Rupertiweg 10: Über den Hundstein

Die schroffen Kalkberge habe ich am Weg nach Süden nun hinter mir, die Landschaft ändert sich und für die nächsten Etappen stehen saftige grüne Almen am Programm. Was nicht heißt, dass die Gipfel niedriger werden…

Gut voran geht’s heute, speziell am Vormittag. Somit komme ich am Nachtmittag weiter als gedacht/geplant.

Tag 12: Riemannhaus – Taxenbach

7 Uhr Frühstück, 7:20 Uhr Aufbruch. Als erstes erwartet mich der lange Abstieg vom Riemannhaus hinunter nach Maria Alm, dieser gliedert sich im Wesentlichen in drei Teile.

Da geht’s nun runter
Im Tal liegt Maria Alm, leicht links davon der Gipfel des Hundsteins – da will ich heute hin.
Der Sommerstein mit dem Riemannhaus

Zuerst geht es steil durch die Felsen hinab zur Talstation der Materialseilbahn. Immer wieder sind Stufen in den Fels gebaut, an Seilversicherungen mangelt es zum Glück nicht. Danebensteigen ist nicht ratsam. Spannend.

Die ersten Versicherungen
Stufen in den Fels gebaut
Da kommt Nachschub fürs Riemannhaus
Aussichtsplatz, fußfrei.

Ab der Talstation folgt dann eine Schotterstraße zum Parkplatz hinunter, zumindest stellenweise sehr steil und mühsam zu gehen.

Bei der Talstation
Gut markiert

Der letzte Teil ist ein längerer Straßenhatscher hinaus nach Maria Alm, der zieht sich zwar ein wenig ist aber im Vergleich zum zuvor gewesenen recht entspannend. Nur die Hitze schlägt nun gnadenlos zu.

Ein Ortstafelselfie ist mein einziges Mitbringsel aus Maria Alm

Apropos schwitzen: In Maria Alm klappere ich die Sportgeschäfte nach einem Wanderhandtuch ab, denn ein solches hatte ich zuhause bei der Zusammenstellung des Rucksackinhalts nicht berücksichtigt, sprich: vergessen.

Jetzt kann ich’s ja zugeben, das war auch der Grund, warum ich gestern auf die Dusche im Riemannhaus verzichtet habe. Und heute steht ja eigentlich wieder eine Hüttenübernachtung an, und nach zwei langen Aufstiegen würde ich dann schon gerne wieder einmal…

Aber so ein Utensil ist in ganz Maria Alm nicht zu bekommen – schlagfertiges Zitat eines Händlers: Mir schwitzen halt einfach net! Gut, werd‘ ich mir am Statzerhaus eines ausborgen müssen.

Was ich hier ebenfalls nicht bekomme, ist Lebensmittelnachschub. Trotz Extraumweg zur Hauptstraße kreuzt kein Spar, kein Billa meinen Weg. Aber ein wenig sollten meine Vorräte noch reichen und irgendeine Alm am Weg hinauf wird’s schon geben…

Von da oben komm ich her…

Aus Maria Alm schon wieder draußen lege ich noch eine kurze Pause in Unterberg ein, genau dort wo der Anstieg auf den Hundstein beginnt, auf dessen Gipfel das Statzerhaus steht.

Besonders aufregend startet der Weg hinauf nicht, steile Wander- und Feldwege führen über sommerliche Skipiste: kein Schatten in Sicht und die eine oder andere Seilbahn befindet sich immer in der Nähe. Nach etwa 400 Höhenmetern geht’s aber rechts weg in den Wald und ein wenig flacher wird’s auch.

Skipiste, die erste.
Skipiste, die zweite.

Bei der Schrambachalm labe ich mich am Brunnen, kühle mich ein wenig ab und wasche mir etwas Schwitz vom Körper. Nächstes Ziel ist die Griesbachalm, auf den Wegweisern ist diese mit Messer-und-Gabel-Symbol versehen also freue ich mich auf eine Jause.

Dort stehe ich dann aber vor verschlossenen Türen, die Saisoneröffnung scheint sich heuer zu verzögern. Also weiter auf Schotterstraßen und Wiesenwegen aufwärts – nicht alle auf der Karte verzeichneten Abkürzungen der vielen Serpentinen sind auch in der Natur vorhanden – bis ich schließlich den Rücken erreiche, der mich auf den Hundstein führen wird.

Der breite Gipfel ist mein Ziel, das Statzerhaus bereits zu erkennen.
Ein gut getarnter Wegweiser
Ich werde interessiert beobachtet…

Es gibt Schotterstraße und Trampelpfad zur Auswahl, obwohl etwas mühsamer wähle ich letzteres, ich bin ja ohnehin bald da.

