Grand Canyon Austria: Die Ötschergräben

Auf Knopfdruck beginnt dieses Abenteuer, die goldene Himmelstreppe öffnet ihre Pforten.

Diese Tour beginnt auf Knopfdruck

Himmelstreppe, so werden nämlich die modernen Garnituren der Mariazellerbahn genannt. Einer von ihnen entlässt uns bei der Station Wienerbruck in das heutige Abenteuer. Die kurze Fahrt gibt bereits einen Vorgeschmack auf die spektakuläre Landschaft durch welche wir heute wandern werden: Der Grand Canyon Österreichs – und nein, das ist keine Übertreibung.

Lange schon standen die Ötschergräben auf meiner Wunschliste.

Knapp jenseits der steirisch-niederösterreichen Grenze begeben wir uns auf diese ganz besondere Reise, zu entdecken gibt es heute für uns einiges.

Genau unser Plan!

Viele Wanderer sind es auch, die Ötscher ganz unten umrunden wollen, daher ist es eine gute Idee, diese Tour nicht an einem Wochenende bei Kaiserwetter zu unternehmen. Mit diesem wolkenverhangenen Freitag Nachmittag finden wir einen brauchbaren Kompromiss.

Am Beginn des Weges erbittet ein Kästchen mit breitem Einwurfschlitz von jedem Erwachsenen drei Euro. Wir haben’s grad nicht passend, müssen uns daher etwas großzügiger zeigen. Trotz dieser unfreiwilligen Überzahlung werden die nun kommenden Stunden jeden einzelnen Cent wert sein.

Ohne die vielen Brücken und Stege wäre hier lediglich ein unzugängliches enges Tal, welches kaum jemand je zu Gesicht bekäme.

Immer wieder tropft Wasser von den Wänden.

Der Bach scheint hinter dieser Geländekante im Nichts zu verschwinden, doch dies ist das eher unauffällige obere Ende des Lassingfalls, dessen wahre Größe sich erst von der anderen Seite zeigen wird.

…und fort ist das Wasser.
Ein kurzer Blick zum Ötscher

Erst ein Aussichtspunkt viele Wanderminuten später liegt der Lassingfall dann in voller Pracht vor uns!

Der Lassingfall

Auch der Tunnelbohrer und die Dynamitstangen haben bei der Errichtung des Steiges kräftig mitgeholfen. Durch hellere und finstere Löcher verläuft der Weg talwärts.

Am tiefsten Punkt der heutigen Wanderung mündet der Lassingbach in die Erlauf, die hier nach Norden fließt.

Hier befindet sich auch das Kraftwerk Wienerbruck. Der Maschinenraum ist frei zugänglich, von der Besuchergalerie kann man den Generatoren bei der Stromerzeugung zusehen (und vor allem -hören).

Eine alte Schalttafel mit vielen Köpfen und Hebeln erregt unsere Aufmerksamkeit.

Generatoren brauchen etwas Strom für das Magnetfeld im Anker wenn man keinen Dauermagneten hat. Wenn der Strom nun von extern kommt (z.B. Batterie oder Netz) dann ist das eine Fremd-Erregung…

…lasse ich mir später von einem Strom-Auskenner erklären. Aha.

Die Erlauf

Nur kurz folgen wir der im Vergleich zum Lassingbach sanften Erlauf bachaufwärts, danach gibt der Ötscherbach die Richtung vor und das Tal wird wieder wilder.

Waren bisher die Stege und Brücken gut abgesichert, ist ab hier ein wenig Aufmerksamkeit beim Setzen der Schritte angebracht. Wenn man nur Augen für die Landschaft hat, steigt man hier schnell ins Leere…

Wer hat denn diesen Kieselstein hier hingelegt?

Wow. Einfach nur wow.

Das Gasthaus Ötscherhias ist der einzige Außenposten der Mariazeller Gastronomie in den Ötschergräben, über die Brücke und dann links hinauf wird uns später der Rückweg. Später.

Vorerst geht’s aber geradeaus weiter. Mirafall 20 Minuten steht auf dem Wegweiser, den Wasserfall wollen wir uns natürlich noch ansehen.

Der erste Blick zum Mirafall

Der Mirafall ist dann aber doch unser Wendepunkt. Gingen wir hier geradeaus weiter würden wir in einigen Stunden am Riffelsattel stehen, der den Ötscher von seinem kleinen Bruder trennt. Dort habe ich schon einmal den Verlockungen der Ötschergräben widerstanden, um stattdessen über die verschneiten Almen mariazellwärts zu wandern.

Wir wandern nun gemütlich zurück zum Ötscherhias, eine bunte Wandergruppe gibt dort rechtzeitig ihre Plätze frei, so dass wir im Trockenen sitzen und jausnen können. Die grauen Wolken versuchen gerade einen Regen zusammenzubringen, doch es bleibt beim Nieseln.

Nach der Rast verlassen wir die Ötschergräben und wandern über den Weg 06B zum Erlaufstausee. Dort halten wir uns rechts und kommen nach einer guten Stunde wieder zurück nach Mitterbach. Wer eine kürzere Runde bevorzugt, wandert entland des linken Seeufers zum Bahnhof Erlaufklause.

Tipp: Zwischen den Bahnhöfen Erlaufklause und Wienerbruck verkehren in der Wandersaison eigene Wanderzüge der Mariazellerbahn in dichten Intervallen!



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2 Kommentare

  1. Hallo Gert,
    Was für ein toller Wandertipp – vielen Dank dafür! Wird definitiv für den Frühling auf die Liste gesetzt. 😉
    Liebe Grüße,
    Eva

    PS: sehr schöne Fotos!

    1. Author

      Warum bis zum Frühling warten? 🙂

      Ich bin sicher jetzt im Herbst ist es auch wunderschön dort. Grünes Wasser, grauer Fels, buntes Laub!

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