Stumpfmauer & Tanzboden

Die Überschreitung der Voralm mit ihren Gipfeln Stumpfmauer und Tanzboden bildet den Abschluss und gleichzeitig das Highlight des niederösterreichischen Abschnitts des Eisenwurzen-Weitwanderwegs.

Wer ein wenig Transportlogistik mit Unterstützung von Bus und Bahn  nicht scheut, kann diese Etappe auch als sehr lohnenswerte Tagestour ins Auge fassen.

Scotty zeigt uns vor wie’s geht. Nach etwa eineinhalbstündiger Autofahrt starten wir links unten beim Bahnhof Weißenbach-St. Gallen um nach einer Reise mit der Kirch’n ums Kreuz schließlich „B“ zu erreichen, was in diesem Fall für Hollenstein an der Ybbs steht.

Schiefgehen sollte dabei besser nichts, denn in den angezeigten 1:35 Stunden ist ein dreimaliger Wechsel des Verkehrsmittels – jeweils mit 3, 5 und 1 Minute(n) Umsteigezeit – enthalten.

Tut es auch nicht und in Hollenstein stehen uns Gasthöfe und Privatquartiere in ausreichender Zahl zur Verfügung. Somit können wir morgen früh ausgeruht in den (langen) Tag starten.

Tag 14: Hollenstein/Ybbs – Altenmarkt bei St. Gallen

Weiter als auf 7:15 Uhr konnten wir gestern die Frühstückszeit nicht herunterverhandeln, so verlassen wir Hollenstein knapp vor 8 Uhr. Noch auf der Ortsausfahrt hält plötzlich ein weißer PKW und heraus springt ein alter Bekannter.

Es ist Weitwanderfreund Karl, der lange Jahre die Weitwanderer am Eisenwurzenweg betreut hat. Wären wir ein wenig schneller unterwegs gewesen, hätten wir Abzeichen und Urkunde aus seinen Händen erhalten. Erst vor wenigen Monaten hat er diese Aufgabe in jüngere Hände gelegt.

Überraschungsbesucher Karl hat sich heute aber einen anderen Gipfel vorgenommen.

Nach kurzem Plausch geht es für uns ans Eingemachte, durch den Nebel ist unser erster Gipfel hier bereits zu erahnen. Die Gehzeit nach Altenmarkt fällt auch in die Kategorie „saftig“.

Bald blicken wir aber bereits von oben auf das Nebelmeer, welches an diesem Herbsttag ohnehin keine Chance auf ein langes Leben hat.

Auf ziemlich genau 1000 Metern Seehöhe beginnt der Hugo-Zettel-Steig, der uns in recht gerader Linie auf den Gipfel der Stumpfmauer bringen wird.

Ein letzter Blick hinauf, bevor es losgeht:

Unterwegs treffen wir auf diesen – für seinen Informationsgehalt etwas zu groß geratenen – Wegweiser.

Langweilig ist der Hugo-Zettel-Steig nicht, immer wieder ragen mehr oder weniger stumpfe Felsspitzen aus dem Boden.

Langsam überschreiten wir die Baumgrenze, folgender Blick zurück auf Hollenstein lässt uns schnaufend innehalten.

Bei dieser Aussicht schmeckt die Jause gleich doppelt gut.

Dabei hätte ich mich gar nicht ins Gras setzen müssen, denn bei der Steinernen Katz‘ wäre auch noch ein Sitzplatz mit Panorama frei gewesen.

Miau!

Auf dieser kleinen Alm betreten wir oberösterreichischen Boden, für kurze Zeit verläuft der Weg nun entlang der Grenze zwischen Nieder- und Oberösterreich.

Vor zwei Wochen mussten wir wegen einem bevorstehenden Wintereinbruch unsere Tour in Hollenstein abbrechen. Die warmen Herbsttage haben diesen aber bereits wieder in Vergessenheit geraten lassen. Nur dieses eine, kleine Schneefeld zeugt noch davon.

Wir erreichen bald den Gipfelgrat, der sich hier recht sanft zeigt. Aber auf der Hinterseite hinunterfallen könnte man schon.

Hurra! Der Gipfel ist geschafft, das Gipfelkreuz der 1770 Meter hohen Stumpfmauer ist erreicht. Hollenstein liegt in diesem Moment um 1300 Meter tiefer.