Heute ein seltener Anblick: andere Wanderer
Nimmer weit!
Die letzte „Kurfe“ vor dem Statzerhaus.

Aus den Sonnenstrahlen des Vormittags sind mittlerweile dunkle Wolken geworden, wäre ich noch länger unterwegs gewesen, hätte die Jacke aus dem Rucksack gemusst. Ich bestelle Saft und Supperl in der warmen Gaststube des Statzerhauses.

Das ist der Gipfel!
Blick nach Zell am See am Zeller See

Nach einer Weile eröffne ich der Wirtin, dass ich hier übernachten will, im Gegenzug erklärt sie mir, dass die Hütte voll ist. Aber irgendwo dazwischen wird sie mich schon unterbringen, meint sie optimistisch. Was auch immer das heißen mag.

Da die Suppe meine Lebensgeister wieder geweckt, spiele ich bald mit dem Gedanken, den Weg ins Tal trotzdem noch dranzuhängen. Drei Gründe lassen die Entscheidung dann pro Abstieg ausfallen.

1. Die Wirtin meint, „das Wetter“ würde vorbeiziehen und ich käme trocken ins Tal.
2. Es ist gerade mal 15 Uhr und bis zu einer akzeptablen Schlafenszeit hier tatenlos herumsitzen mag ich eigentlich nicht.
3. Es gibt hier keine Dusche!

Also nun doch rein in die Jacke, ein Stück des Weges muss ich zurückgehen, bis die Markierung Richtung Taxenbach abzweigt.

Unterhalb der beiden Gipfel verläuft mein Abstiegsweg

Der Wind bläst mir inzwischen kräftig um die Ohren, einmal fegt es mir sogar die GPS-Uhr vom Handgelenk (der Klettverschluss ist allerdings schon etwas altersschwach), aber ich finde sie nach kurzer Suche wieder.

Was mir jetzt zugutekommt, ist dass ich den Weg schon kenne. Bei meiner Begehung des Zentralalpenwegs war ich hier in die Gegenrichtung unterwegs. Daher weiß ich, dass ich nach etwa eineinhalb Stunden auf eine Straße kommen werde, der ich ins Tal folgen kann bzw. muss.

Ab dort kann der Regen dann ruhig kommen (was er dann aber eh nicht tut).

Gemütlich, weil eben

Blick zurück zum Hundstein
Die Pfarrachhöhe

Vorbei an der Pfarrachhöhe mit ihren drei Kreuzen geht es hinunter in einen Sattel, dann bald hinein in den Wald und nicht mehr lange, dann bin ich auf besagter Straße. Nach den 1300 Höhenmetern Abstieg am Vormittag folgen nun noch einmal so viele, aber zum Glück zeigen sich meine Knie unbeeindruckt, da hatte ich schon etwas Sorge.

Nicht-Blick zum Hochkönig (auch wenn die Höhenangabe ohnehin übertreibt)
Ebensowenig zeigt sich der Großglockner
Nun bin ich schon auf Kirchturmhöhe von Taxenbach

Die Quartiersuche gestaltet sich kurz und bündig, der erste Gasthof („Zur Post“) im Ort hat ein Zimmer-frei-Fähnchen an der Fassade und gewährt mir für 29 Euro Unterschlupf für eine Nacht.

Und hungrig bleibe ich auch nicht…

Mahlzeit!

Mein ursprünglicher Plan war, hier Schluss zu machen. Die nächsten Etappen über Rauris und die Seebachscharte ins Gasteinertal kenne ich ebenfalls bereits von einer meiner Zentralalpenwegs-Wanderung und eigentlich wollte ich diese nicht nochmals gehen.

Aber wenn ich schon mal hier bin, kann ich morgen zumindest noch durch die Kitzlochklamm nach Rauris gehen und von dort die Heimreise antreten.



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5 thoughts on “Rupertiweg 10: Über den Hundstein

  1. Bewundere dich ob der langen Etappe. Wir hatten das einzige Zimmer im Statzerhaus reserviert und daher keine Veranlassung weiter zu gehen. Außerdem sind wir in Maria Alm etwas verblieben, da dort gerade Klödeltag war und es im ganzen Ort nur Knödelspeisen gab. Wir sind dann bis Rauris gegangen und haben am nächsten Tag wetterbedingt in Hofgastein geendet. Heuer gehts in der ersten Septemberwoche weiter und wir wollen bis Spittal kommen.
    lg martin p.

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