Rupertiweg 10: Langer kurzer Tag

Es hätte ein kurzer Tag werden sollen, ein paar Wanderstunden bloß, dann gemütliche Heimreise mit Bus und Bahn. Und wie’s halt so ist, wird es doch wieder ein weiter Weg, der mich erst durch eine wunderschöne Klamm führt und mich dann noch an der 2000 Meter Marke kratzen lässt.

Aber von vorne…

Selten habe ich in einem Gasthof so Weitwanderer-freundliche Frühstückszeiten gesehen, bereits um sechs Uhr könnte ich mir mein Streichwurstsemmerl schmieren.

Zum Glück muss ich das heute nicht ganz ausreizen, denn ich habe zwei weitere Limits: Der örtliche Supermarkt – ich benötige ja Proviant für die Heimreise – öffnet um 7:15 Uhr und die Kitzlochklamm gibt sowieso erst um Punkt acht ihre Drehkreuze (!) frei.

Tag 13: Taxenbach – Gasteinertal

Trotzdem muss ich mich spätestens ab dort sputen, denn ich möchte den 11-Uhr-Bus in Rauris erwischen, der mich zum Bahnhof bringen wird bevor es per Bahn nach Hause geht.

Über Eisenbahn und Salzach drüber…

Nach dem Jausenkauf überquere ich nach Salzburg-Stadt zum zweiten Mal am Rupertiweg die Salzach und ein Steig am anderen Ufer führt mich zum Eingang der Kitzlochklamm.

Mein eher mäßiger Witz Nur Bergfahrt bitte! bringt mir an der Kassa doch tatsächlich einen Euro Ermäßigung ein. Die Klamm ist gewohnt beeindruckend, obwohl menschenleer – ich bin der erste der heute unterwegs ist – nehme ich mich nicht viel Zeit dafür. Ein paar Fotos und knapp 20 Minuten später bin ich am oberen Ende der Klamm und gehe eben weiter in Richtung Rauris.

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Der Weg ist schön, abwechselnd schmale Steige und weite Wiesen werden geboten – bis ich zu einem lieblos aufgehängten Zettel komme: Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr gesperrt!

Kurz denke ich nach, ob ich den Hinweis übersehen soll, aber ich weiche dann doch auf die Bundesstraße aus. Nicht so schön, dafür komme ich schnell voran.

Da lang!

Wo soll’s denn hingehen?
Rauris ist nicht mehr weit…

Und so sitze ich dann bereits um 9:30 Uhr auf einer Bank am Ortsrand von Rauris, auf dem ich schon vor sechs Jahren am Zentralalpenweg pausiert habe.

Und weil ich nicht so lange auf den Bus warten möchte, ist die Entscheidung ganz im Sinne Wolfgang Ambros‘ schnell gefallen. I foah no net z’haus, I bleib am Nochmittog a no do!

Also visiere ich als nächstes Ziel die Seebachscharte an, welche das Rauriser Tal vom Gasteinertal trennt. Dort habe ich bis nach 18 Uhr Rückfahrmöglichkeit nach Graz.

Der hat sich wohl eine kostenlose Mitfahrmöglichkeit auf die Seebachscharte erhofft!

Also biege ich ein ins Geißbachtal, lange Zeit auf Schotterstraßen unterwegs, immer sehr steil geht es hinauf. Die gelegentlichen Rastbänke und Trinkbrunnen sind da sehr willkommen.

Erst auf ca. 1400 Meter Seehöhe verlasse ich die Straße, quere den Bach und gehe noch steiler einen Hang hinauf, den ich vom letzten Mal noch als bewaldet in Erinnerung habe. Nun windet sich der Weg durch hohes Gras, Büsche und Baumstümpfe.

Durch ein Waldstück, das den Sturm oder die Schlägerungsarbeiten wohl überlebt hat, erreiche ich die Seebachalm. Erneut gönne ich mir einen kurzen Trunk aus dem Brunnen, Rast halte ich dann etwas weiter oben.