Keiner von uns will je wieder von hier weg. Ein Tag, wie zum Gipfelrasten bestimmt.

Es ist ein prächtiges Panorama und doch ein ungewohnter Blick in die steirische Bergwelt. Von Norden ins Land blickend kann ich nur wenige Gipfel identifizieren, auch den weiteren Verlauf des Eisenwurzenwegs zu benennen fällt mir schwer.

Nur so viel ist klar: In dem breiten Sattel im rechten Bildteil steht die Ennstaler Hütte. Für heuer hat sie für Wanderer bereits geschlossen, aber bereits als nächste Übernachtung am Eisenwurzenweg fix eingeplant. Im Mai geht die Saison wieder los!

Mit dem Zuwizahrer (Hochdeutsch: Fernglas) erkenne ich doch noch einen Gipfel, wenn auch mehr zufällig. Diese beinahe im Dunst verschwindende Kuppe trägt in über 100 Kilometer Entfernung die zwei unverkennbaren Radarkuppeln des Großen Speikkogels an der steirisch-kärnterischen Grenze.

Dieser Gipfel im Vordergrund ist klar, ist die Tanzmauer doch unser nächstes Ziel. Laut dem Höhenprofil im Wanderführer sollten wir da jetzt eben hinüber spazieren können, die Realität sieht leider ein wenig anders aus.

Als zusätzliche Tempobremse fordert der Abstieg in den Sattel unsere gesamte Aufmerksamkeit.

Zwischen Stumpfmauer und Tanzboden befindet sich auch das Dreiländereck zwischen NÖ, OÖ und der Steiermark.Unsere Wanderung durch Oberösterreich ist damit auch schon wieder vorbei.

Den Äußerungen anderer Wanderer entnehme ich, dass es einen Stein zur Markierung des exakten Grenzpunktes gibt, doch mir fällt nichts dergleichen auf.

Der Wiederanstieg auf die Tanzmauer ist dann mehr anstrengend als spektakulär, sodass oben gleich wieder eine Pause fällig ist.

Die Wegweiser im Gebüsch zeigen uns zwei Möglichkeiten des Weiterwegs an, Almweg und Kammweg. Wir entscheiden uns, am Kamm zu bleiben und folgen einer ausgeschnittenen Latschengasse, bevor es schließlich endgültig talwärts geht.

Wir erreichen wieder weichen Almboden und genießen diesen letzten, spektakulären Blick zurück zur Stumpfmauer.

Immer wieder steigen wir nun hinab zur Hinteralm, die einsame Serpentine ist unser nächster Wegpunkt.

Immer im grünen Bereich!

Als wir vor diesem gut gesicherten Wildgatter stehen, glauben wir in eine Sackgasse geraten zu sein. Doch man kann (und soll) sich bequem links vorbeiwurschteln.

Es gibt nun nicht mehr viel zu tun, außer die am Vormittag gewonnen Höhenmeter zu annullieren. Aber bei solchen Bedingungen gibt es wahrlich schlimmere Tätigkeiten als diese.

Auch auf der steirischen Seite der Voralm zeigt der Herbst, was er farblich so drauf hat.

Endlich sind wir unten, noch bei Tageslicht erreichen wir die Straße nach Altenmarkt.

Die Eisenwurzen-Markierung passiert den ennstaler Ort im Süden und da wir weder Übernachtungsquartier noch Stempel benötigen (letzteren haben wir beim Jausenkauf auf der Hinfahrt schon geholt, pssst!) lassen wir Altenmarkt auch rechts liegen.

Die Enns wird am Eisenwurzenweg gleich doppelt gequert, die erste Brücke über den grünen Fluss markiert auch das Ende unseres heutigen Ausflugs. Am Bahnhof parkt unser Auto, hier begann gestern die umständliche Reise nach „B“.

Zehn Wandertage haben wir heuer am 08er verbracht, doch nun müssen wir ihm für dieses Jahr Lebe wohl sagen.

Wir freuen uns aber umso mehr auf das Frühjahr, im Mai könnte uns eine Dreitagestour über die Ennstaler Hütte, Johnsbach und die Mödlinger Hütte bis ins Paltental bringen.



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