 15:40 hätte ich die letzte Zugverbindung nach Hause, das geht sich aber nicht mehr aus. Nach etwas Suche stellt sich (wieder einmal) heraus, dass das günstigste Einzelzimmer eine Minicabin im Nachtzug nach Wien ist. “Jetzt kaufen” ist da schnell geklickt.

Jetzt habe ich also Zeit, ans Ufer der Bregenzer Ach zu bummeln und dieser entlang, das zieht sich gewaltig…

…bis zum Ufer des Bodensees im Naturschutzgebiet Mehrerauer Seeufer, Bregenzer Achmündung. Wäre es erlaubt, hier in den See zu springen? Egal, mir eh zu kalt.

Ein Fußbad als Zielfoto. Gilt das?

Zum “offiziellen” Ende (laut Wanderbuch, es gibt hier keine Tafel oder sonstwas) des Nordalpenwegs bei der Bregenzer Seebühne muss ich noch ein paar Kilometer am Seeufer entlang wandern. Zum Schluss schickt mich noch eine Baustelle auf eine große Umleitung, aber irgendwann bin ich dann da.

Noch ein paar Kilometer von dem hier…
…und ein Umweg um die Baustelle der Seebühne…
Jetzt gilt’s!

Zehn von zehn, habe fertig! 🙂



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5 Kommentare

  1. Lieber Gert.
    Herzlichen Glückwunsch nochmal auf diesem Wege/an dieser Stelle !
    Fertig mit 10/10 AT-WWWs ok, aber von den 12 großen Es hast Du ja damit gerade mal eine kleine 4-stellige Anzahl an Kilometern, wenn ich exemplarisch (und gerade hier am/zum abschließenden 01er) an den E4 denke ;-b

    Piefkeske Grüße
    K2 🙂

  2. Große Gratulation und danke für die vielen informativen Berichte und die Bilder!

  3. Gratulation zu deiner nun kompletten Sammlung und besten Dank für deine Berichte!

  4. Herzliche Gratulation zur Absolvierung der 10 Weitwanderwege.
    Danke für die schönen Berichte.

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