Die Seebachalm

Das etwas luckerte Dach der Laubmaisalm hat mich bereits beim letzten Mal fasziniert, die verfallende Hütte ist die letzte Zwischenstation hinauf zur Seebachscharte auf 1995 Metern.

Da regnet’s wohl manchmal ein wenig rein…
Die Markierung passt sich dem Bauzustand der Hütte an.

Auf der Scharte (1995 m) angekommen, nutze ich den gemütlichen Pausenplatz ausgiebig. Ich glaube, Tisch und Bänke gab es vor sechs Jahren auch noch nicht. Jedenfalls bin ich damals die fehlenden fünf Höhenmeter auch noch aufgestiegen und habe in der Wiese gerastet, heute bin ich dafür zu bequem.

Noch weiß ich nicht, ob die Seebachscharte die linke oder die rechte Einsattelung ist…
Es ist die mit den Kühen!
Blick zurück talauswärts, rechts der Mitte der Hundstein
Ein perfekter Pausenplatzr

Andererseits der Seebachscharte wandere ich über weichen Almboden durch ein weites Kar, eine Wegkreuzung passiere ich geradeaus. In der Hohen Scharte überquere ich einen Rücken und dies sorgt durchaus für einen Wow-Effekt: Die Hohen Gipfel des Alpenhauptkamms liegen vor mir und unter mir breitet sich das Gasteinertal aus.

Ein weites Kar
Netter Spaziergang
W. O. W. !

Nun noch kurz und steil hinab und ich stehe vor der Biberalm, wo ich eine Pause bei Saft und Gugelhupf einlege.

Eierlikörgugelhupf
Hier ließe es sich länger sitzen!

Gewissermaßen ist dies der Endpunkt meiner Tour – obwohl ich heute noch zwei Stunden Abstieg vor mir habe.

Denn hier teilt sich der Weg in zwei Varianten. Der Hauptweg (10) führt ins Tal, während die Variante 10A auf der Höhe bleibt, und diese möchte ich das nächste Mal weiter gehen. Zufahren zur Biberalm kann man zwar nicht, doch immerhin bis zum letzten Bauernhof (O-Ton Wirtin).

Das ist leider nicht besagter Hof…

Doch der letzte Hof – und das bemerke ich erst beim Abstieg – liegt satte 600 Höhenmeter tiefer. Im Nachhinein ärgert es mich, hätte ich doch auf der Biberalm noch einmal übernachten und am nächsten Tag bis Sportgastein weiter gehen sollen (danach hätte ich wetterbedingt ohnehin abbrechen müssen).

Das isser, quasi im Tal

Freundlicherweise führt der Weg direkt am Bahnhof von Bad Hofgastein vorbei, hier kann ich gemütlich die Heimreise antreten.

Und jetzt ab nach Hause!

Nun sind noch zwei Tourentage bis Mallnitz offen (plus der Biberalmzustieg) und schließlich noch das Finale von Hermagor hinauf aufs Nassfeld. Aber fertigbekommen sollte ich den Rupertiweg heuer noch, es wäre mein sechster der zehn Österreichischen Weitwanderwege.



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3 thoughts on “Rupertiweg 10: Langer kurzer Tag

  1. Habe 2017 in Rauris übernachtet und am nächsten Tag über die Seebachalm gegangen und habe auch wetterbedingt beim Bahnhof Hofgastein (sehr ungastlich) abgebrochen. Heuer erste Septemberwoche soll es noch bis Spittal gehen. Nächstes Jahr dann der Endspurt.
    Wünsche dir gutes Wetter!

  2. Hi Gert,

    also wenn ich mir das so anschau, dann weiß ich schon jetzt was ich dann in vielen Jahren mache, wenn ich den 02er abgeschlossen hab. Super Bilder, super Weg und wie gewohnt super und lebendige Berichterstattung.

    Viel Spaß noch weiterhin
    Chris

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