Mariazellerweg NÖ: Eine Nacht auf des Kaisers Kogel

Dieses Wochenende wollten wir endlich mit dem Niederösterreichischen Mariazellerweg abschließen und endlich in dem steirischen Wallfahrtsort ankommen.

Ich darf gleich vorweg verraten, es ist sich wieder nicht ausgegangen. Trotzdem waren uns eineinhalb schöne Wandertage und eine Hüttenübernachtung irgendwo zwischen Winter und Frühling, zwischen Sonnenschein und Kaltfront vergönnt.

Tag 9: St. Pölten – Kaiserkogel

Die Fahrt mit dem ersten Railjet über den Semmering hat immer ihren besonderen Reiz. Gemütlich durch die schöne Berglandschaft zuckeln während die aufgehende Sonne die Landschaft in ein wunderbares Licht taucht.

Das Kontrastprogramm nach dem Umsteigen: Der zweite Railjet katapultiert uns mit 220 km/h durch den Wienerwald in die niederösterreichische Hauptstadt St. Pölten, wo wir nach ein paar Minuten am Büro jenes Mannes vorbeimarschieren, dem wir die beschauliche Fahrt über den Semmering überhaupt zu verdanken haben. Anstatt schon heute geht’s erst 2026 flotter durch anstatt über den Berg.

Die Wegbeschreibung für unsere erste Tageshälfte ist diesmal sehr knapp gehalten:

Wir marschieren vorbei am Regierungsviertel und queren nach 12 Kilometern nach links über die Brücke über die Traisen.

Und viel mehr gibt’s tatsächlich nicht zu sagen, in der Realität sieht das dann mehrheitlich so aus:

Nach dem fast kerzengeraden Kilometerdutzend erreichen wir Wilhelmsburg, im Bauch ein Loch just in der Form eines mittelgroßen Cordon Bleus auf. Also Zufälle gibt’s!

Im Gasthof zum Schwarzen Bären ist man uns diesbezüglich aber gerne behilflich und frisch gestärkt kann uns nun kein Ziel zu weit sein.

Auf dem Weg Richtung Karibik verlassen wir bei einem Bauernhof den grünen Bereich.

Die Schneelage im hügeligen Abschnitt war eines der großen Fragezeichen dieser Tour, schaffen wir’s bis Mariazell oder müssen wir unterwegs kehrt machen? Vorerst ist’s aber mal kein Problem.

Wo auch immer die Sonne ihre Strahlen bereits hinstrecken kann, hat sie sich den Schnee bereits geholt, nur im Schatten da wird’s schnell mal glatt.

Das frisch geschnittene Holz duftet, die Sonne lacht, da setzen wir uns gerne hin und lachen mit.

Bereits zum zweiten mal komme ich auf den Mariazellerwegen in Kontakt mit dem Voralpenweg 04, so geschehen bereits in Oberösterreich. Hier wie dort laufen die Weitwanderwege 04 und 06 ein gutes Stück parallel. Und auch diesmal zeigt sich der Voralpenweg von seiner besten Seite. Me likes!

Am Hügel gegenüber erahnen wir bereits unser Ziel, die Kaiserkogelhütte in der wir heute als einzige Nächtigungsgäste erwartet werden.

Schattseitig stapfen wir durch den letzten Aufstieg des Tages, bevor wir schließlich mit einer durchwegs selbstgekochten Mostviertler Speisekarte belohnt werden. Eine gemütliche, tagsüber viel besuchte Hütte. Durch die Nähe zu St. Pölten bleiben aber kaum Gäste über Nacht. Wir können uns dafür im geräumigen Lager ordentlich ausbreiten!

Tag 10: Kaiserkogel – Tradigist

Die weiteren Pläne haben wir gestern beim Abendmahl grundsätzlich überarbeitet. Wir glauben den Einheimischen, dass es aktuell ohne Schneeschuhe kein Durchkommen nach Mariazell geben soll.

Auch wenn man uns damit einen gewaltigen Bären aufgebunden hat, ist es trotzdem klug, die Tour dieses Mal etwas kürzer zu halten. Denn die bereits angekündigte Schlechtwetterfront ist uns über Nacht bedrohlich nahe auf den Pelz gerückt.

Gefrühstückt wird aber noch einmal vor ganz großer Kulisse:

Beim Abmarsch mit Blickrichtung Westen überwiegen dann schon die Grautöne.

Die Schneelage ist gar nicht unser Problem, denn die Mostviertler sind fleißige Kaiserkogel-Geher und haben die Wege für uns brav ausgetreten.

Viele Hügel stehen hier im Alpenvorland herum, immer wieder schickt uns der Weg hinauf…

…und endlich oben, heisst’s dann auch noch Stiegen steigen.

Am Geisberg treffen wir auf einen stabilen Zaunübersteig – sogar im Wanderbücherl ist er erwähnt und anscheinend für die Ewigkeit gebaut. Doch das wäre gar nicht nötig gewesen, der Weg wurde mittlerweile weit um den Gipfel herum verlegt.

Wundern wir uns erst ein bisschen darüber, wird von der anderen Seite schnell klar, warum. Knabbert doch ein Steinbruch fleißig am Gaisberggipfel…

Wir mögen es ja gerne, wenn wir beim Wandern weit über vergangene und kommende Wegstücke blicken können. Doch der Weg quer über diesen verschneiten Wiesenhang freut uns in der Vorschau wenig.

Doch wir haben Glück, ganz hinaufstapfen müssen wir nicht. Dieser Wegweiser in der Mitte des weißen Nirgendwos schickt uns wieder nach rechts in den Wald.

Von diesem Zaun ist nicht mehr sehr viel über, doch die wackelige Hühnerleiter ist noch da. Dies ist auch das letzte Foto unserer Tour, wenige Minuten später müssen wir die Regenhüllen über unsere Rucksäcke stülpen.

Trügen wir Hüte, wäre jetzt der Zeitpunkt sie auf die Tour zu werfen. So ziehen wir lediglich die Kapuzen unserer Regenjacken ins Gesicht und steigen hinab zur Straße nach Tradigist, wo wir den Mariazellerweg für diesmal verlassen.

Auch wenn’s schön gewesen wäre, den Weg in weiteren eineinhalb Tagen abzuschließen, den Gipfel des Hohensteins möchten wir lieber bei schönerem Wetter genießen, vielleicht sogar im Otto-Kandler-Haus übernachten, um nochmal so einen Sonnenaufgang abzustauben. Und so marschieren wir jetzt talauswärts bis wir auf die Gleise der Mariazellerbahn treffen.

Gutes Timing ist uns hold, in sechs Minuten kommt der nächste Zug! Die Frage die sich stellt ist, wo denn hier der Bahnhof ist…

Doch ein gelber Wanderwegweiser schickt uns gleich in die richtige Richtung und kaum stehen wir am Bahnsteig fährt auch schon die Himmelstreppe – so heißen die Garnituren der Mariazellerbahn – ein. Bitte alles einsteigen!

Wir. Kommen. Wieder.



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